Schaurig-schön sind die "Näcker-Gamper". Wichtiger ist jedoch, dass sie mit ihrer Guggenmusik Partystimmung erzeugen, egal, wo sie auftreten. Foto: Libis

Guggenmusik besteht seit 18 Jahren. Gruseliges Kostüm geht bereits in die dritte Saison.

Deißlingen - Seit 18 Jahren hat Deißlingen eine eigene Guggenmusik, die sich die "Näcker-Gamper" nennt. Klar, zur Fasnet sind die Musiker mit ihren schaurigen Kostümen wieder bei vielen Auftritten zu sehen. Aktiv sind sie jedoch das ganze Jahr über.

"Drei Proben in der Woche klingt zwar viel, aber wir wollen anspruchsvolle Musik machen, und nur so ist das möglich", erklärt Armin Schmidt, der stellvertretende Vorsitzende der "Näcker-Gamper". Montags sei Gesamtprobe, dienstags die Probe für Drums und Wäggeli, Pauke, Percussion und Lyra, also die Schlaginstrumente, und donnerstags für Bläser, die durch Trompete, Posaune, Hörnle und Sousafon vertreten sind.

Im Repertoire haben die "Näcker-Gamper alles, was cool ist", zum Beispiel in diesem Jahr "Out Of Style", die A-cappella-Version von "Fear Of the Dark" und die bekannte "Party Rock Anthem". Jedes Jahr nach der Fasnet kommen drei, vier neue Lieder dazu, die von Armin Schmidt neu arrangiert werden, sodass sie auf die Besetzung passen.

"Natürlich haben wir auch Schunkellieder dabei", erzählt Maier. "Aber die Partymusik überwiegt. Wir wollen ja die jungen Leute begeistern."

Und doch begeistern die Deißlinger Guggenmusiker auch viele andere mit ihrer Musik und ihrem Auftreten, nicht anders lassen sich die Einladungen aus ganz Europa erklären. "Jährlich bekommen wir zwischen 160 und 180 Einladungen", bestätigt Schmidt. Dann werde beraten, wo man spielt und wo nicht.

Lieber seien den "Näcker­Gampern" kleinere Guggentreffen, bei denen man dann eine längere Spielzeit hat. "Es gibt teilweise sogar Treffen, da reist man ewig an und kann dann gerade mal eine Viertelstunde vor einem fast leeren Zelt spielen, das ist frustrierend", meint Maier. Deswegen hätten sie dieses Jahr überall eine halbe Stunde Spielzeit gefordert. Wo das nicht möglich sei, müsse das Fest ohne die Deißlinger auskommen. "Aber ich glaube, wir haben eine gute Auswahl getroffen", meint Maier. Es seien um die Fasnet rum nur Treffen, wo man schon öfter gespielt habe und die Veranstalter kenne.

Und wenn dann ein Auftritt ansteht, heißt es aufwendiges Schminken, Kostüm an und Maske auf. Das neueste Kostüm der "Näcker-Gamper" geht jetzt in die dritte Saison. "Früher hat jeder den Stoff bekommen und durfte diesen dann nach einem ganz groben Muster selber schneidern", erzählt Schmidt. Dieses Kostüm habe man gemeinsam entworfen, zu einer Schneiderin, die sich auf die Kostüme von Guggenmusiken spezialisiert hat, in die Schweiz gebracht. "Da sind wir wirklich an unsere Grenzen gegangen", bemerkt Maier. Es seien mehrere Lagen Stoff aufeinander, was die normalen Nähmaschinen fast nicht geschafft hätten.

Die gruselige Fratze, die alle Musiker bei einem Auftritt tragen, habe ein Mann aus Schaffhausen entwickelt und aus Ton die Grundform gemacht. Jeder habe dann seinen Kopf selber gegossen und lackiert, was ziemlich viel Arbeit gewesen sei. "Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen", sind sich die beiden Vorsitzenden einig.

Man habe bisher immer auf bunt und glitzer gemacht, dieses Kostüm sei das erste mit einem Motto, das erste gruselige. "Die Wächter Tusilingas" nennen sich die Deißlinger Guggenmusiker in ihren aufwendigen Kostümen jetzt. "Tusilinga" ist ein altes Wort für Deißlingen. "So wie wir in diesen Verkleidungen aussehen, hätten wir früher unser Dorf verteidigen können", erklärt Maier. "Deshalb ›Die Wächter Tusilingas‹."

"Zeigen, was man kann"

Hauptsaison sei bei den "Näcker-Gampern", so wie bei den meisten Guggenmusiken, die Fasnet. Aber dennoch achte man darauf, auch unter dem Jahr noch den ein oder anderen Auftritt zu haben. So veranstalten die "Näcker-Gamper" jedes Jahr am letzten Juniwochenende ihren Guggenhock im Bärengarten Deißlingen, an dem immer zwischen zehn und zwölf Guggenmusiken teilnehmen. "Das ist immer eine gute Gelegenheit, auch unter dem Jahr zu zeigen, was man kann", findet Schmidt.

Was den beiden am Herzen liegt, ist die Mitgliederwerbung. Sie fänden es toll, vor allem mehr jüngere Musiker für die "Näcker-Gamper" begeistern zu können. "Es ist wirklich kein kostengünstiges Hobby, und das viele Üben ist ab und zu ziemlich anstrengend, aber es macht wahnsinnig Spaß, und man lernt unglaublich viele Leute kennen, erzählt Maier.

Für alle Interessierten findet am 25. März eine Schnupperprobe im Probelokal der "Näcker-Gamper" statt, auch für diejenigen, die vorher noch kein Instrument gespielt haben. "Wir wollen anspruchsvolle Musik machen und dafür brauchen wir viele Musiker, je mehr, desto besser", sind sich Schmidt und Maier einig.

Böse Fratzen und aufwendige Kleidung, begleitet von fetziger Musik – so präsentieren sich die "Näcker-Gamper Deißlingen" bei ihren Auftritten.

Der Name erklärt sich recht schnell: Im Schwäbischen sagt man zum Neckar locker "Näcker", und der "Gamper" stammt aus dem schwäbischen Volkslied "Auf’m Wasa graset Hasa und im Wasser gampet d’Fisch".

Gegründet wurden die "Näcker-Gamper" 1995 von Werner Grünwald, der ursprünglich aus Schwenningen kommt und einige ehemalige Deißlinger Musiker zusammentrommelte, um eine Guggenmusik zu gründen. Mit den damals 14 Musikern fing man an, fetzige Lieder einzustudieren, die Partylaune verbreiten sollten. Doch anders als andere Guggenmusiken übten die "Näcker-Gamper" nicht nur auf die Fasnet hin, sondern seit jeher das ganze Jahr über.

Heute hat der seit 1996 eingetragene Verein 30 aktive Mitglieder im Alter von 15 bis 66 Jahren. Der Vorsitzende Peter Maier und sein Stellvertreter Armin Schmidt, die seit 2007 und 2008 im Amt sind, sind fast von Anfang dabei. Die drei wöchentlichen Proben leitet Volker Hengstler.