Die AfD-Fraktion im Landtag hatte zum Bürgerdialog in die Eberthalle geladen. 120 Zuhörer waren gekommen. Zeitgleich demonstrierten über 200 Teilnehmer für Demokratie, Menschenwürde und Solidarität. So war der Abend.
„Die AfD schadet unserem Land“, fand Dorothea Kliche-Behnken zu Beginn klare Worte. Sie sitzt für die SPD im Landtag und sieht die aktuell größte Gefahr für Deutschland im Rechtsextremismus. „Dieser war wie der Antisemitismus nie weg und die AfD ist der parlamentarische Arm für diese Gedanken.“
Auf der Bühne stand auch Dominik Ochs vom SPD-Ortsverband. Ihm mache es Angst, dass womöglich bald AfD-Mitglieder auch im Balinger Gemeinderat sitzen könnten.
Klaus-Peter Manz (Stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes Zollernalb) wies auf die Verantwortung aller hin, „dass das, was nach der Reichspogromnacht passierte, nie wieder geschieht.“Manz weiter: „Wir müssen Flagge zeigen“ – und das taten die Versammelten mit Plakaten, Fahnen und Bannern. Gemeinsames Credo: Gegen Rechts, für Menschlichkeit.
„Lasst euch nicht auf das Geschwätz der Rechten ein, löst lieber Probleme“, sagte Peter Demmer in Richtung der Bundes- und Landespolitik, denn nur dann wären die Leute wieder zufrieden und die AfD damit uninteressant. Er war als Vertreter der Initiative gegen Rechts (Albstadt) angetreten.
Bundestagsabgeordneter Robin Mesarosch trat als letzter ans Mikro. Vor seinem Wahlkreisbüro war die Bühne aufgebaut worden. „Dass Ihr in dieser Saukälte für Demokratie einsteht, macht mir sehr viel Hoffnung“, so der SPD-Mann. Er sieht in der AfD eine „Gefahr für uns alle mit einem Wahnsinn, der bald vor nichts mehr Halt macht.“
In der Eberthalle versammelten sich zeitgleich etwa 120 Zuhörer. Die AfD hatte zum Bürgerdialog geladen. Vier Redner waren zugegen. Hans-Peter Hörner (Landtagsabgeordneter), Fraktionsvorsitzender Anton Baron und Joachim Steier. Im zu Beginn eingespielten Werbeclip bezeichnete sich die Partei als „liberal-konservativ“ und „echte Opposition.“
Von den Themen Klimawandel und innere Sicherheit kam Martin Hess (AfD-Abgeordneter im Bundestag) direkt auf das Thema Flüchtlinge zu sprechen. Er prangerte an, dass über 330 000 Migranten „nach Europa eingeschleust werden“. Die meisten seien junge, starke Männer. „Eltern bangen um ihre Töchter.“
Baron schoss gegen die Bundesregierung. „Die können es einfach nicht“. Weiter: „Diese Ampel gehört sofort abgestellt und dann heißt es wie im Straßenverkehr rechts vor links.“ Für ihn ist Migration „die Mutter aller Probleme.“ Die etablierten Parteien würden „mit den schmutzigsten Mitteln“ gegen die AfD kämpfen und der Partei den Verfassungsschutz auf den Hals hetzen.
Die beiden Versammlungen waren räumlich streng voneinander getrennt. Zum Schutz der Teilnehmer waren mehrere Polizisten abgestellt. Zwei Beamte hatten vor der Halle Posten bezogen, etwa 20 beobachteten die Gegendemo. Deren Veranstalter selbst hatten dies so arrangiert, da sie keine Krawalle wollten. Die Teilnehmer zogen also am Ende nicht an der Halle vorbei, sondern zerstreuten sich Richtung Innenstadt.