So, wie vielleicht bald S-Bahnen durch Tübingen rollen, könnten Züge auch durch den Zollernalbkreis fahren. Foto: Archiv

Seilbahn zwischen Albstädter Ortsteilen oder eine Kreis-S-Bahn? Zukunft des Nahverkehrs liege auf den Gleisen.

Um die Zukunft des Nahverkehrs ist es nun bei einer Online-Videokonferenz der sogenannten Denkfabrik Zollernalb gegangen. Dabei wurden zahlreiche auch neue Ideen präsentiert – etwa die Kreis-S-Bahn oder eine Seilbahn zwischen Ebingen und Tailfingen.

Zollernalbkreis - Eine elektrifizierte Bahnstrecke zwischen Ebingen und Tailfingen dürfte es in ein paar Jahren geben. Aber was ist mit selbstfahrenden E-Bussen auf Gemarkung Albstadt? Oder einer Drahtseilbahn in den Talgang und darüber hinaus? Oder mit einer S-Bahn kreuz und quer durch den Kreis, vom überbauten Hauptbahnhof Balingen aus? Die Macher der Denkfabrik Zollernalb, allen voran Albert Sauter, sind überzeugt: Die Zukunft des Nahverkehrs liegt auf der Schiene.

Talgangbahn reaktivieren

Weil es in der Online-Diskussionsrunde vorrangig um eine "Stadtbahn Albstadt" ging, hatte sich neben Albstädter Stadträten auch Oberbürgermeister Klaus Konzelmann zugeschaltet. Jochen Gewecke vom Förderverein Pro RegioStadtbahn verwies auf die Hauptverkehrsachse in den Talgang, auf der sich der Verkehr Tag für Tag staue. Und auf die Schienenstrecke, die seit Jahrzehnten "brach ruht" und reaktiviert werden müsse, um die täglichen Pendlerströme zu bewältigen. Busse seien hier nicht die Lösung, so Gewecke, denn die stünden im gleichen Stau wie die Autos.

Kleinbusse als Ergänzung

Dirk Seidemann, Geschäftsführer des Zweckverbands Regionalstadtbahn Neckar-Alb, stellte das kreisübergreifende Bahnprojekt vor, das dank der Zuschüsse von Bund und Land und der vom Zollernalbkreis vorangetriebenen Planung in greifbare Nähe gerückt sei. Ein Traum für viele Pendler, so Seidemann: im 30-Minuten-Takt vom Talgang in Richtung Tübingen, Reutlingen oder Stuttgart – "schneller, besser getaktet, mit zahlreichen neuen Haltepunkten." Das Beste daran: Die Kosten für den Betrieb würden vom Land übernommen. Nur etwa 15 Prozent müssten von den Kommunen finanziert werden. In den Jahren 2025 bis 2030 werde es wohl umgesetzt, schätzt Seidemann.

Olaf Baldauf brachte autonom fahrende Kleinbusse ins Gespräch, einen modernen "E-Shuttle" ohne Fahrer, der bei Bedarf alle 15 Minuten die Ortszentren anfahren könne. Die Baukosten seien im Vergleich zu einer Bahntrasse gering. Aber die Busse seien langsam, die Zuverlässigkeit sei nicht bei allen Wetterlagen gegeben, und die Betriebskosten blieben an der Kommune hängen. Keine echte Alternative zur Bahntrasse also, aber eine mögliche Ergänzung.

Ohne Regionalstadtbahn, gab Grünen-Kreisrat Ulrich Kohaupt zu bedenken, "kriegt der Zollernalbkreis in absehbarer Zeit keine elektrifizierte Strecke." Kersten Zaar erklärte, er selbst sei – siehe Regionalstadtbahn – "skeptisch, wenn Subventionen die Entscheidungen zu stark lenken." Als Idee für die "letzte Meile" zwischen Ebingen und Tailfingen stellte er in einer Präsentation eine Seilbahn vor, die zwischen dem Bahnhof Ebingen und Tailfingen verkehren könnte: ein Viertel des Stromverbrauchs einer Bahn, weniger als ein Viertel der Baukosten für eine neue Schienenstrecke. Personalkosten und der Wartungsaufwand seien extrem gering, die Aussicht für die Reisenden "wunderbar", so Zaar. Zudem wäre es ein Alleinstellungsmerkmal für Albstadt. Das Problem: Es gebe keine Subvention, und die Seilbahn würde sich erst ab 10 000 Passagieren pro Tag rechnen – mehr als der Talgang zu bieten hat. Jochen Gewecke gab zu bedenken, die Trasse führe über bebaute Gebiete, und dafür bekomme man keine Genehmigung.

Saubere E-Züge

Albert Sauter griff die Idee seines Vaters Martin Sauter auf: einen Bahnverkehr innerhalb des Landkreises. Der sei nötig, so Sauter, angesichts der verstopften Straßen. Fast drei Viertel des Verkehrs sei Berufsverkehr auf Distanzen von 15 bis 20 Kilometern. Sollte der durch saubere E-Züge ersetzt werden, wäre das Ziel, bis 2040 70 Prozent des CO2-Ausstoßes einzusparen, schnell erreicht. Unter dem Namen "S-Bahn Zollernalb" hätte der Kreuz-und-quer-Zugverkehr durch den Kreis und darüber hinaus eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung. Start- und Umsteigepunkt wäre in der Vision der Denkfabrik ein überbauter Balinger Bahnhof mit Parkdeck, Läden & Co. "Balingen Hauptbahnhof" statt "Balingen (Württ.)".

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: