Georg Röhrle (links) und Fabio Tedesco erläutern das Vorhaben; hier ein Plan von 1906 aus dem Staatsarchiv. Foto: Reinhardt

Engagement: Gruppe um Georg Röhrle und Fabio Tedesco darf den "Ochsen"-Keller freilegen

Der Deißlinger Gemeinderat gab grünes Licht für das Vorhaben einer Gruppe um Georg Röhrle und Fabio Tedesco, für die Freilegung eines Gewölbekellers im ehemaligen Gasthaus Ochsen.

Deißlingen. Bekanntlich soll der "Ochsen" im kommenden Jahr abgerissen werden. Die Gruppe hatte der Gemeinde angeboten, den eventuell vorhandenen Keller freizulegen, um dann zusammen zu entscheiden, was daraus wird. Vor der Sitzung trafen sich die Protagonisten beim "Ochsen", um den Kellerraum, wo der Abgang sein soll, zu besichtigen.

Am Abriss selbst solle nicht gerüttelt werden. Doch man gewinne Zeit, was selbst das Denkmalschutzamt bestätige. 160 Unterschriften befürworteten das Ansinnen der Gruppe. Fabio Tedesco teilte auch mit, dass rund 25 Leute aktiv mithelfen würden, den vermuteten Gewölbekeller freizulegen. Dies werde alles ehramtlich gemacht, jedoch unter Federführung der Gemeinde, die auch die anfallenden Kosten tragen werde.

Untermauert wurde die These um den Gewölbekeller der Wirtschaft durch alte Pläne, die selbst auf dem Rathaus nicht bekannt waren. Dies machte Bürgermeister Ralf Ulbrich deutlich. Wolfgang Klink habe einige geschichtliche Fakten zusammengetragen.

"Oxenwürth" von 1759

Bereits im Jahr 1385 wurde eine Dorftaverne erwähnt, die sich in dem Gebäude befunden haben könnte, das als Nebengebäude des Schlosses und heutigen Rathauses galt. Die bisher früheste Aufzeichnung über das ehemalige Gasthaus Ochsen geht auf ein Dokument des Jahres 1759 zurück. In diesem ist die Rede von einem "Oxenwürth" mit Namen Joseph Schaumann. Es dürfe jedoch davon ausgegangen werden, dass die Wirtschaft deutlich älter sei.

Der heute noch sichtbare Türsturz weist auf das Jahr 1551 hin, in welchem der "Ochsen" vermutlich offiziell eröffnet wurde. 1876 hat der damalige Wirt Johannes Jerger eine Anzahl von größeren An- und Umbauten abgeschlossen. 1906 fiel das Gebäude einem Brand zum Opfer und wurde wieder aufgebaut. Erst im Jahr 1932 folgte der Aufbau eines weiteren Stockwerks mit dem heute noch ortsbildprägenden Staffelgiebel.

Gutachten von 2017

Es folgten viele Recherchen von Fabio Tedesco und Georg Röhrle. Die "Steg Stadtentwicklung" hatte im Juli 2017 in einem Gutachten erwähnt: "Das Gebäude ist teilunterkellert. Hier sind Kellerräume sowie Gewölbekeller vorhanden." Hierzu bemerkte Bürgermeister Ralf Ulbrich, dass sich dieses Gutachten auf eine andere Stelle im Kellergeschoss beziehe. Nicht an der jetzigen Stelle, wo der Abgang vermutet wird.

Im September 2020 habe man seitens der Bürgerinitiative in den Bauakten der Gemeinde nach Anhaltspunkten geforscht und begonnen, die Unklarheiten zur "Ochsen"- Geschichte aufzuklären. Ein Plan vom 16. Juli 1906 aus den Bauakten zum Wiederaufbau der abgebrannten Wirtschaft wurde den Räten gezeigt.

Man sehe deutlich, so Tedesco, dass der ehemalige Gasthof nicht komplett abgebrannt gewesen sei. Letztendlich habe man einen Plan im Staatsarchiv in Sigmaringen gefunden, "welcher unsere Vermutung von dem Keller bestätigte". Der Plan ist von 1873, vier Jahre nach Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie.

Damals beantragte Johan Jerger, seinen Gasthof um eine neue Brauerei im Bereich des heutigen Bestattungsinstitut zu ergänzen. "Interessant dabei ist eine gewendelte Treppe, welche wir als einen Kellerzugang werten. Im Geschoss darüber war der Tanzsaal, und dort ist keine Treppe eingetragen, ergo muss die Treppe nach unten führen."

Man habe auch Fachleute mit ins Boot genommen wie Architekten, Diplomingenieure, Tragwerksplaner und viele mehr, die allesamt ehrenamtlich dabei sind.

Stimmen aus dem Rat

Bürgermeister Ralf Ulbrich meinte, dass ihm die Fantasie fehle, was mit dem freigelegten Keller passieren solle. Dazu meinte Fabio Tedesco, dass man gar nichts vorhabe mit dem Keller, doch man sollte das Ganze auf jeden Fall dokumentieren. Peter Emminger (DUL) sagte: "Räumt aus, dann sieht man, was dabei rauskommt – und dann kann man weiter entscheiden."

Anja Stumpf lobte das ehrenamtliche Engagement der Gruppe und sah keine Nachteile in dem Vorhaben. Karin Schmeh (CDU) war der Meinung, dass man nichts kaputt mache. "Wir schauen dann war dabei rauskommt." Tobias Vierkötter (SPD) tat sich noch etwas schwer, weil sich noch Mieter in dem Gebäude befinden. Weiter meinte das Ratsmitglied, dass er nicht genau sondieren könne, ob es nun nur um den Keller gehe und/oder um das Gebäude.

Für die Gruppe gehe es nur um den Keller, meinte Tedes­co. "Es kann sein, dass alles umsonst ist." Denn erst wenn ein solcher Keller 500 Jahre oder älter sei, werde es für den Denkmalschutz interessant.

G’schmäckle und Vorteile

Für Bernd Krause allerdings hat der "Keller" ein gewisses G’schmäckle; es könnte den Rückbau verzögern. Für Bruno Bantle (SPD) ist das eine spannende Geschichte. Zumal niemand gewusst habe, was da eigentlich zugeschüttet worden sei. "Ich habe keinerlei Bedenken zu dem Vorhaben, da ja die Gemeinde immer noch Herr des Verfahrens ist." Auch Hubert Holl sieht nur Vorteile. "Wir sparen Zeit für eine eventuelle neue Planung."

Karl Heinz Maier (CDU) war nicht begeistert. "Niemand hat was von dem Keller. Was passiert, wenn es Unfälle gibt?" Bürgermeister Ralf Ulbrich meinte dazu, dass von einer Gefahr für die Mieter derzeit nicht ausgegangen werde. Doch eine Garantie könne niemand übernehmen. Tedesco: "Wir räumen nur auf und setzen auch kein schweres Gerät ein."

Mit einer Gegenstimme bei einer Enthaltung wurde die Gruppe mit der Freilegung des Kellergewölbes beauftragt.