Der Gemeinderat diskutiert die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für ein Hallenbad auf dem Wimberg. Dabei stellt sich auch die Frage nach den laufenden Kosten.
Seit 2013 hat Calw kein Hallenbad mehr. Grund für die Schließung war ein zu hohes Defizit. Etwa 500 000 Euro jährlich musste die Stadt zuschießen. 2023 schloss auch das Hallenbad im Sprachheilzentrum seine Türen.
Calwer Schüler weichen seither für den Schwimmunterricht nach Althengstett aus, manche Vereine ebenso. Der Bedarf ist also da. Deshalb gründete die Stadt ein Arbeitsgruppe. Mit dabei sind die Verwaltung, der TSV Calw, ein Förderverein und Vertreter des Gemeinderates.
Gemeinderat ließ Wimberger Variante prüfen
Im Januar präsentierte die Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse im Gemeinderat. Die Grundidee: Ein in Modulbauweise errichtetes Hallenbad mit vier Bahnen in einem 25-Meter-Becken. Genutzt werden kann es nur von Vereinen oder Schulen. Das spart Personalkosten. Auch auf viele weitere Dinge soll verzichtet werden: kein Sprungturm, kein Hubboden, keine Düsen, nur Sammelumkleiden.
Der Standort ist auf dem Wimberger Parkplatz unterhalb des Berufsschulzentrums beim Skate-Park geplant. Dort sind viele Schulen in der Nähe, so die Logik. Zudem könnten Neubulach, Schömberg, Oberreichenbach oder Bad Teinach-Zavelstein ebenfalls vom Hallenbad profitieren. Einen Standort beim Freibad in Stammheim verwarf der Gemeinderat. Der sei zu nah am Althengstetter Bad, so der Tenor im Januar.
Das Gremium beschloss damals die Umsetzung der Wimberger Variante in einer Machbarkeitsstudie prüfen zu lassen. Diese sollte vor allem eine vorläufige Kostenschätzung bringen.
Fast 10 Millionen Euro teuer
Am Donnerstag stellte Architekt Matthias Povel die Ergebnisse im Gemeinderat vor. Sein Plan enthält ein zweistöckiges Modulgebäude ohne Keller. Das Gebäude hat demnach eine Grundfläche von 30 auf 50 Meter. Im Erdgeschoss befindet sich die Technik und der untere Teil des Edelstahlbeckens. Im Obergeschoss kommen Umkleiden, Lager, 70 Spinde und der Zugang zum Becken unter. Povels Plan spart wie gefordert: nur Sammelumkleiden, keine Extras. Die Umkleiden und Spinde befinden sich im Warmbereich, was wiederum Geld spart.
Unterm Strich rechnet Povel mit 9,5 Millionen Euro für das Projekt. „Es ist eine Machbarkeitsstudie, das ist noch nicht fertig entwickelt“, schränkte er die Belastbarkeit dieser Zahl ein. Johannes Schwarz (SPD/Grüne) hatte gleich einen weiteren Sparvorschlag: Das natürliche Gefälle des Geländes nutzen, um einen barrierefreien Zugang zum Obergeschoss zu ermöglichen. Damit spare man sich einen teuren Aufzug. Grundsätzlich sei das möglich, so Povel.
100 000 Euro pro Jahr?
Für das Energiekonzept gibt es drei Varianten. Erstens eine Integration ins Nahwärmenetz des Schulzentrums plus eine PV-Anlage, zweitens die selbe Idee aber gekoppelt mit einer Wärmepumpe und drittens nur eine Wärmepumpe mit PV-Anlage. Die dritte Variante sei auf Dauer die günstigste, meinte Tim Strobel von der Stabstelle Strategie und Projekte. Etwa 56 000 Euro koste die pro Jahr. Dazu kämen jährlich rund 57 000 Euro für Wasser und Abwasser. Das seien aber noch nicht alle laufenden Kosten. Hinzu kämen Personal, Wartung, Reinigung und der CO2-Preis.
Von den Betriebskosten hängt der jährliche Fehlbetrag ab, den die Kommune ausgleichen müsste. Oliver Höfle (GfC) war von deren Höhe „positiv überrascht“. Christoph Heinrich Perrot (FW) meinte hingegen, dass die Betriebskosten „zu gut“ gerechnet seien. Es brauche in einem nächsten Schritt präzisere Zahlen - und einen Zeitplan. „Die Betriebskosten sind der entscheidende Punkt“, sagte Bernhard Plappert (CDU). „Der Betrieb ist der eigentliche Invest“, stimmte Povel zu.
Woher soll das Geld kommen?
Den akuten Bedarf eines Hallenbads sahen fast alle im Gremium. Doch die Stadt hat das Geld für die Umsetzung des Projekts nicht - und hofft auf Zuschüsse. Oberbürgermeister Florian Kling war sich sicher, dass ein solches Förderprogramm kommen werde. Es fehlten bundesweit Wasserflächen für den Schwimmunterricht. Und sollte die Förderung kommen, sei es gut, wenn die Stadt genau wisse, was sie wolle. OB Kling sah eine weitere Möglichkeit der Finanzierung. Benachbarte Kommunen bräuchten ebenfalls dringen Wasserflächen für ihre Schüler. Die könnten sich an den Kosten beteiligen. Calw könnte durch ein eigenes Hallenbad auch Geld sparen. Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten erklärt OB Kling, dass die Stadt aktuell jährlich circa 75 000 Euro dafür ausgibt, dass Calwer Schüler in anderen Hallenbädern unterrichtet werden können. 40 000 Euro fließen demnach nach Althengstett, 35 000 nach Gechingen.
Der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit dafür, dass die Verwaltung die Planung weiterverfolgt – und nach Fördermitteln Ausschau hält. Nur die AfD war dagegen. Die Stadt könne sich kein Hallenbad leisten, argumentierte Peter Drenckhahn (AfD). „Wir sollten die Sache nicht weiterverfolgen“, meinte er. Seinen Antrag lehnte das Gremium mit großer Mehrheit ab.
Nun begibt sich Calw also auf die Suche nach Fördergeldern. Kommen die in ausreichender Höhe, kommt ein Hallenbad. Und auch nur, wenn die Stadt die laufenden Kosten dauerhaft stemmen kann. Sonst bleibt die Kreisstadt weiterhin ohne Hallenbad.