Mehr als zehntausend Tonnen Bauschutt wurden im vergangenen Jahr auf der Mülldeponie Bengelbruck angeliefert – fast viermal mehr als im Jahr zuvor. Wie genau diese Steigerung zustande gekommen ist, konnte die Kreisverwaltung zunächst nicht beantworten. Das sorgte für kritische Nachfragen von Seiten einiger Kreisräte.
Fällt irgendwo im Landkreis Freudenstadt Bauschutt an, wird dieser in der Regel zur Mülldeponie Bengelbruck gebracht, die nördlich von Freudenstadt liegt. Und offenbar war dort im vergangenen Jahr viel Betrieb. Denn wie nun aus Unterlagen hervorgeht, die dem technischen Ausschuss des Landkreises vorgelegt wurden, sind 2023 insgesamt 10 381 Tonnen Schutt angeliefert worden.
Die Zahlen lassen aufhorchen. Denn 2022 lag die Menge noch deutlich darunter. Damals wurden 2641 Tonnen zur Deponie gebracht. Die Menge hat sich also gegenüber dem Vorjahr fast vervierfacht. Und die vorläufigen Hochrechnungen für das laufende Jahr sagen eine Menge von 4500 Tonnen voraus – also wieder deutlich weniger.
Das Jahr 2023 ist damit ein regelrechter Ausreißer. Kein Wunder, dass die Kreisräte im technischen Ausschuss kritisch nachhakten. „Wie kommt das zustande?“,wollte Christina Nuss (Frauen-Liste) wissen. Schließlich sei an den Kreisstraßen nur das Nötigste gemacht worden.
Wolf hat einen Verdacht
Noch deutlicher wurde Ernst Wolf (FDP): „Das sieht mir so aus, als ob von außerhalb des Kreises etwas angeliefert worden wäre und wir Verlust damit machen.“ Wolf forderte daher: „Ich hätte gerne konkret ein paar Fakten, die das, was ich sage, deutlich widerlegen.“
Die Verwaltung bemühte sich nun, den auffälligen Anstieg irgendwie zu erklären – blieb die geforderten konkreten Fakten aber vorerst schuldig. Stattdessen wurden den Kreistagsmitglieder vor allem Theorien und Vermutungen präsentiert, wie es zu der Vervierfachung der Schuttmenge gekommen ist.
„Wir haben 2023 noch eine hohe Bautätigkeit gehabt und jetzt geht es in allen Bereichen zurück“, erklärte Ulrich Hanfstein, Sachgebietsleiter der Abfallbearbeitung.
Auch hätte die Deponie bis 2022 noch sehr hohe Gebühren verlangt, um möglichst wenig Deponieraum zu verbrauchen. Viel Schutt sei daher früher zu Deponien in den Nachbarlandkreisen gebracht worden.
Ab 2023 seien die Preise dann geringer ausgefallen. Denn zuvor habe der Kreis nicht genug berücksichtigt, dass eben auch die Pflicht bestehe, ausreichend Deponieraum zur Verfügung zu stellen. Hanfstein betonte aber: „Wir haben nichts von anderen Landkreisen angenommen.“
Hanfstein wehrt sich
Doch Wolf ließ nicht locker: „Wenn wir eine Vervierfachung der Menge haben, hätte sich das doch in einem positiven Ergebnis niederschlagen müssen.“ Zuvor war den Kreisräten vorgerechnet worden, dass die Abfallwirtschaftsbetriebe Freudenstadt im vergangenen Jahr rund eine halbe Million Euro Verlust gemacht haben.
Doch diese Kritik wollte Hanfstein so nicht stehen lassen. Ursprünglich sei nämlich ein viel höherer Fehlbetrag eingeplant gewesen – nämlich knapp 1,5 Millionen Euro. Sprich: Es ist wesentlich besser gelaufen als geplant. „Das ist rundum ein sehr positives Jahresergebnis, auch wenn ein Minus vor der Zahl steht“, meinte Hanfstein.
Doch damit war natürlich noch immer nicht die Frage geklärt, woran genau die ungewöhnliche Steigerung gelegen hat. Reinhard Geiser, der als Erster Landesbeamter die Sitzung leitete, kündigte daher an: „Wir liefern das nach. Das interessiert mich selber.“