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Delegationsreise in die USA Trump ist nicht Amerika

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Wollen weiter gut zusammenarbeiten: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Alabamas Gouverneurin Kay Ivey (rechts). Foto: Sascha Baumann/all4foto.de

Washington - Man merkt deutlich, dass es ihr nicht einleuchtet, warum der US-amerikanische Präsident Donald Trump den weltweiten Freihandel vehement infrage stellt. Es liegt meist eine Spur von Entrüstung in der Stimme von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, wenn sie über seine Wirtschaftspläne spricht. Sie sieht darin eine Gefahr für die deutsch-amerikanischen Beziehungen insgesamt, Trumps Art Dinge zu kommunizieren, „verunsichert mich“. Wie Hoffmeister-Kraut geht es vielen deutschen Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Der Republikaner Trump will ausländische Unternehmen zu deutlich mehr Investitionen in den USA bewegen. Unter anderem China und Deutschland hat der Präsident im Visier, weil beide Länder mehr Produkte in die USA einführen, als sie aus Amerika beziehen. Das hält er für „sehr unfair“ und droht ausländischen Firmen mit Importzöllen, wenn sie sich nicht verhalten, wie er es von ihnen erwartet. Es geht Trump dabei auch darum, das gigantische Handelsbilanzdefizit der USA (mehr Importe als Exporte) von 750 Milliarden Dollar (650 Milliarden Euro) zu reduzieren.

Handelsbeziehung funktioniert hervorragend – zum Vorteil beider Seiten

Nach Ansicht Hoffmeister-Krauts funktioniert die Handelsbeziehung Deutschlands und insbesondere Baden-Württembergs mit den USA hervorragend – zum Vorteil für beide Seiten, wie sie nicht müde wird zu betonen auf ihrer ersten USA-Reise als Wirtschaftsministerin, gemeinsam mit Politikern und Wirtschaftsvertretern aus dem Südwesten.

Deutsche Unternehmen beschäftigen etwa 700 000 Mitarbeiter in den USA und investierten 2015 rund 220 Milliarden Euro. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Wie Trump da behaupten könne, Deutschland engagiere sich nicht genug vor Ort, ist Hoffmeister-Kraut sichtlich ein Rätsel.

Die gibt der Präsident auch vielen Amerikanern und selbst seinen eigenen Leuten aus der republikanischen Partei auf. Politische Freunde, Experten aus den vielen Beratungs- und Forschungsinstituten in Washington und seine Gegner sowieso haben sich schon längst an Trumps Unberechenbarkeit gewöhnt und raten deshalb zur Gelassenheit: Hört nicht auf das, was Trump sagt oder twittert, sondern schaut auf das, was wirklich passiert – diesen Satz hört man immer wieder. Auch Nico Lange von der Konrad-Adenauer-Stiftung rät der Politik und Wirtschaft in Europa, souverän zu bleiben, auch weil es Trumps Verhandlungstaktik sei, Maximalforderungen aufzustellen, um für seine Seite viel herauszuholen. Gerade für seinen unorthodoxen Stil verehrten ihn seine Anhänger. Ändern werde sich Trump aber nicht, meint Lange.

Auch der Präsident braucht Erfolge

Auch der Präsident braucht aber Erfolge. Er hat deutliches Wachstum versprochen und will dies im Kern durch eine drastische Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf etwa 20 Prozent erreichen – wodurch die Staatsschulden weiter stiegen.

In manchen Regionen verläuft die wirtschaftliche Entwicklung auch so schon gut. In Alabama wird Hoffmeister-Kraut mit offenen Armen empfangen. Kein Wunder, die deutsche Industrie beschäftigt Tausende von Menschen in dem Bundesstaat im Süden der USA. Allen voran Daimler mit seinem Standort in Tuscaloosa. Die Stuttgarter waren vor 20 Jahren der erste Autohersteller in Alabama und haben eine Sogwirkung ausgelöst. Zulieferer, aber auch Hyundai und Honda haben sich dort angesiedelt. Auffällig sind die riesigen Pick-ups der US-Hersteller auf den Straßen, tatsächlich aber verkaufen sich Fahrzeuge japanischer Hersteller am besten in den USA.

Daimler-Investitionen sind Grund zur Freude

Alleine die 3700 Daimler-Beschäftigten und die Milliarden-Investitionen der Stuttgarter in Tuscaloosa sind für Alabamas Gouverneurin Kay Ivey sichtlich ein Grund zur Freude. Die 73-Jährige kann so schnell nichts erschüttern. Das sieht man ihr an, das hört man, wenn sie mit breitem Südstaaten-Akzent vom Autostandort Alabama schwärmt. Ivey und Hoffmeister-Kraut plaudern entspannt, schließlich hat man die gleichen Interessen. Für die Gouverneurin, Republikanerin und eifrige Trump-Unterstützerin, ist Washington weit weg, wenn es um das Wohl des eigenen Bundesstaates geht. Ivey verzieht keine Miene, wenn sie sagt: „Ich kann nicht kontrollieren, was Donald denkt und twittert, aber ich weiß, was gut ist für Alabama.“ Dazu zählt, die Beziehungen mit den deutschen Investoren auszubauen.

Normalbürger besser über Bedeutung ausländischer Investitionen informieren

Alabama ist Trump-Land, und vielen ist unklar, warum die Autoarbeiter ihn so zahlreich gewählt haben. Doch für manche ist die Lösung simpel: „Die Beschäftigten arbeiten viel und denken nicht weiter darüber nach, wenn der Präsident gegen ausländische Investoren wettert – obwohl sie selbst betroffen sind“, sagt Karen Donfried, die Chefin des German Marshall Funds. Die unabhängige US-Stiftung fördert die transatlantischen Beziehungen. Normalbürger müssten besser über die Bedeutung ausländischer Investitionen informiert werden, weil sie sonst mit den einfachen Wahrheiten Trumps alleine gelassen würden. Firmen wie BMW, die ebenfalls im Süden der USA Autos bauen, werben im Fernsehen gezielt mit ihrem US-Engagement.

Hoffmeister-Kraut hält es für wichtig, mit Vertretern der Politik und Wirtschaft direkt vor Ort im Gespräch zu bleiben. Insbesondere das Zusammentreffen mit Gouverneurin Ivey hat ihr verdeutlicht: Trump ist nicht Amerika. Die Wirtschaftsministerin hält es allerdings für einen „Wunschtraum“, dessen „Administration beeinflussen zu können“. Immerhin sei kein Handelskrieg mit den USA in Sicht. „Das ist schon mal gut.“

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