Die Berneckerin Elena Bauer ist für das Spiel „Join the Comfortzone“ ausgezeichnet worden. Wir haben uns mit ihr über die Idee, die Entstehung und die Geschichte im Spiel gesprochen.
Elena Bauer aus Berneck wurde für das Lern-Videospiel „Join the Comfortzone“ ausgezeichnet. Im Spiel geht es darum, als Bürger in einer Militärdiktatur zu entscheiden – ist man dem Staat treu oder nicht, auch, wenn dieser die eigene Schwester jagt? Je nach Entscheidung des Spielers nimmt die Geschichte einen anderen Verlauf.
Bauer ist das Thema Leben in einer Diktatur nicht ganz fremd. Sie wurde in Russland geboren, in den 90’ern wanderten ihre Eltern – eine Spätaussiedlerin und ein Russe – mit der damals Fünfjährigen nach Deutschland aus.
Schöne Erinnerungen an Russland-Besuche als Kind
An Russland und die Besuche dort hat sie viele schöne Erinnerungen. Doch das war die Kindersicht. Ihre Eltern, die dort arbeiten und die Verantwortung von Erwachsenen tragen mussten, hätten das Land als wesentlich unfreier erlebt. „So wie ich es erlebt habe, gibt es dieses Land nicht mehr – wenn es dieses Land je gab“, meint sie.
Die Idee zum Spiel ist auch durch den Ukraine-Krieg geprägt. Allerdings wollte Bauer nichts zum Krieg selbst machen, sondern quasi zu dem, was davor geschieht – ein Land, das in die Diktatur abrutscht.
Die Geschichte des Spiels behandelt die Figur nicht immer gut – selbst, wenn sie sich an die Regeln des Staates hält. „Selbst, wenn man das Spiel mitspielt, kannst du verlieren“, meint Bauer. Das war ihr wichtig zu zeigen. „Es ist unfair.“ Zum Beispiel: Am Anfang wird dem Spieler direkt Punkte abgezogen. Dagegen tun kann man nichts. Sie wollte zeigen, „dass es in diesem System keine Sicherheiten gibt.“
Auch, wie schnell es gehen kann: nur zwölf Jahre im Spiel. „Vor gar nicht langer Zeit haben wir in einer anderen Welt gelebt. Was auch ich spannend finde, ist, dass die Diktatur mit legalen Mitteln an die Macht kommt“, ergänzt Bauer.
Politikverständnis ist nicht überall gleich
Das Spiel ist das Produkt eines Teams. Mit an Bord waren die Jugendstiftung BW, das Game Studio Spoonful Games und die Pädagogische Hochschule Freiburg. Auch der „Lernort Demokratie“ spielte eine große Rolle – er brachte es in die Schulen. Mittlerweile wurde die Seite rund 22 000-mal aufgerufen. Das Team geht von rund 10.000 Spieldurchgängen aus.
Das Team hatte einige Tests mit der Zielgruppe gemacht – etwa auf der Gamescom und der Frankfurter Buchmesse. Auch mit Achtklässlern haben sie das Spiel getestet.
Wichtig war, dass die Geschichte trotz aller Komplexität und möglicher Wege in sich schlüssig bleibt. Das im Blick zu behalten, war eine Herausforderung, berichtet Bauer.
Das Spiel ist auf deutsch und englisch verfügbar und kann frei im Internet gespielt werden. Dazu gibt es ein Paket mit Unterrichtsmaterialien. Gespielt werden kann es im Browser, am Handy und am Tablet.