Die Burg Neufürstenberg in Hammereisenbach wurde vor 500 Jahren, am 8. Mai 1525, im Bauernkrieg zerstört. Foto: Hartmut Ketterer

Vor 500 Jahren, am Montag, 8. Mai 1525, wurde die Burg Neufürstenberg in Hammereisenbach von wütenden Bauern zerstört. Im 19. Jahrhundert drohte der Abriss der baufälligen Ruine.

Da war was los im sogenannten Bauernkrieg. Hier zog ein etwa 4000 Mann starkes Bauernheer von Hüfingen kommend durch das Bregtal. Einen Tag davor traf die Burg Zindelstein das gleiche Schicksal und wurde ebenfalls zerstört. Die Bauern unter ihrem Anführer Hans Müller aus Bulgenbach kamen durch List oder Verrat in die Burg Neufürstenberg und brannten die Behausungen nieder.

 

Runde 150 Jahre vorher, man schreibt das Jahr 1381, findet die Burg erstmals Erwähnung. Neufürstenberg wurde erbaut, um die Verbindungsstraße zwischen Baar und Breisgau zu sichern und um die Kontrolle über die Erzvorkommen und dessen Verarbeitung im Eisenbachtal zu haben. Wer die Straße benutzte, egal ob Fußgänger, Reiter, oder mit Karren, der musste Zoll bezahlen.

Burg diente dem Schutz des Verkehrs

Die Grafen zu Fürstenberg bauten die Verwaltungsorganisationen aus, da die Erschließung des südöstlichen Schwarzwaldes immer mehr an Bedeutung gewann. So wurde um das Jahr 1360 das Amt Neufürstenberg errichtet, um den Untertanen den weiten Weg zum Oberamt Neustadt zu ersparen. Mit diesem Amt an der Gabelung der Bregtal-, Eisenbach- und Urachstraße stand die Burg auf beherrschendem Bergrücken im Mittelpunkt.

Neufürstenberg wurde gebaut, da der alte Burgstall Zindelstein nicht mehr für den Straßenschutz genügte. Im 15. Jahrhundert diente Neufürstenberg hauptsächlich als Gefängnis. Eine abrupte Änderung brachte jedoch der Bauernkrieg. Bei der Zerstörung von Neufürstenberg jagte man Burgvogt Beha durch die Spieße, das heißt, er wurde zum Tod durch Spießrutenlaufen verurteilt.

Vöhrenbach wurde zum Hauptquartier der Bauern

Die Stadt Vöhrenbach öffnete den Bauern ihre Tore und machte mit ihnen gemeinsame Sache. Vöhrenbach wurde zum Hauptquartier der Bauern im mittleren Schwarzwald.

Dagegen lehnte die Stadt Villingen den Anschluss an die Bauernbewegung ab. Dies geschah kompromisslos. So wurde ein Vöhrenbacher Bürger, den Hans Müller nach Villingen schickte, um die Stadt zur Übergabe aufzufordern, kurzerhand ohne Antwort in den Niederen Turm geworfen.

Tags darauf zog das Heer nach Triberg

Am 9. Mai zog das Bauernheer nach Triberg, wo das Schloss eingenommen und ebenfalls zerstört wurde. In den Wochen danach gab es von Vöhrenbach aus immer wieder Streif- und Raubzüge.

Schließlich verbanden sich Adel und Städte, um dem Aufruhr der Bauern ein Ende zu machen. Der Schwäbische Bund unter der Führung des Erbtruchsessen Georg von Walburg konnte ein schwer bewaffnetes Ritterheer hinter sich vereinigen. Das war das Ende des Bauernheeres. Tausende fielen im ungleichen Kampf. Viele Hunderte, so steht es in der Vöhrenbacher Chronik von Karl Bader, wurden in den Folgemonaten hingerichtet und wiederum Tausende von Haus und Hof vertrieben. Auch schlossen sich Bauern fremden Heeren an oder streiften als Landsknechte oder Vagabunden durch die Wälder.

Standort verlor danach seine Bedeutung

Durch die Zerstörung verlor die Burg Neufürstenberg an Bedeutung. Von einem Amt Neufürstenberg wird nicht mehr gesprochen. Stattdessen ist danach vom Amt Vöhrenbach die Rede. Das belegt eine Aufforderung des Abtes von St. Georgen im Jahre 1530. Graf Friederich wird dabei erinnert, seine Untertanen im „Amte Vöhrenbach“ auf ihre Pflichten gegenüber dem Kloster aufmerksam zu machen.

Nachdem Vöhrenbach also Amtssitz geworden war, musste für entsprechende Einrichtungen gesorgt werden. Zwischen Stadt und Amtsgemeinden schloss man einen Vertrag, der die Benutzung des Rathauses als Amtshaus regelte. Nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1639 erbauten Stadt und Amt ein neues Amtshaus, das zugleich der Stadt als Rathaus diente.

Sowohl elektrisches Licht wie auch Mondlicht strahlen die Ruine Neufürstenberg an Foto: Hartmut Ketterer

Doch auch nach der Zerstörung der Burg Neufürstenberg machten die Mauerreste mit der 25 Meter hohen Schildmauer immer wieder von sich reden. Durchaus sonderbar sind die Eigentumsverhältnisse. Aus einem Dokument vom 14. Mai 1895 des fürstlich fürstenbergischen Archives in Donaueschingen über die fürstenbergische Forstei Hammereisenbach ist zu lesen, dass die Akten keinerlei Aufschluss über die Besitzverhältnisse der Ruine geben. In einer Rechnung wird die Ruine als fürstliches Eigentum vorgetragen. So hat das Haus Fürstenberg auch Eigentumshandlungen durch das Anlegen einer Fangmauer in den 1840er Jahren und im Jahre 1866 vorgenommen. Dadurch sollten herabfallende Mauersteine aufgefangen werden.

„Böses, altes, baufälliges Haus ohne Wert“

Die Gemeinde Bregenbach war zu diesem Zeitpunkt noch selbstständig. Die Gemeindegrenze zwischen Bregenbach und Hammereisenbach teilte die Burg. Der nördliche Teil wurde deshalb dem Weißkopfenhof des Ludwig Trik in Kehl und der südliche Teil auf den Dobelhof des Schneckenwirtes Winterhalder in Schollach zugeordnet. Grenzmarken konnten jedoch nicht gefunden werden.

Ungeachtet der Eigentumsverhältnisse warb Forstrat Karl Christian Wunderlich (geboren 1847 in Schwarzenbach/Bayern) schon im Jahr 1895 beim Hause Fürstenberg um den Erhalt der sehenswerten Ruine. Wunderlich übte seinen Beruf von 1881 bis 1911 in Hammereisenbach aus. Kein gutes Urteil erhielt Neufürstenberg jedoch im Jahre 1485, also vor der Zerstörung. Graf Heinrich VI bezeichnet Neufürstenberg zu diesem Zeitpunkt als wertloses, böses, altes, baufälliges Haus, ein Besitz ohne Zubehör und Nutzung, dessen Unterhalt nur Kosten verursache.

So verwundert es nicht, dass das großherzogliche Bezirksamt Neustadt zur Sicherung der vorbeiziehenden Landstraße im Jahre 1824 auf den Abbruch der Ruine drängte.

So weit ist es aber glücklicherweise doch nicht gekommen. Die fürstliche Domänenkanzlei beschloss im selben Jahr, herumliegende lose Steine wegzuschaffen. Im Oktober 1865 ordnete die Domänenkanzlei an, dass die obersten Schichten der Turmruine wieder gut zu verbinden und zu untermauern seien. Abermals kritisch um den Bestand der Ruine wurde es im Jahre 1902. Aus den Archivunterlagen des Fürstenhauses geht hervor, dass große Steine auf die Straße gefallen seien. Die Maurer Felix und Peter-Josef Demattio mussten sofort kommen, um weitere Schäden zu verhindern. Wieder stand ein vollständiger Abbruch im Raume.

Doch die Ruine hat auch diese kritische Zeit überstanden, allerdings Kosten zur Erhaltung sind geblieben. Seit der letzten Sanierung grüßt die stolze Schildmauer jeden Bregtalbesucher und die abendliche Beleuchtung hat seinen eigenen Reiz.

Der Bauernkrieg

Die Aufstände
entstanden dadurch, weil die Bauern immer mehr unterdrückt und geknechtet wurden. Die beginnende Reformation im Jahre 1517 bestärkte die Bauern. Anfangs hatten die Bauern auch Reformator Martin Luther auf ihrer Seite. Als die Bauern mit vielen Mordtaten und Plünderungen auf sich aufmerksam machten, wandte sich Luther scharf gegen die Bauern. Im Schwarzwald schlossen sich viele Bauern zu einem bewaffneten Heer zusammen. Ihr Anführer Hans Müller aus Bulgenbach hatte im Herbst 1524 etwa 4000 Mann hinter sich. Von den Dörfern und Städten forderten die Bauern Tribut, der immer radikaler wurde. Es kam zum regelrechten Bürgerkrieg, also dem Bauernkrieg. Das Ende des Bauernheeres erfolgte, als sich dieses in Richtung auf den Weg nach Radolfzell begaben. Hier kamen ihnen österreichische Truppen entgegen, schlugen das bäuerliche Heer und verfolgten restliche Bauernhaufen, darunter Hans Müller. Müller geriet beim Ritt nach Bonndorf bei Laufenburg in einen Hinterhalt. Nach 40-tägiger Gefangenschaft und Folterungen verstarb Müller im Alter von 32 Jahren am 12. August 1525. Die unter seiner Führung zerstörte Burg Neufürstenberg ist mittlerweile nach Paragraf 12 des Denkmalschutzgesetzes als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingestuft. Dadurch war es auch möglich, entsprechende Gelder für Sanierungen zu bekommen. Saniert wurde die Ruine vor etwa 45 Jahren, und eine noch größere, Komplett-Sanierung mit Kosten von über einer halben Million Euro erfolgte in den Jahren 2018/19. Besonders der ehemalige Ortsvorsteher Peter Hummel hielt über zehn Jahre Kontakt zu den Behörden, damit die letztgenannte Sanierung schließlich zustande kam.