Gerade einmal postkartengroß ist das auf Büttenpapier gedruckte Bild, welches das Kloster Binsdorf im frühen 18. Jahrhundert darstellt. Foto: Kauffer

Einen erstaunlichen Zufallsfund hat der Binsdorfer Andreas Schreijäg im Internet gemacht: Er entdeckte einen Kupferstich, der das ehemalige Dominikaner-Terziarinnenkloster zeigt, wohl aus dem Jahr 1722.

Das Bild ist auf Büttenpapier gedruckt und zeigt unter einer Marienfigur das Dominikaner-Terziarinnenkloster mit dessen barockem Garten. Es hat nur Postkartengröße, 15,5 mal 10,3 Zentimeter, und ist eine kleine Sensation.

 

Andreas Schreijäg, Ortsvorsteher Andreas Bonaus, die mit der Binsdorfer Klostergeschichte vertraute Architektin Isabel David aus Haigerloch und Geislingens Stadtarchivar Alfons Koch haben alle vorhandenen Quellen und ihre persönlichen Kenntnisse eingebracht. Sie sind sicher: Dies ist die bisher älteste bekannte Darstellung des Klosters.

Wie wurde das Bild gefunden? Schreijäg stöbert im Netz immer wieder nach historischen Funden aus Binsdorf. So auch am 12. Oktober: Auf dem Online-Marktplatz eBay entdeckte er das Bild, nur ein einzelnes Blatt.

„Das hab’ ich noch nie gesehen gehabt“, erinnert er sich. Zuerst hielt er es für eine Heiligenpostkarte, aber der Bezug zu Binsdorf war aufgrund des Texts darauf sofort klar.

Er sprach mit Bonaus, ob man das Bild nicht kaufen solle. Jener schaute auf den Preis: 39 Euro – „da haben wir net lang geschwätzt, sondern es gleich gekauft“, berichtet dieser.

Woher stammt es? Als das Bild vor ihnen lag, wurde klar: „Das ist keine Postkarte!“ Es handelt sich dabei vielmehr um eine Seite, die aus einem Buch herausgetrennt worden war.

Sie zogen Koch und David hinzu. Jetzt begann die Recherche in alten Dokumente und der Abgleich von Jahreszahlen.

Die Landschaftsarchitektin vermutete schnell, dass es sich dabei um ein sogenanntes „Frontispiz“ handelt. Das ist eine bildliche Darstellung auf der linken Seite gegenüber dem Titelblatt eines Buchs.

Wenn sich historische Bücher schlecht verkaufen lassen, werden die enthaltenen Stiche oft herausgetrennt und einzeln angeboten. Leider, berichtet Bonaus, besaß der Anbieter, ein Antiquitätenhändler aus Ragusa auf Sizilien, nur diese einzelne Seite. Sie sei ein Zufallskauf irgendwo in Deutschland gewesen. Ursprünglich muss das Buch aber Teil der Klosterbibliothek gewesen sein.

Andreas Bonaus (von links), Andreas Schreijäg und Alfons Koch freuen sich über den glücklichen Zufallsfund. /Wolf-Ulrich Schnurr

Was wurde aus den Büchern? Koch hat vor einiger Zeit im Staatsarchiv Ludwigsburg alles kopiert, was er über das Binsdorfer Kloster finden konnte. Von den darin erwähnten etwa 80 Büchern in dessen Bibliothek existieren vielleicht noch 20, weiß er.

In einem Dokument über die Säkularisierung des Klosters 1805 ist der Stadtarchivar auf den Verkauf der Bücher gestoßen: Sie wurden an einen Kaufmann namens Meder in Rosenfeld veräußert

Wer schuf das Bild? Weiter brachte die Nachforschungen der als Urheber genannte Michael Kauffer. Dieser war ein bekannter Kupferstecher und Kartograf aus Augsburg und lebte von 1685 bis 1727.

Für das Jahr 1722 hat die damalige Priorin (Vorsteherin) Hylaria Augustina Buemayrin in der Klosterchronik festgehalten, dass sie aus ihrer Heimatstadt Augsburg ein mit Silber beschlagenes Messbuch erhalten habe. Somit besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das jetzt wiedergefundene Bild vorne in genau diesem Buch befand.

Wie lässt es sich datieren? Der Kupferstecher Kauffer lebte nur bis 1727. Außerdem fehlt auf seinem Bild noch ein „Glockenreiter“ auf dem Klosterdach. In diesem laut der Klosterchronik am 4. September 1727 errichteten „Türmlein“ hing die „Sancta-Agatha-Glocke“, die größte des Klosters.

Auf der ältesten zuvor bekannten Darstellung des Binsdorfer Klosters ist dieser Glockenreiter hingegen abgebildet. Jene findet sich in einem 1731 von dem Augsburger Johann Georg Bergmüller gemalten Altarblatt, das heute in der Gruoler Friedhofskapelle ist.

Zuvor war dieser Ausschnitt aus dem Altarblatt von 1731 die älteste bekannte Darstellung gewesen. Foto: Archiv/Bergmüller

Wo ist das Bild zu sehen? Der wohl mehr als 300 Jahre alte Kupferstich befindet sich derzeit noch in einer Vitrine im Raum zur Präsentation der Ortsgeschichte im Binsdorfer Rathaus. In nächster Zeit soll laut Koch aber eine Nachbildung angefertigt und dort ausgestellt werden.

Das Original kommt dann ins Stadtarchiv Binsdorf – fachgerecht archiviert, lichtgeschützt und in säurefreiem Papier eingeschlagen, damit es möglichst lange hält. Nur zu besonderen Anlässe soll das älteste Bild des Binsdorfer Klosters noch öffentlich gezeigt werden.

Die Suche geht weiter: Doch was ist mit dem Messbuch und anderen Werken, die einst in der Klosterbibliothek standen? Binsdorfs Ortsvorsteher Bonaus hofft, dass beispielsweise aus der Leserschaft des Schwarzwälder Boten Hinweise kommen könnten, was aus den 1805 nach Rosenfeld verkauften Klosterbüchern geworden ist. Vielleicht finden sich ja noch historische Exemplare in der Nachbarstadt?

Andreas Bonaus ist per E-Mail an ovbinsdorf@stadt-geislingen.de zu erreichen.