In welch schlechtem Zustand die Plettenbergstraße ist, offenbarte sich jetzt bei den Tiefbauarbeiten fürs Nahwärmenetz. Foto: Schütz

Bei Aushubarbeiten in "Bitze" maroder Zustand der Tragschicht entdeckt. Ulbrich: Dringende Angelegenheit.

Deißlingen - Unangenehme Entdeckung im Straßengraben: Bei Aushubarbeiten im Deißlinger Gebiet "Bitze" stellte sich heraus, dass die Straßen-Tragschicht in mehr als schlechtem Zustand ist. Und auch die Wasserleitungen weisen Schäden auf.

Im Deißlinger Wohngebiet "Bitze" klaffen derzeit tiefe, langgezogene Gräben in einigen Straßen: die Tiefbauarbeiten zur Erweiterung des Nahwärmenetzes sind in vollem Gange. Dabei wurde in sämtlichen Parallelstraßen zur Lupfenstraße festgestellt, dass der Straßenaufbau nicht so ist, wie er sein sollte.

"Das wurde damals vor 50 Jahren nicht fachgerecht gemacht – wir können froh sein, dass die Straße überhaupt so lange gehalten hat", erklärte Bürgermeister Ralf Ulbrich bei der außerordentlichen Sitzung des Bau- und Umweltausschusses. Das Problem sei dringend, schließlich müssten die Gräben bald wieder geschlossen werden – auch deshalb, weil die Grundstücke mancher Anwohner durch diese komplett abgeschottet werden.

Vom Zustand der Straßen- Tragschicht konnten sich die Gemeinderäte selbst mit einem Blick in die Gruben überzeugen: "Das bisschen Schotter unter dem Asphalt ist normalerweise meterstark", stellte Ortsbaumeister Rainer Braun fest. Der Bau der Nahwärmeleitung und der damit verbundene Eingriff ins Straßengefüge könnte verstärkt Schäden an der Belagschicht hervorrufen.

Ulbrich sprach sich gegen die mögliche Lösung aus, nur den Graben bis zum Randstein und damit etwa ein Drittel der Straße im Zuge der Auffüllung nach heutigem technischen Standard auszubauen, da man somit das Risiko von Rissen im Belag und ständiger Nachbesserung eingehe.

Auch der Gemeinderat plädierte trotz Mehrkosten von 118 000 Euro dafür, den kompletten Straßenkörper an die heutigen Anforderungen anzupassen, ihn also komplett auszubauen und wiederherzustellen.

Zusammen mit dem nicht fachgerechten Straßenkoffer entdeckte man ein weiteres Problem: Die Hauptwasserleitung ist an verschiedenen Stellen schadhaft und müsste eventuell in absehbarer Zeit ausgetauscht werden. Laut Braun könne sie noch zehn oder 20 Jahre halten, das sei nicht abzuschätzen. Da die Straßen derzeit aber ohnehin offen sind, entschied der Gemeinderat, die Wasserleitung im Zuge der Nahwärme- Arbeiten gleich auszutauschen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 150 000 Euro. I allen Belangen Nägel mit Köpfen zu machen, wenn die Straße sowieso aufgegraben ist, schien einigen Räten sowieso sinnvoll: So schlug Karin Schmeh vor, in allen Straßen Leerrohre zu verlegen, die später möglicherweise der Breitbandverbindung dienen könnten. Ulbrich aber erklärte eine flächendeckende Verlegung von Glasfaserkabeln als "schlichtweg nicht finanzierbar" und für den Bedarf im Wohngebiet auch nicht vonnöten.

Wolfgang Dongus hatte die Idee, die winzigen, schmalen Gehwege, wie sie beispielsweise in der Plettenbergstraße bestehen, gleich zu beseitigen, wenn man sie schon nicht behindertengerecht absenken werde. Die anderen Räte wandten ein, dass dann die Gartenmauern der Anwohner ausgegraben würden. Ulrich stimmte zu: "Die Leute wären wohl nicht begeistert davon, ihr Mäuerle neu zu bauen." Gar nicht erst diskutiert werden musste der Vorschlag, in den Straßen des Wohngebiets ein Tempolimit von 30 einzuführen: Ein solches besteht in "Bitze" nämlich schon lange.