Die Pflegeheime im Raum Lahr haben wieder mehr freie Plätze. Das liegt auch daran, dass viele Menschen mit einem Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung immer länger warten.
Vor einem Jahr hat unsere Redaktion darüber berichtet, dass die Pflegeheime im Raum Lahr kaum noch Neuzugänge aufnehmen können. Jetzt wollten wir wissen, ob die Lage in dem Bereich noch immer so dramatisch ist.
Tatsächlich gibt es an den vier Standorten der Caritas in Lahr, Seelbach und Ettenheim sowie beim AWO-Seniorenzentrum in Lahr mittlerweile wieder mehr freie Betten. „Es ist jetzt nicht so, dass bei uns nie etwas frei wird,“ sagt etwa Martin Wälde, der Leiter des von der AWO betriebenen Ludwig-Frank-Hauses. Im Gegenteil sei die Fluktuation größer als früher, dadurch habe man immer wieder freie Plätze: „Die sind aber auch schnell wieder besetzt“, so Wälde.
Auch Mireille Ochalek-Starzetz aus dem Vorstand des Lahrer Caritasverbands möchte kein Pauschalurteil über freie Pflegebetten abgeben – „je nach Standort oder Phase ist das sehr unterschiedlich“. Grundsätzlich bestätigt sie allerdings, dass die Nachfrage für Pflegeplätze an allen Standorten der Caritas in Lahr und Umgebung nach wie vor groß sei. Die Caritas betreibt in Lahr die Pflegeheime St. Elisabeth und Sancta Maria, in Seelbach das Caritashaus St. Hildegard und in Ettenheim das Sankt Marien-Heim.
Wenn die Menschen ins Pflegeheim sollen, ist es dringend
Generell gilt außerdem: „Der Verbleib in Pflegeheimen wird kürzer“, betont Welde. Hauptsächlicher Grund seien die deutlich gestiegenen Pflegekosten: Betroffene und ihre Angehörigen mussten Stand Juli dieses Jahres durchschnittlich 2871 Euro Eigenanteil monatlich aufbringen. Das sind 211 Euro mehr als im vergangenen Jahr, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen gezeigt hat.
Oftmals sei die Dringlichkeit sehr hoch, einen Platz zu finden, weiß Wälde zu berichten und verweist auf eine grundlegend veränderte Situation im stationären Pflegebereich: Früher hätten sich die Menschen im Alter präventiv nach Möglichkeiten erkundigt, um anschließend den eigenen Wünschen entsprechend die geeignete Einrichtung auszuwählen. Eine Pflegestufe sei damals nicht unbedingt gegeben gewesen, die Menschen seien häufig Selbstzahler gewesen.
Die Vorstellung, den Lebensabend unabhängig vom eigenen Einschränkungsgrad im Seniorenheim zu verbringen, sei heute aber nicht mehr relevant, so Wälde. Stattdessen gebe es einen hohen Anteil an rein palliativen Pflegefällen – diese seien insbesondere für das Personal sehr fordernd. Viele Angehörige würden erst dann einen Betreuungsplatz in Betracht ziehen, wenn die Situation zuhause nicht länger tragbar sei – vor allem, wenn der Gesundheitszustand des zu Pflegenden sich derart verschlechtere, dass er von den Angehörigen nicht mehr versorgt werden kann. „Ins Pflegeheim geht heutzutage nur der, der mindestens Pflegefall Zwei ist“, fasst Wälde zusammen.
Anders ausgedrückt: Die Menschen bleiben so lange zu Hause, bis es wirklich nicht mehr anders geht. Auch Ochalek-Starzetz hat eine solche Rückmeldung von den vier Pflegeheimen der Lahrer Caritas der bekommen: „Das ist ein gesellschaftspolitischer Trend, der ganz deutlich spürbar ist,“ stellt sie fest. Sie sieht die ambulante Pflege, bei der pflegebedürftige Menschen stundenweise unterstützt werden, aber grundsätzlich zu Hause wohnen, deutlich gestärkt.
Früher kam es vor, dass Bewohner 20 Jahre in einem Heim lebten
Im Umkehrschluss macht Wälde die Erfahrung: „Wenn die Menschen schließlich zu uns kommen, dauert es oft auch nicht mehr lange“. Er gibt an, dass sich die durchschnittliche Verweildauer von Patienten in er von ihm geleiteten Einrichtung von ursprünglich zwei bis drei Jahren auf mittlerweile ein Jahr reduziert habe.
Tatsächlich hat eine Studie der Caritas aus dem Jahr 2023 ergeben, dass die durchschnittliche Verweildauer in Pflegeheimen gesunken ist. Der Studie zufolge sterben bereits 30 Prozent der Bewohner der Caritas-Heime im ersten Jahr.
Das ist ein Umstand, der nicht nur für die Angehörigen schmerzhaft ist. Durch die recht häufigen Wechsel bei den Bewohnern ist laut Wälde auch die Belastung für das Personal gestiegen: Mehr Bürokratie, weniger Beziehungsarbeit, heißt das im Endeffekt. Wälde erzählt von früheren Bewohnern, die 20 Jahre in seiner Einrichtung gelebt hätten. Und er weiß, dass für viele Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, weil sie „sich auch auf der sozialen Ebene kümmern möchten, diese Entwicklung eine Menge Frust bedeutet“.
Ochalek-Starzetz verweist außerdem darauf, dass für die Pflege mehr Fachpersonal nötig sei. Eine Entlastung könnten dabei Altenpflegehelfer bringen, die nach nur einjähriger Ausbildung zwar keine medizinischen Aufgaben übernehmen dürfen, aber die Vollfachkräfte bei der alltäglichen Pflegearbeit unterstützen sollen. Allerdings sei beim Caritasverband zwar das Personal vorhanden, aber die Schulungsangebote würden fehlen, so Ochalek-Starzetz.
Grundsätzlich aber sieht sie ihre vier Standorte in personeller Hinsicht gut aufgestellt, insbesondere bei den Auszubildenden. „Wir haben im Moment viele Azubis“, konstatiert Ochalek-Starzetz erfreut. Gerade im Vergleich mit privaten Trägern habe der Caritasverband den Vorteil, dass der gute Ruf der eigenen Marke dem Unternehmen vorauseile. Insgesamt bezeichnet die Vorständin die Personalsituation als „herausfordernd, aber nicht super-problematisch“.