Vier Gäste, ein grandioser Abend: Gastgeber Heinrich del Core hatte nicht zu viel versprochen. Musik-Kabarett, Mental-Magie, Stand-up und schwäbische Comedy bescherten den rund 300 Zuschauern gute Unterhaltung. Und mancher wurde sogar unversehens Teil der Show.
Ausverkauftes Haus im Rottweiler Kapuziner: Besser hätte Heinrich del Cores erster Comedy Club im Jahr 2025 gar nicht laufen können. Mit der Auswahl der Bühnengäste hatte der Gastgeber ein gutes Händchen bewiesen.
Das Warm-up übernahm er natürlich höchstselbst mit Ausschnitten aus seinem neuen Bühnenprogramm „Juhuu, meine Frau wird Oma!“.
Dabei macht die freie Trauung den katholischen Papa schon etwas wehmütig, schließlich wird die Ehe doch im Himmel gemacht – genauso wie Hagel und Gewitter. Und dann sieht er im Anzug, den er zuletzt bei der Kommunion seines inzwischen erwachsenen Sohns trug, auch noch aus wie eine „Knack und Back“-Packung, aus der der Teig quillt. Und ja, auch das Altern macht dem Comedian zu schaffen.
Halb-Italiener feuert Gag-Salve ab
Mit dem Altern hat der in Stuttgart aufgewachsene Halb-Italiener Roberto Capitoni, der erste Gast des Abends, übrigens kein Problem. Schon gar nicht in Rottweil. Weiße Haare? Egal, denn: „Heute bin ich nicht allein. Ganze Baumwollfelder eröffnen sich mir“, machte er sich angesichts der Haarpracht im Publikum gleich viele Freunde.
Dass die Nasenhaare so sprießen, dass er den Trimmer doppelt so oft wie die Zahnbürste benutzen muss, ist für ihn nichts Neues. Lieber das als wie Wolfgang Joop auszusehen, „als wäre man aus der Körperwelten-Ausstellung abgehauen“.
Nein, viel traumatischer war für Capitoni die Kindheit. Schon das Auf-die-Welt-Kommen geschah eher unwillig, denn wo’s dem Schwaben gefällt, da bleibt er bekanntlich.
Kecke Zuschauer
Nach monatelanger Verzögerung habe man ihn aber dann doch aus Mutters Bauch rausgelockt. Mit einer schwäbischen Spezialität versteht sich: dem Duft eines Bausparvertrags. Und das in einer Stadt, deren Name vor allem bei Vielessern größte Befürchtungen auslösen dürfte: Isny, sprich: „Iss nie!“.
Die Pointen kamen bei Capitoni wie aus dem Maschinengewehr, und man erwischte sich dabei, wie gebannt an seinen Lippen zu hängen, um bloß keinen der Gags zu verpassen. Schnell, spontan, schlagfertig – Letzteres waren übrigens auch die Besucher an diesem Abend im Kapuziner und antworteten auf die Frage „Wo kommen Sie her?“ auch einfach mal ganz keck: „Von dahoam“.
Dass die Probleme in Bayern dieselben sind wie im schwäbischen Raum, machte Liedermacher Michi Dietmayr deutlich. In das Klagelied „Hunger, Pipi, kalt“ stimmten die weiblichen Besucher im Kapuziner nur allzu gern engagiert ein. Und die musikalische Kritik an der Jugendsprache Pubertierender konnten viele nur allzu gut nachvollziehen.
Von einer vermeintlich romantischen Liebesnacht in Leipzig zeugte ein weiteres Lied, in dem der Bayer verdeutlichte, dass sächsischer Dialekt das Bettgeflüster ganz schön versauen kann.
Weihnachtlich, aber wenig besinnlich
Der Mann mit der Gitarre hatte auch weihnachtliche Weisen mitgebracht, die sich bei genauem Hinhören aber als nur wenig besinnlich herausstellten. So wurde aus „in der Weihnachtsbäckerei gibt’s so manche Leckerei“ die Oktoberfest-Version: „In der Ochsenbraterei gibt’s a Massenschlägerei“.
Hatten die Zuschauer bei Dietmayr ihre Stimmkraft unter Beweis stellen dürfen, so war es beim nächsten Gast die Gedankenkraft. Christoph Kuch sorgte mit seiner Mental-Magie für absolute Verblüffung.
Verblüffende Mental-Magie
Nicht nur wusste er, welche Zahlen die Versuchskaninchen aus dem Publikum gewürfelt hatten, sondern zum Beispiel auch, welches Wort auf einer von einem Zuschauer vollkommen willkürlich ausgewählten Buchseite stand.
Spätestens als er demonstrierte, dass die Gedankenübertragung offenbar auch zwischen zwei Personen aus dem Publikum, die sich nicht kennen, funktionieren kann – eine PIN wurde erfolgreich scheinbar per Telepathie übertragen – waren die Zuschauer baff.
Aus dieser Verblüffung konnte sie nur ein Duo befreien: „Hillus Herzdropfa“. Der Publikumsliebling, der einfach so schwätzt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, riss die Menge im Kapuziner sofort mit.
Unfall mit der Mistkarre
Als Hiltrud Stoll alias Lena in gewohnt derb-charmanter Art davon erzählte, wie ihr Maddeis (Franz Auber) – der „daube Siach“ – nach einem Unfall mit der Mistkarre auf spiegelglatter Fläche per Frontlader abtransportiert werden musste, schien mancher Zuschauer vor Lachen bald vom Stuhl zu kippen.
Maddeis dagegen kündigte an – nach 50 Jahren Unterdrückung –, als Herr im Haus endlich mal auf den Tisch hauen zu wollen. Und das tat er dann auch – zwar zögerlich und indem er den schwarzen Peter einem Herrn in der ersten Reihe zuschob, aber immerhin!
Schließlich sind Männer ja auch Geschöpfe Gottes, erinnerte er. „Ja, Rindviecher aber au“, gab’s gleich die passende Antwort von seiner vermeintlich besseren Hälfte. Mancher Zuhörer schien sich im ruppig-ungenierten Schlagabtausch des sympathisch-schrulligen Ehepaars wiederzufinden.
Am Ende gab es für alle Akteure samt Gastgeber Heinrich del Core stehenden Applaus. Mit der bunten Mischung aus verschiedenen Unterhaltungsformen war jeder auf seine Kosten gekommen, und viele nutzten nach der Veranstaltung die Gelegenheit, mit ihrem Lieblingsgast ins Gespräch zu kommen.