Wie ein neu gegründeter Stuttgarter Verein die Demokratie zelebrieren will und welche Kreativen hinter diesem Zusammenschluss stecken. Eines der Highlights in den kommenden Wochen, findet unser Autor Ingmar Volkmann.
Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an die großen Demonstrationen gegen Rechts. Sehr viele Menschen gingen Anfang des Jahres für unsere Demokratie auf die Straße. Wo sind all die Demonstranten hin, fragen sich nun manche: BBQ statt Brandmauer, Frühlingsgefühle statt Kampfgeist, so ist das halt im Alltag.
Da trifft es sich doch gut, dass im Juni der erste wirklich wichtige Feiertag des Jahres ansteht, und damit ist nicht das Auftaktspiel der Fußball-Europameisterschaft gemeint, sondern die Europa- und Kommunalwahlen am 9. Juni. Gibt es etwas Schöneres, als in einem freien Land leben zu dürfen, indem man in einem miefigen Klassenzimmer in einer kleinen Kabine ein Kreuz machen darf, ohne danach Angst haben zu müssen vor Schlägertrupps oder sonstigen Schurken?
Wahltage ausgiebig zelebrieren
Man sollte also zu schätzen wissen, dass man in einem Staat zuhause ist, indem man fast alles sagen darf, sogar ziemlichen Quatsch, ohne ins Gefängnis zu kommen. Anders als anderswo darf man hier Musik hören oder zur Schule gehen, egal welchem Geschlecht man angehört.
Wahltage sollte man also ausgiebig zelebrieren. Da trifft es sich gut, dass Stuttgarter Kreative um Rosa Pöttinger kürzlich den Verein „Demokratie feiern“ in Stuttgart gegründet haben. Das Ziel des Zusammenschlusses: Demokratie sichtbar machen außerhalb klassisch-politischer Kontexte. Kreativität soll zum Katalysator für politische Haltung werden, T-Shirts in einem ersten Schritt zu politischer Teilhabe aufrufen. „Unsere Stärke ist es, in Bildern und Designs zu sprechen und zu denken, um damit gerade auch die junge, visuell geprägte Generation zu erreichen“, sagt Rosa Pöttinger. Das ist deshalb sehr schlau, weil gerade die Jungen auf Plattformen wie Tiktok von Menschenfeinden verführt werden, die an der Abschaffung der Demokratie arbeiten.
Zu den Initiatoren gehören neben Pöttinger ausgezeichnete Stuttgarter Grafik- und Designschaffende von Agenturen wie Designplus, Discodoener, Wessinger und Peng und andere. Kulturpessimisten wenden an dieser Stelle ein, dass noch kein buntes T-Shirt die Demokratie gerettet hat. „Alles ist besser als nichts zu tun“, erwidert Pöttinger. Die Textilien sollen nur der Anfang sein. „Wir planen Maßnahmen zur Demokratie-Bildung an Schulen und wollen Menschen außerhalb unserer Blase erreichen, zum Beispiel durch Veranstaltungen wie eine lange Tafel, an der man mit ganz unterschiedlichen Milieus in Kontakt treten kann.“
Wer mehr wissen will zum Verein, dem sei der Instagram-Account demokratie_feiern ans Herz gelegt. Oder das About-Pop-Festival am 17. und 18. Mai, bei dem sich der Zusammenschluss präsentiert. Noch so ein Feiertag, den man nicht verpassen sollte.