Am Wochenende geht die deutsche Staffel bei der Leichtathletik-WM in Tokio an den Start – vielleicht mit Deniz Almas. Günther Henne war einst sein erster Trainer bei der LG Calw.
An das Jahr 2008 erinnert sich Günther Henne noch genau. Vor Beginn eines Trainings stand plötzlich der damals zehnjährige Deniz Almas mit seiner Mutter vor ihm. „Er hat mich gefragt, ob er auch mitmachen darf“, blickt der Trainer der LG Calw zurück. Und schon nach wenigen Wochen war klar: In dem Jungen steckt ganz großes Talent.
2020 kam der Durchbruch
Heute gehört Deniz Almas zu den Stars der deutschen Sprinter. Erst im August stand er vor der Kamera der „Sportschau“, als er in Dresden deutscher Vizemeister über 100 Meter wurde – nur einen Wimpernschlag hinter Owen Ansah. 2024 holte der Altburger Bronze mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel bei der EM in Rom. Der Durchbruch gelang Deniz Almas im Jahr 2020, als er über 60 Meter in der Halle und über 100 Meter im Freien gleich zwei deutsche Meistertitel holte. In jenem Jahr stellte er mit 10,11 Sekunden über 100 Meter in Weinheim auch seine persönliche Bestleistung auf. Doch immer wieder warfen den 28-Jährigen, der in Leipzig studiert und inzwischen für die LG Olympia Dortmund startet, Verletzungen zurück.
Schon immer sehr schnell
Bei der LG Calw war Deniz Almas von 2008 bis 2012. „Er war immer sehr schnell, aber leider auch sehr verletzungsanfällig“, sagt Günther Henne über die Anfangszeit. Die Bestleistungen seines Schützlings ließen schon damals aufhorchen: 12,0 Sekunden über 100 Meter (Platz 19 in der WLV-Bestenliste), 1,44 Meter im Hochsprung, 5,12 Meter im Weitsprung, 9,50 Meter im Kugelstoßen.
Parallel spielte Deniz Almas Fußball beim 1.FC Altburg. Günther Henne sah jedoch mehr Potenzial in der Leichtathletik. „Ich hatte ihn überredet, mit dem Fußball aufzuhören“, meint Günther Henne. Eine Entscheidung, über die er heute viel nachdenkt: „Ob das richtig war, weiß ich nicht. Wenn ich so die Entwicklung der Fußballer sehe, hätte er da auch mitmischen können. Der VfB wäre sicher froh gewesen, wenn die ihn gekriegt hätten. Das wäre für den Deniz auch ein Weg gewesen.“
Dem damals 15-Jährigen Deniz Almas empfahl Günther Henne dann, von der LG Calw zum VfL Sindelfingen zu wechseln. Dort seien die Bedingungen wesentlich besser. „Ich schicke alle meine Jugendlichen nach Sindelfingen – wenn sie das wollen. In Calw hätten wir gar keine Staffel zusammenbekommen“, gibt der 70-Jährige zu bedenken. Beim VfL Sindelfingen kam Deniz Almas in die Sprintgruppe von Trainer Peter Wiesner und zum speziellen Krafttraining zu Helmut Valentin. In dieser Phase baute der Altburger seine Bestzeiten über 100 Meter kontinuierlich aus – von 11,22 Sekunden (2013) über 10,74 Sekunden (2015) bis 10,33 Sekunden (2017). 2018 Begann Deniz Almas sein Studium in Leipzig, ein Jahr später schloss er sich dem VfL Wolfsburg an.
Auch Familie bringt sich ein
Die Entwicklung seines früheren Schützlings hat Günther Henne in all der Zeit natürlich genau verfolgt. „Einfach toll“, sagt der Trainer der LG Calw mit Stolz. Doch auch abseits der Tartanbahn hält Günther Henne viel von Deniz Almas: „Sehr aufmerksam, ehrgeizig und hilfsbereit – wie seine ganze Familie, die immer tatkräftig bei Sportveranstaltungen mithilft. Der Deniz ist seinen Weg gegangen. Ich hoffe, dass er sein Studium abschließt und man ihn dann wieder häufiger in Calw sieht. Auch als Trainer. Das wäre meine Wunschvorstellung.“
Sechs Sprinter nominiert
Zunächst richten sich aber alle Blicke auf Tokio, wo Deniz Almas an diesem Wochenende Teil der deutschen 4x100-Meter-Staffel bei der Leichtathletik-WM sein könnte. Sechs Sprinter sind mit nach Japan geflogen, doch nur vier von ihnen werden an den Start gehen. Schafft Deniz Almas den Sprung in den Kader? „Schwer zu sagen. Das hängt allein vom Bundestrainer ab. Zwei bleiben leider auf der Strecke. Ich wünsche, dass Deniz dabei ist. Aber es wird auf jeden Fall ein Erlebnis sein, in Japan dabei zu sein“, meint Günther Henne.
Die Vorläufe gehen an diesem Samstag um 13.25 Uhr und 13.34 Uhr deutscher Zeit über die Bühne. Das Staffel-Finale steigt am Sonntag um 14.30 Uhr. Das deutsche Team hat aus Sicht von Günther Henne allerdings nur geringe Chancen: „Das Favoriten laufen unter zehn Sekunden. Das haben wir in Deutschland noch nicht.“ Dennoch: Selbstverständlich wird der 70-Jährige die Läufe verfolgen – und von Calw aus seinem früheren Schützling für den Start in Tokio kräftig die Daumen drücken.