Vor-Ort-Termin mit Zollerblick (von links) Martin Birnbaum, Deponieleiter Stefan Koch, Joachim Lehner, Amtsleiter Friedrich Scholte-Reh und Landrat Günther-Martin Pauli. Foto: Ungureanu Foto: Schwarzwälder Bote

Umweltschutz: Methanaustritt aus ehemaligen Deponien Lindenwasen und Geißbühl wird gemessen / Beitrag zu Klimaschutz

Kann es umweltfreundlich sein, Kohlendioxid zu produzieren? Es kann. Nämlich dann, wenn damit Methangas ersetzt wird. Das ist nämlich 28-mal schädlicher für das Klima.

Hechingen. Es hat sich gezeigt, dass alte Deponien, auf denen organische Abfälle gelagert wurden, auch nach 40 Jahren noch gären und Methangas produzieren. Das soll sich in Zukunft ändern und dafür sind auch Fördermittel des Bundesumweltministeriums zugesagt.

Landrat Günther-Martin Pauli sprach bei einem Vor-Ort-Termin auf der ehemaligen Deponie Lindenwasen in Hechingen von einer "innovativen Geschichte": Deponiegasverwertung sei eine kreative Nutzung der Ressourcen. Zum Beispiel auf der Kreismülldeponie in Hechingen, wo das Deponiegas von der Industrie verwertet wird.

Aber auf den alten Deponien gab es keine Einrichtungen zur Gaserfassung. Dieses entweicht bislang noch unkontrolliert in die Atmosphäre. So auch auf dem Lindenwasen, wo der Landkreis bis 1982 eine Mülldeponie betrieben hat. "Wir wollten feststellen, ob es hier Gas gibt", erklärte Friedrich Scholte Reh, Amtsleiter Umwelt und Abfallwirtschaft beim Landkreis: "Kann es verwertet werden? Oder muss es vernichtet werden?"

Um das festzustellen, hatte der Landkreis die Firma Contec aus Herrenberg beauftragt, die seit 25 Jahren in Sachen Deponiegas unterwegs ist. Die ersten Ergebnisse der Probebohrungen und der mobilen Anlagen, die seit Juni in Betrieb sind, wurden von Martin Birnbaum vor Ort vorgestellt: Eine Verwertung lohne sich nicht, denn das Deponiegas – es sind 90 Kubikmeter pro Stunde – enthalte nur elf Prozent Methan. Und abfackeln könne man es auch nicht, weil zuviel Sauerstoff darin sei. Eine andere Technik müsse demnach her.

Bei einer anaeroben Gärung, also ohne Luftzufuhr, entstehe Methan, erklärte Joachim Lehner von der Firma Contec. Werde aber Luft in die Deponie "geblasen", würden die Gärungsbakterien umprogrammiert: Dann entstehe Kohlendioxid. Etwa 2400 Tonnen im Jahr, schätzen die Fachleute von Contec.

Methan wäre, so Lehner, 28-mal schädlicher für das Klima. "Es geht hier nicht um eine Verwertung", sagte er, "sondern um Klimaschutz." Die Maßnahme werde "massiv gefördert". Es gehe um schwer abbaubare Abfälle, "die die jetzige Generation nicht verursacht hat". Die Halbwertszeit liege bei 50 Jahren, und dabei müsse man mit "Faktor drei" rechnen, also 150 Jahren, bis eine solche Deponie keine schädlichen Gase mehr ausstoße. Eine aerobe Gärung gehe allerdings schneller.

Hier gelte es, Verantwortung zu übernehmen, sagte Landrat Pauli: "Wir sind zwar keine Pioniere, aber wir sind unter den Ersten mit dabei." Und Friedrich Scholte-Reh ergänzte: "In zwei, drei Jahren wird es Pflicht."

Ganz billig wird das nicht: Scholte-Reh schätzt rund 100 000 Euro pro Deponie. Nächstes Ziel der Untersuchungen ist die ehemalige Deponie Geißbühl am Streichener Sträßle bei Heselwangen.