Arndt Emminger (links) und Jan Seligmann begutachten stehend ihre Säulen im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe. Simon Dongus schaut sich das Ganze von unten an. Foto: SMNK Foto: Schwarzwälder-Bote

Schreinerei Emminger liefert die passende Umgebung für die Ausstellung "Facettenreich - Die Welt der Insekten"

Von Max Schuler

 

Deißlingen. Schreiner Arndt Emminger aus Deißlingen mag keine Holzwürmer, dennoch hat er für die Artgenossen der gefräßigen Käferlarven und 1000 weitere Insekten im Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe (SMNK) ein neues Zuhause geschaffen."Mit lebenden und toten Tieren habe ich in meinem Beruf normalerweise nichts zu tun", sagt Emminger. Dafür versteht der 48-jährige etwas von Innenausbau und davon kann sich jeder überzeugen, der im SMNK die Dauerausstellung "Facettenreich – Die Welt der Insekten" besucht.

28 Säulen aus Holz sägten die Deißlinger in ihrer Werkstatt zurecht, nachdem sie von dem zuständigen Designerbüro "pragmadesign" den Auftrag in Höhe von 60 000 Euro zugesprochen bekamen. "Jede Säule musste einzigartig sein, wir wollten ein abstraktes Pflanzenreich nachbilden", sagt Armin Dett, einer der Designer. Der Museumsbesucher soll sich wie ein Insekt vorkommen, das durch eine Wiese läuft, beschreibt Emminger die Idee der Gestalter aus seiner Sicht.

Die Säulen, getarnt als Grashalme, beherbergen in zahlreichen Terrarien und Schubladen tote Präparate und krabbelnde Insekten, die Ausstellungsleiter Manfred Verhaagh ausgesucht hat. "Wir wollen die Insekten nicht aufgespießt und festgenagelt präsentieren, sondern in ihrer natürlichen Umgebung", sagt Verhaagh. All das wurde während zahlreicher Gespräche in der Emminger Werkstatt solange ausgetüfftelt, bis alle Parteien zufrieden waren und der erste Säulenrohling mit seinen 4,75 Meter vor den Beteiligten stand. Wie gewünscht in leichter Schräglage.

In den nächsten sechs Wochen folgten die restlichen Säulen, die zum Teil mit elektronischem Innenleben ausgestattet wurden, so dass die Besucher in der Ausstellung auch virtuell auf Entdeckungsreise gehen können. Bei den eingesetzten Vitrinen war besonderes Geschick gefragt, da kein Staubkörnchen in die Glaskästen fallen darf – die Präparate gehen sonst kaputt. Das Wissen aus der Herstellung von Holz-Etuis half der Emminger Schreinerei bei der Lösung des Problems und die 28 Säulen landeten in Karlsruhe. Vor Ort brach dann noch mal Hektik aus: 4,75 Meter lang ist dort kein Fahrstuhl. Emminger, Jan Seligmann und Simon Dongus krempelten die Ärmel hoch und schleppten die Säulen in den ersten Stock, wo sie seit Dezember vergangenen Jahres von mehr als 40 000 Besucher gesehen wurden.