Dietmar Maurer (BUND Deißlingen-Lauffen) findet auch tote halbwüchsige Fische beim Fischsterben in der Ortsmitte in Deißlingen. Die Fische konnten seit dem letzten Fischsterben nicht einmal erwachsen werden. Foto: Kutzleben-Hausen

BUND: Ermittlungserfolge zu Fischsterben im Neckar sind armselig. Gewässerschädigung macht viele betroffen.

Deißlingen - Das allgemeine Entsetzen über das erneute Fischsterben am Oberen Neckar bei Deißlingen fasst wenige Tage nach dem Vorfall jetzt die BUND-Ortsgruppe Deißlingen-Lauffen in Worte. Eigentlich ist Saisonstart. Ab Mitte Mai entwickelt sich reges Leben im Neckar. Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebse, Libellen- und Steinfliegenlarven sind besonders beliebt bei den jugendlichen Forschern, die in den Frühsommermonaten den Neckar erkunden und mehr über ihre Heimat erfahren wollen. Die Betreuung wurde über einige Jahre von Gewässerpädagogen wie Ulrike von Kutzleben-Hausen und Dietmar Maurer von der Deißlinger BUND- Ortsgruppe übernommen. Nun aber ist große Verunsicherung eingetreten: Nach Einleitung von Giftstoffen und dem dadurch ausgelösten Fischsterben ist unklar, ob Giftstoffe im Schlamm sitzen und Kinder gar gefährdet sind, wenn sie im Wasser waten und die Steine absuchen.

Mit einem Schlag seien die vielen Bemühungen entwertet, die die BUND-Ortsgruppe ehrenamtlich, zum Beispiel bei den landesweiten Aktionstagen "Lebendiger Neckar" investiert hat. Und welch eine Ironie zeigt dieses Wort angesichts des Sterbens von Flora und Fauna im Gewässer.

"Es ist besonders frustrierend, miterleben zu müssen, dass nun das vierte Fischsterben innerhalb von fünf Jahren geschieht und man machtlos zuschauen muss", sagt ein BUND-Sprecher. Beklagt wird auch, dass es den Behörden bisher nicht gelungen ist, die Verursacher zu finden. "Ist dies sogar die Folge des jahrelangen Stellenabbaus unserer Behörden, dass das notwendige Fachpersonal fehlt und die Zuständigkeiten unklar sind", wird gefragt. Und: "Auch werden offensichtlich die Probleme nicht so ernst genommen, wie es die Sachlage erfordert", mutmaßen die BUND-Vorstände und verweisen auf einen Brief, der anlässlich des letzten Fischsterbens 2012 an das Regierungspräsidium geschickt worden sei und bis heute nicht beantwortet wurde.

Man sei regelrecht fassungslos, denke man daran, dass heute jede Delle an fremden Autos aufwendig als Fahrerflucht verfolgt und mit hoher Strafe belegt werde. Dagegen seien die für den Gewässerschutz zuständigen Behörden bisher nicht in der Lage, ein möglicherweise mutwillig verursachtes Fischsterben mit kaum wieder gutzumachendem Schaden an Natur und Umwelt erfolgreich aufzuklären, wird beim BUND provokant konstatiert. Der potentielle Verursacher lasse sich vom möglichen Risiko und Strafmaß nicht abschrecken. Nicht gerade beruhigend sei in diesem Zusammenhang, dass etwa 400 Betriebe in Villingen-Schwenningen über die Kläranlage "am Neckar hängen".

Der Deißlinger Neckarabschnitt sei in punkto Fischsterben mittlerweile rekordverdächtig, "und der Bodenschlamm vergisst ja leider nichts", äußert sich Dietmar Maurer als unmittelbarer Neckaranrainer. "Ich weiß nicht einmal, ob ich das Neckarwasser weiter in meinem Garten als Gießwasser verwenden kann." Das werden sich auch andere fragen.

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