Nach zehn Jahren Heinrich Del Cores Comedy Club weiß das Publikum nun also Bescheid: Die Art und Weise, wie der Comedian all seine Kollegen auf die Rottweiler Bühne ködert, hat in der Szene einen Namen – sie wurden von Heini gerottweilert.
Rottweil - Die Bühne im Stadtgraben ähnelt in ihrer Form einem Tempel. Und seit Donnerstagabend wird sie das – vier Mal unter freiem Himmel, mit teilweise wechselnden Akteuren, aus Anlass des Jubiläums. Vor zehn Jahren hatte Heinrich Del Core also zum ersten Mal seine Köder ausgelegt, mit Wurstsalat, Familienanschluss und einer tollen Truppe auf die Rottweiler Comedy-Bretter gelockt.
Heini rottweilert sie alle
Schon die Video-Grußbotschaften von Suchtpotenzial bis Sascha Grammel führen bei den vier Jubiläumsaufführungen vor Augen, wer sich da in all den Jahren hat rottweilern lassen. Und auch live scharte Del Core erneut einen vergnüglich-bunten Querschnitt auf die Bühne. Michl Müller, Pit "Heinz" Hartling, Benni Stark, Jacqueline "Jacky" Feldmann und Andy Ost sorgten zum Auftakt dafür, dass sich der Stadtgraben wie schon im vergangenen Jahr zum Leuchtturm in Pandemie-Zeiten entwickelte. Gestern Abend stieß Stephan Bauer hinzu und ersetzte Michl Müller. An den beiden weiteren Abenden gibt es noch zwei andere Überraschungsgäste.
Fantastisch-komische Musik-Comedy, wie sie Andy Ost zum Abschluss darbietet, oder Crazy Chicken Heinz, der als zauberhafter Pit Hartling in Rottweil nicht nur aus Del Cores Comedy Club bekannt ist, zeigen schon, wie groß das Spektrum ist. Dreggsagg Michl Müller liefert eine Bandbreite, um die ihn jeder Internetanbieter beneiden würde: vom Besuch beim Herrenfrisör über die Schlager- und TV-Peinlichkeiten in Zeiten des Lockdowns bis hin zum obligatorischen Übergangsjäckle. Und die beiden Youngster Benni Stark und Jacky Feldmann machen eine andere Spanne deutlich – Hamburger Humor funktioniert auch in Rottweil, mit Späßen aus dem Sauerland tut man sich eher schwer und nimmt Mitleidsapplaus entgegen.
Verbindende Elemente gibt es indes zuhauf. Der Spaß am Sprachwitz und der Erzählkunst, die Liebe fürs delikate Detail oder auch das Gefühl für die Melodie von Musik und Wort gibt es da zu erwähnen. Einig sind sich alle auch in ihrer Freude, die Zeit der durch Corona leer gefegte Terminkalender hinter sich zu lassen. "Das tut so gut", war als Dank für den Beifall und das Lachen immer wieder zu hören. Sogar öfter als das dänische "Oh, das ist nicht so gut" von Benni Stark.
Und dann wäre da natürlich noch Heinrich Del Core – als Gastgeber, als Jubilar, als das eigentliche verbindende Element. Er spielt mit der Situationskomik, springt spontan als Platzanweiser ein, beweist als Stagehand und als Bühnencrew ebenso Geschick wie als Moderator.