Mit einer Polizeikette wird am Latschraiplatz verhindert, dass verschiedene Gruppen aufeinandertreffen. Foto: Eich

Ein massiver Polizeieinsatz hat am Sonntagnachmittag Auseinandersetzungen zwischen Gruppen verschiedener Lager in der Villinger Innenstadt verhindert. Auch das Demo-Verbot konnte so durchgesetzt werden.

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Villingen-Schwenningen - Als den wohl "sichersten Muttertag aller Zeiten" bezeichnete Polizeisprecher Marcel Ferraro schon am Mittag die Szenerie in Villingen. Und er sollte Recht behalten: Obwohl im Herzen der historischen Innenstadt zwischenzeitlich Ungemach drohte, blieb es friedlich. Das war insbesondere dem mächtigen Auftreten der Polizei zu verdanken.

Doch von vorne. Obwohl eine Großdemonstration von Kritikern der derzeitigen Corona-Maßnahmen und dazugehörigen Querdenkern untersagt wurde und das Verwaltungsgericht das Verbot bestätigte, war ein Auftreten der Szene erwartet worden.

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Auch deshalb positionierten sich die Omas gegen Rechts bereits am Vormittag auf dem Latschariplatz. Eine Hand voll der Omas zeigten dabei nicht nur Präsenz, sondern präsentierten sich gegenüber Andersdenkenden diskussionsfreudig. Anlass zum Ärger gab es jedoch nicht.

Drei Hundertschaften

Gegen 12 Uhr verwandelte sich die Villinger Innenstadt schließlich Stück für Stück in eine Festung. Eine massive Anzahl von externen Polizeibeamten – Informationen unserer Zeitung zufolge wurden drei Hundertschaften in die Innenstadt beordert – mit Spezialkräften wie die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, Anti-Konflikt-Teams, mehreren Polizeipferden und Unterstützung aus der Luft, bezogen um die Mittagszeit Stellung. Wie unsere Redaktion erfuhr, sei zwischenzeitlich sogar der Einsatz von Wasserwerfern ins Spiel gebracht worden. Diese fanden den Weg nach VS letztlich aber doch nicht.

Antifa eingekesselt

Unter anderem am Hof der Karl-Brachat-Realschule wurde dabei ein Sammelplatz für die zahlreichen Kräfte eingerichtet, die sich nach und nach in der gesamten Innenstadt verteilten. Ein weiterer Schwerpunkt lag derweil am Bahnhof. Dort hatte sich auf 14.30 Uhr das Offene Antifaschistische Treffen (OAT) angekündigt. Ihr Motto: "Gegen Coronaleugner und rechte Hetze". Rund 30 der Antifa-Anhänger hielten schließlich ihre Kundgebung ab – eingekesselt von etwa 100 Polizisten in Kampfmontur.

Die Beamten machten direkt deutlich: Es wird keine Eskalation geduldet. Dass sie mit dieser Strategie erfolgreich fuhren, wurde schließlich gegen 15.30 Uhr deutlich. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich rund um die Omas gegen Rechts auf dem Latschariplatz mittlerweile einige Grüppchen zusammengefunden. Mit T-Shirts wie "Gib Gates keine Chance" oder "Denkpflicht statt Impflicht" machten vereinzelte keinen Hehl daraus, dass sie sich mit den derzeitigen Corona-Maßnahmen nicht nur schwer tun, sondern auch Verschwörungstheorien für keineswegs abwegig halten. Und: Auch Personen aus dem rechten Spektrum zeigten Präsenz.

Eine solche Gruppe wurde schließlich von den Beamten zur Kontrolle eingekesselt – begleitet von provozierenden Aussprüchen, wurde schließlich die Überprüfung der Personalien vollzogen. Auch hier: Klare Ansagen der Polizei ließen keinen Zweifel daran, dass man sich nicht auf Spielchen einlässt.

Kurze Zeit später wurde es jedoch tatsächlich hektisch. Denn nachdem das OAT seine Kundgebung ohne Zwischenfälle beendet hatte, zog es die Anhänger noch ins Zentrum. Eine massive Polizeikette verhinderte in der Folge, dass konträre Gruppen aufeinandertreffen können. Der Hauch von Eskalation konnte damit bereits im Keim erstickt werden. Angesichts der Tatsache, dass die Polizei zu diesem Zeitpunkt ein Großteil der Kräfte direkt in Richtung des Straßenkreuzes zusammengezogen hatte, ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass mögliche Chaoten in der Unterzahl sein werden.

Heli beobachtet Abzug

In der Folge entspannte sich die Lage – auch weil die Polizei den Rückzug verschiedener Gruppen zum Bahnhof begleitete. Der Polizeihubschrauber beobachtete aus der Luft ebenfalls die Szenerie, konnte kurz darauf den Einsatz aber endgültig abbrechen. Denn: Gegen 17 Uhr hatte sich die Menschenansammlung in der Innenstadt größtenteils aufgelöst. Polizeisprecher Ferraro machte deshalb deutlich: "Wir können von einem erfolgreichen Polizeieinsatz sprechen – wir haben mit den vielen Polizeikräften den richtigen Ansatz gewählt."

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