Nicht Waffen, sondern Verhandlungen: Neue Töne mischten sich in eine Friedensdemo, zu der der SPD-Kreisverband und die IG Metall Freudenstadt zusammen mit Friedensaktivisten aus der Region auf den oberen Marktplatz eingeladen hatten.
Vor über 50 Teilnehmern forderten am Samstag mehrere Sprecher internationale Bemühungen um einen sofortigen Waffenstillstand im Krieg in der Ukraine und einen Wandel in der europäischen Sicherheitspolitik. Anlass der Kundgebung war der Jahrestag des russischen Überfalls auf die Ukraine am 24. Februar 2022.
Religionspädagoge Theodor Ziegler aus Mitteltal gestaltete die einstündige Demonstration in der eiskalten Musikmuschel am oberen Marktplatz mit alten und neuen, zum Teil gemeinsam gesungenen Protestliedern auf Gitarre und Mundharmonika. Schweigend wurde der Kriegsopfer in beiden Lagern gedacht.
Andere Töne als in Berliner Parteizentrale
Auf Transparenten und ausgeteilten Schriften wurde der Krieg verurteilt. Dieser kenne keine Sieger, sondern nur Verlierer, wie es Hans Lambacher von der SPD Dornstetten formulierte: „Nicht Waffen, sondern Verhandlungen sind notwendig.“ Jede Initiative zu Verhandlungen über friedensbildende Maßnahmen sei zu unterstützen.
Mehrfach wurden das Friedenspapier von Alice Schwarzer und Sahra Wagenknecht zur Sprache gebracht, mehrfach wurde auf das chinesische Zwölf-Punkte-Papier als möglich Grundlage für Verhandlungen verwiesen.
Schon zu Beginn hatte Christa Dengler, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Dornstetten-Waldachtal und wie Lambacher und Ziegler eine der Organisatoren der Kundgebung, darauf verwiesen, dass Stimmen bei der Kundgebung von der politischen Haltung der SPD abweichen würden. So forderte Helmut Andrä von der SPD in Schömberg (Kreis Calw) statt eines „Doppelwumms beim Aufrüsten einen Doppelwumms in Friedensbemühungen“. Aufrufe zum Frieden von Leo Tolstoi, Michail Gorbatschow und dem Theologen Eugen Drewermann verlas Christa Keppler aus Schömberg. Marius Thoy, Kreisvorsitzender der SPD, mahnte angesichts der Opfer, Verletzten und Zerstörungen in der Ukraine: „Jetzt muss gesprochen werden. Jeder Strohhalm, um Frieden in der Ukraine zu ermöglichen, muss genutzt werden.“
Ostermarsch am 8. April in Freudenstadt
Theodor Ziegler erinnerte daran, dass bereits zwei Tage nach Kriegsbeginn eine Demonstration in Freudenstadt zum Frieden aufgerufen habe. Für den Ostersamstag kündigte er einen Ostermarsch in Freudenstadt an. Er mahnte, „nicht alle Russen in Sippenhaft“ zu nehmen und verwies darauf, dass auch westliche Regierungen durch „Machtgebärden“ und eine aggressive Nato-Osterweiterung nicht ganz schuldlos an den Auseinandersetzungen seien.
Ziegler forderte einen grundsätzlichen Wandel in der Friedens- und Sicherheitspolitik der Bundesregierung sowie sicherheitspolitische Alternativen von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften. In den internationalen Friedensbemühungen solle die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) eine bedeutende Rolle übernehmen. Ziegler machte der Basis Mut zum politischen Engagement: „In Berlin ändert sich nur etwas, wenn auch in Freudenstadt nach einer neuen Sicherheitspolitik gerufen wird“.