Ein Kritikpunkt sind die Zu- und Abfahrtswege. Im Sommer staubt es, bei Regen werden Fahrzeuge schmutzig. Archiv- Foto: Günzel

Müll: Kosten für Modernisierung im Ausschuss intensiv diskutiert / Landrat Michel drängt auf Beschluss

Zwei größere Projekte stehen an der Deponie und auf dem Wertstoffhof in Bochingen an. Darüber wurde im Kreisausschuss "Eigenbetrieb Abfallwirtschaft" beraten. Eine Million Euro wurde dafür im Wirtschaftsplan 2022 vorgemerkt.

Kreis Rottweil. Zum einen soll ein neues Betriebsgebäude gebaut werden. Hierfür spricht nicht nur die Tatsache, dass das alte Gebäude mehr als 50 Jahre alt ist, sondern insbesondere der Umstand, dass das Gebäude und die Räume nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung und dem Gebäudeenergiegesetz entsprechen.

So gibt es zum Beispiel nur einen Raum, der gleichzeitig als Pausen-, Ess-, Umkleide- und Besprechungsraum dient. Zudem gibt es keine Hygieneschleuse, die den schmutzigen vom sauberen Bereich trennt. Die Baukosten für das neue Gebäude werden auf 480 000 Euro geschätzt.

Es gibt viel zu tun

Zum anderen ist eine Ertüchtigung, Modernisierung und Erweiterung des Wertstoffhofes auf der Deponie geplant. Nach Auskunft von Christian Mutz vom Eigenbetrieb Abfallwirtschaft ist die derzeitige Fläche für einen verkehrssicheren und bürgerfreundlichen Betrieb nicht ausreichend. Die Bodenfläche besteht nur aus wassergebundenem Feinschotter, so dass bei regnerischem Wetter nach dem Befahren der Strecke ein Gang in die Waschanlage nötig ist. Des Weiteren sind Zu- und Abfahrtswege nicht getrennt. Die Baukosten für die Ertüchtigung werden in diesem Fall auf 600 000 bis 700 000 Euro geschätzt.

Rechnet man beide Vorhaben zusammen, kommt eine Summe im siebenstelligen Bereich heraus. Die Kostenschätzungen sorgten im Gremium für reichlich Verwunderung. Horst Niehues von der AfD meinte: "Mich hat’s gerade fast vom Sessel gehauen. Die Kosten erscheinen mir völlig überzogen. Verbesserungen und ein Neubau sind absolut notwendig, aber nicht zu diesem Preis".

Michael Lehrer (FWV) war ähnlicher Meinung. "Es muss etwas getan werden. Aber die Summe ist schon eine ordentliche Hausnummer. 240 Quadratmeter für fünf Mitarbeiter erscheinen mir recht üppig. Ob Toiletten in beiden Stockwerken zwingend notwendig sind, ist ebenfalls die Frage".

Kontroverse Diskussion

Eben jenes Modell mit den zwei Stockwerken kritisierte Lehrers Fraktionskollege Hermann Acker. "Wir sollten an die Barrierefreiheit denken. Das müsste man nochmal genau hinterfragen". Nach weiteren Wortmeldungen brachte Acker den Vorschlag, für den Wirtschaftsplan 2022 eine Million Euro vorzumerken und die weiteren Details der Planungen noch zu besprechen.

Der Erste Landesbeamte Hermann Kopp schlug in die selbe Kerbe. "Wir sollten auf jeden Fall Mittel im Wirtschaftsplan einstellen. Am besten sollte das Gremium sich vor Ort mal selber ein Bild über die Zustände machen".

Landrat Wolf-Rüdiger Michel drängte ebenfalls auf einen sofortigen Beschluss. Hierzu sah aber vor allen Dingen Markus Huber von den Freien Wählern keine Veranlassung. "Ich wüsste nicht, wieso das jetzt so sofort beschlossen werden muss. Die Zustände sind schon eine Weile schlecht, da kommt es auf ein halbes Jahr oder Jahr auch nicht an. Das Ganze muss gut geplant sein".

Michel wird deutlich

Landrat Michel schlug daraufhin einen deutlichen Ton an: "Ich wiederhole mich jetzt zum dritten Mal. Wir befinden uns, was das Betriebsgebäude anbelangt, in rechtlich unmöglichen Zuständen. Das muss zeitnah erledigt werden. Die Planung kann in einer der nächsten Sitzungen nochmals genauer vorgestellt werden, aber wir sollten heute einen Beschluss haben".

Diese Worte überzeugten wohl, denn der Beschluss ging mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung durch. Es wurde entschieden, den Bau des Betriebsgebäudes in Modul-Bauweise umgehend in die Wege zu leiten, der Modernisierung und Ertüchtigung des Wertstoffhofes grundsätzlich zuzustimmen und eine Million Euro für die Vorhaben im Wirtschaftsplan 2022 zu vermerken. Weitere Details sollen in einer der nächsten Sitzungen diskutiert werden.