Ulrich Kater ist seit 20 Jahren Chefvolkswirt bei der Deka-Bank. Foto: Verena Parage

An Aktien führt aus Sicht des Deka-Chefvolkswirts Ulrich Kater kein Weg vorbei, um Vermögen zu vermehren. In Pforzheim spricht er über politsche Turbulenzen und Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

In gewisser Weise könnte Ulrich Kater auch Finanzhistoriker sein. Denn ein Blick in die Vergangenheit zeigt ihm, wie die Märkte auf Katastrophen reagieren – sei es eine Pandemie oder ein womöglich irrational agierender US-Präsident. Der Chefvolkswirt der Deka-Bank zieht daraus Schlüsse und gibt Tipps, wie sich Unternehmen verhalten sollten und wie sich Vermögen vermehren lässt.

 

Letzteres fällt in die Kategorie Private Banking. Diese Abteilung der Sparkasse Pforzheim Calw, geleitet übrigens von dem Calwer Hartmut Keim, ist normalerweise eine diskrete Angelegenheit, geht es doch um die Vermögensanlage wohlhabender Kunden.

Diskretes Geschäft rückt ausnahmsweise in den Mittelpunkt

Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens rückt das Private Banking der Sparkasse Pforzheim Calw dennoch in den Fokus. Das Institut hatte am Dienstagabend etwa 300 ausgewählte Kunden zu einem Vortrag von Ulrich Kater ins Pforzheimer Turmquartier eingeladen. Dieser sprach über das Thema „Zeitenwende in der Weltwirtschaft – wie Trump & Co. Wirtschaft und Finanzmärkte verändern“. Vorab stand er bei einer Pressekonferenz Rede und Antwort.

Vor 20 Jahren, 2004, habe der deutsche Aktienindex DAX bei 4000 Punkten gestanden, meinte der Finanzexperte. Inzwischen sind es deutlich über 20 000. „Das hätte damals niemand gedacht.“

Seit seiner Gründung 1989 steigerte sich der Wert des DAX durchschnittlich um 8,9 Prozent, sagte Kater, und zählte gleichzeitig zahlreiche Katastrophen der vergangenen 35 Jahre auf: etwa die New-Economy-Krise, dann der 11. September 2001, der Irakkrieg und 2008 „die Mutter aller Finanzkrisen, gefolgt von Corona. Am Aufstieg des DAX änderte dies nichts.

„Die Dramatik von Kursrückgängen ist natürlich extrem für Menschen“, da oft mit dem Verlust großer Vermögen verbunden, konstatierte Kater. Doch der Markt erhole sich in der Regel wieder.

Deshalb ist nicht nur aus Sicht des Top-Volkswirts Kater, sondern auch von Stefan Saile, dem Bereichsdirektor S-Vermögen, klar: Private Haushalte können keine höhere Rendite erzielen als mit Aktien. Weil die Deutschen allerdings ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, liegt laut Saile noch zu viel Geld auf Konten. Dabei rechnete Sven Eisele, der designierte neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Pforzheim Calw, vor, dass eine Rendite von 4,5 Prozent notwendig sei, um nicht Geld durch Inflation und Abgaben zu verlieren.

Unternehmen aus der Region müssen sich gut informieren

In den vergangenen drei Jahren ist laut Ulrich Kater die Kaufkraft von 100  000 Euro geschrumpft auf 80 000, wenn die Besitzer ihr Geld nicht entsprechend anlegen.

Die Schlagworte, so Eisele: Diversifikation, also eine breite Streuung, um das Risiko zu minimieren, sowie Strategie, die aus Sicht der Sparkasse mit einer guten Beratung einhergeht. Und noch eines ist wichtig: eine langfristige Anlage von mindestens zehn Jahren.

Dass sich ein langer Atem lohnt, zeigt wieder einmal die Geschichte. Womit Ulrich Kater in der Gegenwart ankommt, in der US-Präsident Donald Trump mit seiner Politik heftige Schwankungen an den Märkten auslöst. Dennoch seien die Märkte erstaunlich gefast. So sei der DAX trotz etwa Trumps Zöllen seit Jahresanfang um zehn Prozent im Plus. „Das ist ein ganz normales Jahr.“

Gleichwohl beobachtet Ulrich Kater einen Umbau der Weltwirtschaft: weg vom multilateralen Ansatz, paradoxerweise in vergangenen Jahrzehnten aufgebaut von den USA, hin zum bilateralen. So habe etwa Großbritannien gerade Handelsabkommen mit Indien und den USA abgeschlossen.

Den Unternehmen, auch im Nordschwarzwald, rät Kater, sich bei ihren Verbänden genau über die Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern zu informieren. Und, genau wie die Anleger, ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Für die Firmen kann das bedeuten, dass es keinen Sinn mehr ergibt, in den USA zu produzieren. Und für Anleger, ihr Geld lieber in Europa als den USA zu investieren.