Das Rathaus erstrahlt in stimmungsvollem Licht: Bei der Erstauflage von "Kehlhofer Kehlen" genießen die Besucher Kunst, Kultur und Kulinarisches. Foto: K. Kammerer

Kunst, Kultur, Kulinarisches und ein leuchtendes Rathaus. Gesang und Reime faszinieren die Gäste.

Deißlingen - Es war eine stimmungsvolle Premiere: Bei der Erstauflage von "Kehlhofer Kehlen" strömten 2000 Besucher in die Deißlinger Ortsmitte. Dort gab es Kunst, Kultur, Kulinarisches – und eine einzigartige Atmosphäre.

Ein Abend von Deißlingern für Deißlinger, ein Kulturfest, das von innen kommt. Die Idee der Gruppe Kunst und Kultur war einfach: Deißlinger bieten Essen, Trinken, Kunst und Kultur an – das, was sie eben besonders gut können. So kann man, ganz ohne auswärtige Künstler einzukaufen und Bonbon-Buden von weither anfahren zu lassen, ein lauschiges Fest auf die Beine stellen. Ein Konzept, das aufging.

Es ist ein lauschiger Spätsommer-Abend. Vom schicksalsträchtigen Datum – Freitag, der 13. – lässt sich der Wettergott nicht beeindrucken. Rund 2000 Besucher, die meisten von ihnen stammen aus Deißlingen und Lauffen selbst, strömen auf den zentral gelegenen Platz zwischen Rathaus und Hagestall, den Kehlhof. Auf der parallel zum Platz verlaufenden Straße sind kleine Stände aufgebaut. Vom Holzrelief über Selbstgestricktes bis hin zum Aquarell, vom 3D-Bild über Badesalze bis hin zu verschiedenen Teesorten: Alles, was auf dem Sträßlemarkt angeboten wird, stammt aus der Region. Es wird gefeilscht, gelacht und gestaunt.

Zentral auf dem Kehlhof steht eine große Bühne, davor sind dutzende Bankreihen aufgestellt, auf denen man auch zur frühen Abendstunde kaum einen Platz findet. Rings um die Bühne herum wird eine kunterbunte Mischung aus kulinarischen Leckerbissen angeboten. Matschige Pommes und die Standard-Currywurst sind Vergangenheit. Wer’s herzhaft mag, kann sich vielmehr zwischen Speckvesper, russischem Lammschaschlik, ungarischem Bohnengulasch, Tapas, Pesto und Bratwurst entscheiden. Schleckermäulchen stürmten begeistert auf den Stand mit den Gummibärchenspießen zu. Mit Bowle, Wein, Most, Cocktails und Säften stillen die Besucher ihren Durst. Die ganz Mutigen greifen zum "Kehlhofer Kehlenputzer". Es ist ein Fest mit einem besonderen heimeligen Charme. Alt und Jung schlendern gemeinsam über den Kehlhof. Die Oma kauft dem strahlenden Enkelchen einen Gummibärchenspieß, die schon ewig befreundete Clique tauscht bei einem Bierchen alte Erinnerungen aus, Jugendliche probieren sich bestens gelaunt und quatschend quer durchs Essens- und Getränkesortiment.

Als es zu dämmern beginnt, strahlen Scheinwerfer das Rathaus, die Bühne und das alte Fachwerk des Hagestalls an. Eine einmalig gemütliche Atmosphäre breitet sich aus. Die einen schlendern tratschend von Stand zu Stand, die anderen bewundern das Bühnenprogramm. Zwei kleine Mädchen ziehen mit Saftflaschen in der Hand staunend und kichernd durch die Menge – auch das ganz junge Publikum kommt auf seine Kosten. Auf der Bühne wird gesungen, musiziert und gereimt, was das Zeig hält.

Man kennt die Akteure, sie stammen schließlich alle aus dem Dorf. Und genau das macht auch den Charme des Programms aus, das von Folk­lore über Kanons und Chorgesang bis hin zu italienischen Liedern reicht.

Charmant und schwäbelnd fachsimpeln die vier "Capriolen" über die Probleme der Frauenwelt. Fazit: "Die Psyche braucht au amol än Fruschtmohrekopf." Das Pu­blikum lacht, die "Capriolen" auch, die Stimmung ist gut. Es dauert noch einige Nachtstunden, bis die Kehlen auf dem Kehlhof schließlich verstummen.

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