Vom Kirchplatz aus ist nur zu erahnen, wieviel Arbeit seit vergangenem Jahr bereits im Inneren des Gebäudes geleistet worden ist. Foto: Schnurr

Fast 340 Jahre alt ist das ehemalige Binsdorfer Dominikanerinnenkloster. Nach der 2021 begonnenen Sanierung soll es wieder ein Schmuckstück und ein Anziehungspunkt sein, der über den Ort hinaus wirkt.

Geislingen-Binsdorf - Was der kleine Ort an dem historischen Gebäude hat und was aus diesem nach der Sanierung werden könnte, waren Themen einer Präsentation, die der Architekt Timo Raible und die Landschaftsarchitektin Isabel David für den Ortschaftsrat vorbereitet hatten. Neben den Gremiumsmitgliedern folgten ihren Ausführungen auch die Vorsitzenden des katholischen Kirchengemeinderats (KGR), Pater Augusty und Regina Günzel, die Kirchenpflegerin Brigitte Wolpert und weitere KGR-Mitglieder, sowie einige Einheimische, die interessiert waren, was sich im Wahrzeichen ihres Wohnorts tut.

 

Reparaturen vor allem unterm Dach

Raible erläuterte, dass derzeit der erste Bauabschnitt läuft. Dabei werden alle für die Stand- und Verkehrssicherheit des Klosters notwendigen Bauteile erneuert.

Seit Mai 2021 erfolgt beispielsweise die Reparatur der schadhaften Dachbalken und Auflagestellen. Das aus dem Jahr 1685 stammende, durch Pilzbefall beschädigte Tragwerk wird aber nur dort ausgebessert, wo dies aufgrund der Schäden zwingend notwendig ist – vor allem an den Dachfußpunkten in den Traufbereichen

Pfarrbüro soll zurück nach Binsdorf

Der zweite Bauabschnitt soll die Räume im Erdgeschoss wieder für die Kirchengemeinde St. Markus nutzbar machen. Dorthin soll nach dem Willen des KGR das derzeit in Geislingen ausgelagerte Pfarrbüro zurückkehren; man brauche einen Ansprechpartner vor Ort. Die Gemeinde will den ehemaligen Konventssaal weiterhin für eigene Veranstaltungen nutzen, aber auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

In diesem Saal wurden Teile der Stuckverzierungen freigelegt, die erahnen lassen, was sich unter dem Putz alles verbergen könnte: "Sie haben eine unglaubliche Lebendigkeit und Qualität", sagte David. Dieser Raum werde in der Region seinesgleichen suchen, freut sich Raible.

"Überall spannende Funde"

"Überall spannende Funde"

Überhaupt würden "überall spannende Befunde sichtbar", wo Wandverputze entfernt wurden, beschrieb der Architekt. So war beispielsweise an der Nordostecke das Muster der Originalfassade aus dem 17. Jahrhundert unter dem Putz verborgen. Nach dieser Entdeckung kann man jetzt sagen, wie das Gebäude ursprünglich ausgesehen hat. Die alte Fassade soll wiederhergestellt werden.

Die Steinböden in den Gängen im Obergeschoss waren mit allerlei Materialien abgedeckt, das inzwischen entfernt ist. Der Architekt Raible beschrieb begeistert, wie sauber die Handwerker vor mehr als 300 Jahren gearbeitet haben. "Egal wo man etwas aufmacht, es ist noch alles in Originalqualität da", freut sich auch David.

Von dem im Barock errichteten Kloster existieren heute nur noch der Konventbau und der dahinter liegende Kreuzgarten. In letzterem hat Isabel David unter der Grasnarbe unerwartete Funde gemacht, beispielsweise Steinkaskaden nach englischem Vorbild.

In einer Liga mit Burg Hohenzollern

Kloster als Besuchsmagent

Der dortige Holzpavillon stammt aus der Zeit um 1900, und war in einem desolaten Zustand. Er wurde abgebaut und wird jetzt aufwändig erneuert. Ebenfalls instandgesetzt wird der barocke Springbrunnen. "Der Garten wird ein großer Anziehungspunkt für Binsdorf werden", richtete die Landschaftsarchitektin den Blick in die Zukunft.

"Das Kloster wird höchstwahrscheinlich ein Besuchsmagnet sein", erwartet David. "Als anerkanntes ›Denkmal von nationaler Bedeutung‹ spielt es jetzt in einer Liga mit der Burg Hohenzollern."

"Unglaublich gut erhalten"

Dieser Status liegt darin begründet, dass seine Geschichte weit zurückreicht und es alle politischen und religiösen Wandel überstanden hat: "Sie haben hier einen unglaublich gut erhaltenen Barockbestand im Gebäude und im Garten."

Damit stellt sich die Frage der künftigen Nutzung: Bevor nach den ersten beiden weitere Bauabschnitte folgen, müsse sich die Kirchengemeinde als Bauherrin Gedanken darüber machen, wie sie die Anlage wieder mit Leben füllen will, unterstrich Raible.

Ideen für die künftige Nutzung

Künftige Nutzung zu klären

Ehe man an die Planung des Obergeschosses gehen könne, müsse dessen Nutzung geklärt werden. Sonst könnte schon nach dem zweiten Bauabschnitt die Erneuerung ein Ende finden.

An Ideen dafür mangelt es nicht: So könnten in den Räumen Hochzeiten gefeiert und Binsdorf könnte zu einem Bildungsort wie das Kloster Heiligkreuztal werden.

Der Konventssaal könnte zu einer Anlaufstelle in Form einer Vesperstube ähnlich wie im Kloster Kirchberg werden. Für das Obergeschoss haben laut David karitative Einrichtungen Interesse bekundet. Auch Co-Working-Konzepte, die Einrichtung einer freien Schule und die Unterbringung von Verwaltungsräumen seien denkbar. Der Keller und einzelne Klosterzellen könnten für eine museale Nutzung aufbereitet werden.

"Ein Ort der Begegnung"

Man sei noch in einem frühen Stadium und wolle möglichst viele Anregungen aufnehmen, betonte Raible. Und für David geht es darum, den Ort für viele Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, zu rüsten – mit Nutzungen, die ganz Binsdorf dienen

Regina Günzel, die gewählte Vorsitzende, berichtete, dass auch der Kirchengemeinderat sich viele Gedanken gemacht habe: "Es soll ein Ort der Begegnung für ganz Binsdorf sein." Sie bat die Anwesenden, sich zu überlegen, welche Angebote im Ort fehlen. Alle Binsdorfer seien dazu eingeladen, ihre Ideen in den beiden Arbeitskreisen einzubringen, die sich für das Gebäude beziehungsweise den Garten gebildet haben. An Fronleichnam soll beim "Tag der Beteiligung" gezeigt werden, was hinter den Planen vor sich geht, die vor dem Kloster hängen.

Weichen für das wertvolle Gebäude stellen

Noch zwei Jahre Zeit

Zur Beteiligung lud auch der Ortsvorsteher Hans-Jürgen Weger ein. Noch sei nichts hieb- und stichfest. "Aber wir haben ja auch noch zwei Jahre Zeit." Dann müssen die Überlegungen konkret werden.

"Ich habe nicht gewusst, dass wir hier so einen Schatz haben", fasste Weger die Präsentation der beiden Projektleiter zusammen. Man habe jetzt die Chance, die Weichen für das "wertvolle Gebäude" zu stellen. "Die dürfen wir nicht verstreichen lassen."