Die ehemalige Metzgerei Baur Foto: Reinhardt

Im Gemeinderat war die Ortsmitte von Deißlingen erneut Thema. Die Gebäude „Ochsen“ und ehemalige „Metzgerei Baur“ sind zum Rückbau und zur Neubebauung vorgesehen.

Im Fall „Ochsen“ wurden in den vergangenen fünf Jahren die entsprechenden Weichen gestellt. Doch vor ein paar Wochen wurde kommuniziert, dass die Neubebauung der aktuellen Marktsituation zum Opfer gefallen ist. Der Investor ist abgesprungen. Beide Gebäude wurden von der Gemeinde gekauft.

 

Das Gebäude Baur war bis vor wenigen Wochen noch bewohnt und ist jetzt erstmals leerstehend. Für den Rückbau der Gebäude erhält die Gemeinde einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent aus dem Landessanierungsprogramm.

Ansicht des Bürgermeisters

Zwar sei eine kurzfristige Neubebauung in beiden Fällen nicht greifbar, aus Sicht der Verwaltung, so Bürgermeister Ralf Ulbrich, würde ein unbebautes Grundstück wohl leichter zu vermarkten sein, als ein mit einem Abbruchobjekt bebautes. Zudem sei zu beachten, dass trotz der gewährten Verlängerung des Landessanierungsprogramms die Zeit drängt und zu Förderung angemeldete Maßnahmen innerhalb der kommenden zwei Jahre abgewickelt sein müssten.

Dietmar Kargoll (CDU) meinte, dass er für den Rückbau der beiden Gebäude sei. „Ein Investor will bauen und nicht erst ein bestehendes Gebäude abreißen müssen, und im Übrigen kosten auch alte Gebäude Geld.“

Peter Emminger (DUL): „Wir müssen heute eine klare Entscheidung treffen, nach fünf Jahren müssen die Gebäude jetzt weg, oder wollen wir noch mal fünf Jahre warten?“

Auch Timo Hirt (CDU) war für den Abriss der beiden Gebäude. Hirt: „Wir finden wahrscheinlich besser und schneller einen Investor, wenn die Gebäude nicht mehr vorhanden sind.“

Doch es gab auch Gegenstimmen. Georg Röhrle (SPD) meinte, dass man mit dem Abbruch noch warten sollte, bis ein Investor sich findet, der den Rückbau mit übernimmt.

Vielzahl an Argumenten

Auch Carola Röhrle (DUL) sprach sich gegen den Abriss aus. Dies mit einem ganzen Argumentationskatalog. In ihrer Begründung legte sie dar, dass die Gebäude ehemaliger Ochsen und ehemalige Metzgerei getrennt behandelt werden sollten.

Der Ochsen, als ortsbildprägendes Gebäude mit seiner bedeutenden Geschichte, beschäftigte diese Ratskonstellation bereits seit fünf Jahren. Das Gebäude ist stark beschädigt, jedoch wurden Beschlüsse gefasst, die es zuerst umzusetzen gilt.

Bei der ehemaligen Metzgerei handele es sich um ein sanierungsbedürftiges Gebäude, das aktuell Schäden aufweist aufgrund eines Wasserschadens. Daher beantrage sie, über den Abriss getrennt abzustimmen. Sie selbst lehne den Antrag ab.

Sie erinnerte an die Pläne mit der Activ-Group, die sich zerschlagen haben. Eine monatelange oder gar jahrelange Baulücke wollte und wolle auch jetzt niemand.

Der „Ochsen“ Foto: Reinhardt

Mit Beschluss vom Januar sei die Verwaltung beauftragt worden, weitere Bauträger zu kontaktieren und deren Bereitschaft abzufragen, den Ursprungsentwurf zu realisieren. Des Weiteren sei der Verlängerung der Ankaufsoption für Activ-Group zugestimmt worden. Diesen Beschluss gelte es umzusetzen, der Abriss sei Aufgabe des Investors.

Bei der ehemaligen Metzgerei handle es sich um ein Gebäude in – laut Wertgutachten – gutem Zustand. Die Verwaltung solle zuerst mit potenziellen Kaufinteressenten ins Gespräch gehen. Wenn ein vernünftiges Nutzungskonzept vorgelegt werden kann, sei sie für den Verkauf der Immobilie.

Dass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind, steht außer Frage. Wegen eines Wasserschadens müsse aber nicht das ganze Haus abgerissen werden. Wenn diese Option scheitert, könne man immer noch abreißen.

Die Abstimmungen

Der Antrag den Tagesordnungspunkt abzusetzen, wurde mit 13 Nein, drei Ja und einer Enthaltung abgelehnt.

Die getrennte Abstimmung über den Abriss der beiden Gebäude hingegen wurde durchgeführt, wie von Carola Röhrle beantragt.

Die Abstimmung ergab für den Ochsen 13 Ja- und drei Nein-Stimmen und eine Enthaltung für den Abriss. Bei der ehemaligen Metzgerei waren dies 13 Ja-, zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Nun kann der Rückbau beginnen.