Rolf Läpple (links) und Reinhard Hamburger haben mit dem Backhaus viel vor. Foto: Jacqueline Geisel

Das alte Gebäude soll saniert werden. Dafür macht sich auch eine Interessengemeinschaft stark. Aber mit welchen Mitteln?

Das Backhaus in Gültlingen ist eines der prägnanten Denkmale des Stadtteils. Es gehört zur Ortsmitte und ist nicht nur ein Stück Geschichte, sondern auch ein Treffpunkt und damit von Bedeutung für die Dorfgemeinschaft. Es steht daher außer Frage, dass das Backhaus saniert werden sollte. Die Frage ist nur, wie und mit welchen finanziellen Mitteln.

 

Ein Treffpunkt für Interessierte

Mit diesen Fragen hat sich in den vergangenen Monaten nicht nur die Stadtverwaltung befasst, sondern auch eine Interessengemeinschaft von knapp 30 Bürgern. Sie wollen das volle Potenzial des Denkmals ausschöpfen und im Rahmen der Sanierung einen Treffpunkt für Bürgerschaft, Vereine, Institutionen und Firmen schaffen. Sie wollen dem Backhaus wieder neues Leben einhauchen. Denn auch, wenn die beiden Öfen für Veranstaltungen oder private Backaktionen vergleichsweise rege genutzt werden, ist die Nachfrage rückläufig. Das Ziel: mehr Menschen für das Backen im Backhaus begeistern. Dafür muss es jedoch saniert und am besten um einen Veranstaltungsraum, eine kleine Küche und eine Toilette ergänzt werden.

Rolf Läpple und Reinhard Hamburger als Initiatoren und Sprecher der Interessengemeinschaft stellten ihre Ideen bereits dem Ortschaftsrat, den örtlichen Vereinen und auch der Stadtverwaltung vor. Bürgermeister Ulrich Bünger war sofort angetan. „Wir wissen dieses bürgerschaftliche Engagement sehr zu schätzen“, betont der Rathauschef. „Und wie es der Zufall will, decken sich die Vorschläge mit unseren Vorstellungen für eine Sanierung.“ Die Sanierung des Backhauses ist eines der Ziele im Sanierungsgebiet Gültlingen. „Wir haben bereits zwei Mal ergänzende Förderanträge beim Investitionspakt Soziale Integration im Quartier gestellt, um die Finanzierung stemmen zu können“, erklärt Fachbereichsleiter Arthur Sadlers.

Leider wurde das Projekt beide Male nicht berücksichtigt. Das seit 2016 laufende Sanierungsgebiet werde aller Voraussicht nach im April 2027 auslaufen. Der bewilligte Förderrahmen soll für vordringliche Maßnahmen ausgeschöpft werden, so dass – Stand heute – ab 2027 andere Finanzierungsmöglichkeiten für die Backhaussanierung gesucht werden müssen.

„Die Verwaltung wird jedenfalls an der Realisierung der Sanierungsziele, auch über ein eventuelles Ende des Landesssanierungsprogramms hinaus, festhalten“, versichert Bürgermeister Ulrich Bünger.

Blick ins alte Backhaus Foto: Jacqueline Geisel

Für die Interessengemeinschaft ist absolut verständlich, dass zunächst die Finanzierung geklärt werden muss. Allerdings bedeutet das zwei weitere Jahre mit dem „alten“ Backhaus, in denen es gilt, Interessierte bei der Stange zu halten. Dafür haben sich die Engagierten bereits einiges überlegt, beispielsweise Backkurse.

Brotbacken als Kulturgut

„Das Backhaus ist ein kultureller Treffpunkt“, wissen Rolf Läpple und Reinhard Hamburger, „und das Brotbacken ist ein Kulturgut.“ Deshalb wollen sie und ihre Mitstreiter das 1868 errichtete Backhaus zukunftsfähig gestalten. Das Ziel der Gruppierung ist, sich frühzeitig mit Ideen und der Perspektive der Nutzer in den Planungsprozess einzubringen sowie – wo möglich und sinnvoll – aktiv zu unterstützen. Eine lange Liste an Helfern steht bereits in den Startlöchern, um Eigenleistungen im Rahmen der Sanierung zu bringen.

Die Interessengemeinschaft hat sich gelungene Projekte dieser Art in der Umgebung angeschaut, darunter das Backhaus in Schönbronn. Ein solcher Umbau schwebt ihnen auch für Gültlingen vor. Der zweite Teil des Backhausgebäudes – ein 1601 erbautes Waschhaus, das später als Viehwaage genutzt wurde – steht derzeit leer. Hier könnte ein Aufenthaltsraum entstehen, der kleineren Gruppen als Treffpunkt und Örtlichkeit für Veranstaltungen dienen könnte.

Holzbackofen mussmodernisiert werden

Dieser sollte allerdings – wie das gesamte Gebäude – umfassend saniert werden. Das beinhaltet die Dämmung, die Fenster, das Dach, den Einbau einer Heizung sowie die Schaffung einer Küche und einer Toilette. Optimal wäre, wenn die Trennwand im Nebenraum herausgebrochen und zudem ein direkter Durchgang zur Backstube geschaffen werden könnte. Ob das bei dem Denkmal möglich ist, wird sich aber erst zeigen müssen.

Der Holz- und der Elektrobackofen würden sich gut ergänzen, so die beiden Herren, doch sollte der Holzbackofen insbesondere in Sachen Abgas modernisiert werden. Auch der Aschenabwurf sollte wieder freigelegt werden. Maßnahmen, die man schon jetzt, vor der eigentlichen Sanierung, angehen könnte.

Von Backkursen bis zur Vermietung

Ist das Gültlinger Backhaus erst einmal ertüchtigt, wären zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten denkbar. Neben der Vermietung könnten Brotbackkurse für Bürger stattfinden, auch Backaktionen mit Konfirmanden, Grundschülern und Kindergartenkindern gehören zu den ersten Überlegungen. Auch am Sommerferienprogramm könnte sich die Interessengemeinschaft mit einem Back-Event beteiligen. Zur Weihnachtszeit bietet es sich ebenfalls an, die Öfen einzuheizen. Darüber hinaus würden sich Rolf Läpple und Reinhard Hamburger vierteljährlich kleine Dorftreffs wünschen. Immerhin könnte das Backhaus so zu einem weiteren Treffpunkt in Gültlingen werden, wodurch die Sanierung einen wichtigen Beitrag zum Dorfleben leisten und einen Ort der Begegnung schaffen würde.

Der Interessengemeinschaft sei es wichtig, hieran tatkräftig mitzuwirken – in einem konstruktiven Miteinander. Dadurch wollen die Ehrenamtlichen nicht nur schon heute mehr Leben in das Gültlinger Backhaus bringen, sondern auch künftige Bäcker für die Tradition begeistern, um dafür zu sorgen, dass Backhaus und Kulturgut noch viele weitere Generationen erhalten bleiben.