Heinrich del Core beschäftigt das Thema Kinder – aber nur noch in Opa-Funktion. Foto: Cools

Für den einen Comedian ist das Publikum auf der Suche nach Gags ein gefundenes Fressen, der andere bedient sich gern am Ulk-Buffet, das die aktuelle Politik auftischt. Der nächste vermutet bei mancher Zugfahrt eine versteckte Kamera – Heinrich del Core traf mit seinen Überraschungsgästen wieder mal voll ins Schwarze.

Sarkastisches, Derbes, Offensichtliches und Subtileres, Bissiges, Imitation und ja, auch mal der gute alte Kalauer – in Heinrich del Cores Comedy Club am Montagabend im Kapuziner war alles dabei, zur großen Begeisterung der rund 300 Zuschauer.

 

Den Gastgeber selbst treibt gerade das Thema Kinderkriegen um – indirekt jedenfalls. Seine Tochter bekommt eins, und seine Frau wird damit Oma. Hach ja, und die lieben Kinder, sie geben einem ja so viel. Aber wieso nur ausgerechnet um 5.20 Uhr? Und seit wann kostet ein Kinderwagen so viel wie früher das Mofa? Fragen über Fragen. Die hatte auch del Cores erster Überraschungsgast.

Publikum ist Teil des Geschehens

Weshalb man sich als introvertierter Mensch besser nicht in die erste Reihe einer Comedy-Show setzen sollte, wurde beim Auftritt von Sascha Korf klar. Der selbst ernannte Spontaneitäts-Experte machte seinem Titel alle Ehre und ließ so manchen unfreiwilligen „Mitspieler“ zwar leicht überfordert zurück, doch dafür das Publikum herzhaft lachen.

Dass manche Rottweilerin es dem offenherzigen Wahl-Kölner mit ihrer Teilnahme-Verweigerung nicht allzu leicht machte, war für den nur noch mehr Ansporn, einen Gag herauszulocken.

„Hatha“ oder weicher Yoga?

Die Namen dreier Freundinnen in der ersten Reihe ließen ihn an ein Schlagertrio denken. Mit einer anderen Frau aus dem Publikum fachsimpelte er über „Hatha-Yoga“. Er persönlich mache ja lieber „weicher Yoga“, bekannte er. Und beim Thema vegane Küche findet Korf, dass eine Reiswaffel auch einen vorzüglichen Untersetzer fürs Bier abgebe.

Das Rottweiler Publikum hätte den quirligen Comedian am liebsten gar nicht mehr gehen lassen, was durch äußere Umstände fast geklappt hätte. Denn aus Korfs Plan, des Streiks wegen gleich nach seinem Auftritt den Zug nach Köln zu nehmen, wurde nichts. Glück im Unglück, dass sich unter den Rottweiler Zuschauern eine Mitfahrgelegenheit nach Stuttgart auftat.

Wer später muss, gewinnt

Was danach auf das Publikum wartete, war ebenso klug wie bitterböse und sarkastisch – Thomas Schreckenberger nahm die aktuelle Politik nicht nur unter die Lupe, sondern sezierte sie so erbarmungslos, dass sich ein ums andere Mal ein Raunen unter das Lachen mischte.

Da ging es um die Frage, was man Putin zur Besänftigung anbieten könne – über Sachsen und Thüringen könnte man seiner Ansicht reden – und um die ehemalige Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, bei der er stets erwartet habe, sie werde sich jeden Moment als „Hurz“ schreiender Hape Kerkeling entpuppen.

Kanzler Olaf Scholz mache derweil in Sachen „Kopf einziehen“ einer Schildkröte Konkurrenz. Die Alternative, Friedrich Merz, schaue zwar schlau, Schreckenberger, der durch seinen messerscharfen Humor begeisterte, warnte aber davor, Kurzsichtigkeit nicht mit Weitblick zu verwechseln. Und wie werde erst ein TV-Duell bei den beiden dann doch schon betagteren Männern ausgehen? Da gewinne der, der später aufs Klo müsse. Spätestens als Schreckenberger in der Rolle des Klaus Kinski den Nachrichtensprecher mimte, konnte es auch das Publikum nicht mehr zurückhalten – das Lachen.

„Schwulenwitze? Ich kenne sie alle“

Nach einem kurzen Zwischenspiel del Cores, in dem er sich über seine „Toilettenpatenschaft“ und Staubwischen, das er aus religiösen Gründen vermeidet, auslasse, zeigte Allround-Talent Ole Lehmann, dass echte Hamburger, bei denen ein „Moin“ übrigens stimmungsmäßig schon wie Karneval in Rio ist, nie um einen Spruch verlegen sind.

Die Männer würden sicher schon die ganze Zeit rätseln, deshalb sage er es gerade heraus: Ja, er sei Fleischesser. Ach ja, homosexuell auch. Schwulenwitze? Gern raus damit, „ich kenne sie alle“, stellte er klar.

Wie er eindrucksvoll unter Beweis stellte, sind ihm als notorischer Bahnfahrer auch die klassischen Ansagen des Zugpersonals, bei denen man nicht viel versteht, außer dass das Essen im Bordbistro 17 Euro kostet, bestens bekannt.

„GlasBlasSing“ greift zur Flasche

Seine Mutter schätze derweil seine Eigenschaft, vorlaut und frech immer den falschen Spruch im richtigen Moment rauszuhauen. Aber wie soll man auch reagieren, wenn einem an den Hamburger Landungsbrücken ein hutzeliges Weib begegnet und fragt, wie es am schnellsten in die Körperwelten-Ausstellung kommt?

Das Trio, das den Schluss am Montagabend zierte, zeigte ebenfalls, wozu der menschliche Körper im Stande ist, genauer gesagt Mund und Daumen. „GlasBlasSing“ knickte, ritschte, zupfte, klapperte, schüttelte, ploppte und klimperte, was das Zeug hielt, auf Flaschen aller Größen und Formen und brachte auf diese Weise Songs wie Peter Fox’ „Haus am See“, das zu „Klaus am See“ wurde, zu Gehör.

So faszinierend, dass das Publikum nicht anders konnte als mitzuklatschen. Der gelungene Schluss eines Abends, der wirklich jeden zum Lachen brachte.