Wer bei der Mitgliederversammlung des FC 08 Villingen an eine Auseinandersetzung auf offener Bühne geglaubt hatte, wartete vergeblich. Denis Stogiannidis gibt auf, ein junges Dreierteam übernimmt.
Zuletzt hatte sich Stogiannidis, Vorstand für Jugend und Sport, kämpferisch gezeigt und ein neues Führungsteam angekündigt. Er nutzte seinen Jahresbericht 2024 dann auch für eine ausführliche Kritik an seinen beiden Vorstandskollegen Armin Distel und Reinhard Warrle.
Vor nahezu 200 im Münsterzentrum erschienenen Mitgliedern – so vielen wie noch nie in der jüngeren Vergangenheit bei einer Vereinsversammlung – warf er ihnen mangelnde Kommunikation, Transparenz und fehlendes Interesse am Jugendbereich vor. Trotz Streits habe man sportlich aber einiges erreicht, erinnerte er an den Aufstieg der ersten Mannschaft in die Regionalliga.
Zudem habe man bei der Jugend eine Ausbildungslücke geschlossen und ein Team bis in die höchste deutsche Nachwuchsliga gebracht. Stogiannidis gab einen Einblick in die Betreuung des Nachwuchses, die inzwischen über das reine Training hinausreiche. „Das wissen viele nicht“, sagte er, gleichwohl habe er stets Kritik einstecken müssen. „Müde vom Streit“ wünsche er sich statt „Machtspiele“ einen Neuanfang mit „Wir-Gefühl, Transparenz und Stabilität“.
Kein Wort mehr über neue Vorstandskandidaten geschweige denn zur eigenen Kandidatur, zumal er sich , wie er sagte, durch den Einsatz von Jugendkoordinatoren schon im Mai diesen Jahres und über seinen Kopf hinweg „zum Rücktritt gedrängt“ gesehen habe.
Versammlung endet mit konfusen Wahlvorgängen
Armin Distel, Vorstand für Marketing und Strategie, und Finanzvorstand Reinhard Warrle hatten schon im Vorfeld verkündet, nicht mehr anzutreten. Die drei Neuen heißen nun Alexander Steudtner (42, geschäftsführender Vorstand), Bauunternehmer, drei Kinder, Dominik Falk (42, Vorstand Finanzen), selbstständiger Diplomingenieur, zwei Kinder und Frederick Bruno (30, Vorstand Sport und Jugend), Sportmanager und FC 08-Eigengewächs.
Nach konfusen Wahlvorgängen, die Schwächen in der Vereinssatzung offenbarten und den Geschäftsführer Marcel Yahyaijan am Schluss dazu bewogen, die Mitglieder noch einmal über die Rechtmäßigkeit der Wahl abstimmen zu lassen, endete die Versammlung ohne weitere Schuldzuweisungen. Darauf hatten in ihren zuvor auch Armin Distel und Warrle verzichtet. „Wir sind des Streitens müde“, lautete die einhellige Meinung.
Sponsorengelder konnten vervielfacht werden
Distel hatte auf das sportlich erfolgreiche 2024 geblickt mit den – kurzzeitigen – Aufstiegen der Ersten in die Regional- und der Zweiten in die Oberliga, an den südbadischen Pokalsieg und den Empfang Bayern Münchens in der MS Technologie-Arena. Viele Baumaßnahmen wurden bewältigt (Loge, Flutlichtanlage, Gästeblock, Videowall) und damit aufwendigst die Auflagen der höheren Liga erfüllt. Bauen konnte man dabei auf eine Vervielfachung der Sponsorengelder und der Spenden im Berichtsjahr in Höhe von zusammen 880 000 Euro.
Ein „menschlicher, struktureller und finanzieller Rückschlag“ sei der Tod von Präsident Dieter Haller gewesen, zugleich sinkende Zuschauerzahlen und die aufkommenden Unstimmigkeiten im Vorstand gaben Anlass, ein neues Führungsteam zusammenzustellen, begründete Distel diesen Schritt. Nach acht Jahren mache er den Weg nun frei, werde sich aber weiter um die Großsponsoren kümmern, versprach er.
Verlust von rund 130 000 Euro
Reinhard Warrle hatte die Zahlen. Den Haushalt von rund 1,5 Millionen Euro schloss man 2024 mit einem Verlust von rund 130 000 Euro. Als „blind und ahnungslos“ geltend sei man 2018 angetreten, scherzte Warrle, habe dennoch viel erreicht und freue sich nun auf die „tollen Jungs“, die den Verein in die Zukunft führen. Mit jeweils nur vereinzelten Gegenstimmen wurden diese gewählt.
Ihre erste Amtshandlung: die Verabschiedung ihrer Vorgänger. „Jetzt freuen wir uns auf den Austausch mit den Mitgliedern und auf eine ruhige und stabile Zukunft“, schloss Frederick Bruno die Versammlung.