Am Dienstagmorgen ist der erste Zug mit S 21-Aushub in Lauffen angekommen. Mit dem Material wird das Gips-Abbaugelände von Knauf verfüllt. Vorher allerdings hebt ein "Reachstacker", eine Art Riesenstapler, die Container von den Waggons. Foto: Schickle

Züge bringen Material aus Stuttgart nach Lauffen. Gipsabbaugelände wird aufgefüllt. Ziel: 2000 Tonnen an sechs Tagen die Woche.

Deißlingen-Lauffen - Seit Dienstag bringen Züge Aushubmaterial des Bahnprojekts Stuttgart 21 nach Lauffen. Damit wird ein Gipsabbaugelände verfüllt. 2000 Tonnen Transportleistung an sechs Tagen die Woche lautet das Ziel.

Auf diesen Tag hat Rainer Gaus lange gewartet. Gestern Morgen, gegen Viertel vor acht, kommen die ersten Waggons mit S 21-Aushub in Lauffen an. Wenig später nähert sich der riesige Stapler, ein sogenannter Reachstacker, erstmals den gelben Containern, setzt seinen großen Greifarm an, packt zu  und hebt sie auf die wartenden Lastwagen - als wären 25 Tonnen Gewicht nichts.  

Als "unspektakulär" beschreibt Gaus diesen so lange erwarteten Moment. Dabei hat sich der Projektleiter der Erhard Gfrörer und Sohn Schotterwerk GmbH und Co. KG in Empfingen (Kreis Freudenstadt) mehrere Jahre lang darauf vorbereitet. Gfrörer und die beiden Unternehmen Fischer Weilheim und UTL Konstanz haben sich zur Firma Baulog S 21 zusammengeschlossen, um Aushub von der Großbaustelle in der Landeshauptstadt abzutransportieren. In der Nacht auf Dienstag machte sich erstmals ein Zug in den Landkreis Rottweil auf.

Jeder Güterzug hat 1000 Tonnen Aushub geladen. Sie sind immer nachts unterwegs, sechsmal die Woche, von Montag bis Samstag. Um 6 Uhr morgens hat die Baulog S 21 am Dienstagmorgen den ersten übernommen und in zwei Teilen nach Lauffen gebracht, 40 Container insgesamt. Mit dem Material soll das ausgebeutete Gipsabbaugelände der Firma Knauf in Sichtweite der Abladestation verfüllt werden. Um den Transport auf Schienen zu ermöglichen, wurden die Gleise, die auf das Firmengelände führen, verlängert.

Die erste Woche, sagt Rainer Gaus, sei als Probelauf gedacht. Wenn sich alles eingespielt hat, sollen sieben Stunden reichen, um die zwei Halbzüge zu entladen und die Container auf die Lastwagen zu setzen, damit diese den Aushub wegbringen können. Irgendwann wird dann die Schlagzahl erhöht: Dann kommen jeden Tag zwei komplette Züge mit S 21-Aushub in Lauffen an. Insgesamt 1,5 Millionen Tonnen sollen bis März 2018 angeliefert werden. Nach Angaben der Bahn fallen bei Stuttgart 21 rund 20 Millionen Tonnen Material an.

Lauffen ist einer von zwei Orten in Baden-Württemberg, an die Züge den Aushub bringen. Eine ähnliche Abladestation gibt es nahe Schwäbisch Hall. Von dort aus bringen Lastwagen den Aushub in einen Steinbruch. Zudem rollen Züge aus der Landeshauptstadt nach Thüringen und Sachsen-Anhalt. Alles Weitere rollt über die Straße.

Für die Anwohner bedeutet das oftmals viel Dreck und noch mehr Lärm. Auch dafür gibt es Beispiele im Kreis Rottweil, in Epfendorf-Trichtingen beispielsweise. Durch den kleinen Ort fuhren in Spitzenzeiten bis zu 200 Lastwagen täglich, um Material von S 21 in nahe gelegene Steinbrüche zu bringen. "Je mehr Lastwagen man aus den Ortschaften rausbekommt, desto besser", findet Rainer Gaus.

Mit der Alternative Schiene ist er auch deshalb zufrieden, weil er selbst in einer von solchen Stuttgarter Lieferungen betroffenen Gemeinde lebt. Und, weil es in Lauffen klappt: "Es geht immer schneller", sagt der Projektleiter zufrieden, als er zuschaut, wie der Reachstacker den ersten Container des zweiten Halbzugs packt und vorsichtig auf einen Lastwagen absetzt. Zweieinhalb Minuten, das weiß er von den Erfahrungen der Kollegen in Schwäbisch Hall, werden irgendwann reichen pro Container.

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