Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat das sanierte Auggener Bahnwärterhäuschen prämiert. Das besondere Gebäude dient inzwischen Wohnzwecken.
Erst war es das Zuhause einer Bahnwärterfamilie, später – nach einer Erweiterung – das Empfangsgebäude für den Haltepunkt Auggen. Nach einer kürzlichen umfassenden denkmalschonenden Sanierung dient der frühere Bahnhof an der Rheintallinie inzwischen Wohnzwecken. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat das Gebäude nun zum Denkmal des Monats Mai ernannt.
Historische Gemäuer
Die Geschichte des besonderen Bauwerks reicht mehr als 170 Jahre zurück.
Der historische Bahnabschnitt zwischen Müllheim und Schliengen wurde am 15. Juni 1847 als Teil der Badischen Hauptbahn eröffnet. Wenige Jahre später entstand der jetzt prämierte Kernbau in Auggen: 1853 erbaute die Großherzoglich Badische Staatseisenbahn das einstöckige Haus neben den Gleisen als Unterkunft und Arbeitsstätte eines Bahnwärters, der für Sicherheit, Kommunikation und Instandhaltung entlang seines Streckenabschnitts zuständig war.
Bahnwärter-Aufgaben
Vor Einführung von Telegrafen oder Telefonen waren diese Bahnbeschäftigten für die Kommunikation zwischen den Stationen und mit dem fahrenden Zug zuständig. Dafür nutzten sie vorwiegend optische Signale. Außerdem hatten Bahnwärter die Aufgabe, durch regelmäßiges Abgehen der ihnen zugeteilten Strecke die Anlagen auf Schäden zu untersuchen.
Zum Wartesaal ausgebaut
40 Jahre nach dem Kernbau wurde das Bahnwärterhaus zum Bahnhof mit Empfangsgebäude und Wartesaal ausgebaut. In dem zweistöckigen Anbau mit Rundbogenportal und Satteldach, der die Unterkunft dann ergänzte, wurden auch Dienstzimmer eingerichtet.
„Bereits die reich gegliederte Fassade mit ihren typischen Fensterformen und Sandsteinelementen zeugt vom Wiedererkennungseffekt der damaligen Staatsbahnarchitektur“, heißt es in der Mitteilung der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Im Inneren seien historische Ausstattungselemente erhalten geblieben, etwa Holztüren und -rahmen. Gleichzeitig seien denkmalgerechte Kompromisse gefunden worden, die modernes Wohnen einschließlich Photovoltaikanlage ermöglichen, heißt es weiter.
Zuschuss
Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat die Sanierungsarbeiten der privaten Eigentümer mit einem Zuschuss von 25 000 Euro unterstützt.
Nach ihrem Motto „Bürger retten Denkmale“ fördert die Denkmalstiftung Baden-Württemberg seit nunmehr 40 Jahren insbesondere private Initiativen und gemeinnützige Bürgeraktionen, die sich für den Erhalt von Kulturdenkmalen im Land engagieren.
Vor dem Verfall retten
Laut Mitteilung hat die Stiftung bürgerlichen Rechts im vergangenen Jahr 29 Projekte unterstützt. Seit Gründung der Denkmalstiftung 1985 seien mehr als 1750 Vorhaben mit rund 71 Millionen Euro gefördert worden, um Baudenkmale vor dem Verfall zu retten, heißt es weiter.
Zwei Drittel davon waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. Finanziert würde dies neben den Erträgen aus dem Stiftungskapital auch durch „erhebliche Mittel aus der Lotterie Glücks-Spirale“, welche die Stiftung erhalte.