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Deißlingen Bleibt der "Ochsen" oder muss er weg?

Von
Foto: Reinhardt

Deißlingen - So groß war das Interesse der Deißlinger an einer Gemeinderatssitzung schon lange nicht mehr. Grund war der Tagesordnungspunkt "Konzept Abbruch und Neubebauung des ›Ochsen‹".

Der Sitzungssaal platzte fast aus allen Nähten, so groß war der Andrang. Bereits im Vorfeld der Sitzung kochten die Emotionen im Internet hoch.

Ein das Ortsbild prägendes Gebäude wie der "Ochsen" dürfe nicht der Spitzhacke zum Opfer fallen, wurde da propagiert – und zur Teilnahme an der Sitzung angeregt. Bürgermeister Ralf Ulbrich gab zu Beginn der Debatte noch einmal einen Überblick über die bisherige Geschichte: Vor drei Jahren hat die Gemeinde den "Ochsen" gekauft, um im Hinblick auf die "Neue Ortsmitte" die Gestaltungshoheit über das Areal zu bekommen.

Ein Jahr später, 2017, beantragte die SPD-Fraktion, dass ermittelt werden soll, inwieweit der "Ochsen" umgebaut und saniert werden könnte. Dabei sollte das Augenmerk vor allem auf die Schaffung von neuem Wohnraum gelegt werden. Denn die Nachfrage nach Wohnraum ist nach wie vor groß in der Neckargemeinde. In vielen Sitzungen habe der "alte" Gemeinderat mit einigen Bauträgeren und Architekten gesprochen. Dabei wurde recht schnell deutlich, sagte der Bürgermeister, dass eine Altbausanierung für Bauträger und Investoren unwirtschaftlich sei. Viele Schäden im Gebäude, verschiedene Dachformen sowie Um- und Anbauten seien der Grund dafür gewesen, dass mehrere Bauträger und Architekten zwar ihr grundsätzliches Interesse signalisiert und bestätigt hätten – jedoch unter der Voraussetzung, dass ein kompletter Rückbau des Gebäudes und eine anschließende Neubebauung erfolgt.

Es wurde die "STEG" als Projektpartner für die "Neue Ortsmitte" mit dieser Aufgabe betraut. Nun liegt ein Konzept auf dem Tisch, das Anna Heizmann von der "STEG" den Räten vorstellte. Gemeinderat Bruno Bantle (SPD) ärgerte sich darüber, dass die Diskussion um den "Ochsen" nicht früher öffentlich im Gemeindeparlament behandelt worden ist. Der "Ochsen" präge seiner Meinung nach das Ortsbild "und hat mitunter Vereinsgeschichte geschrieben". Er wisse nicht, sagte Bantle weiter, worüber er heute abstimmen soll. "Ich lehne jedoch einen Abriss entschieden ab."

Noch wurde nichts beschlossen

Bürgermeister Ulbrich meinte dazu, dass hierzu noch nichts beschlossen wurde. Und weiter: "Heute soll lediglich das weitere Vorgehen zur Abstimmung kommen. Das Gremium ist Herr des Verfahrens." Bantles Fraktionskollege Georg Röhrle zählte beispielhaft einige alte Gebäude auf, die saniert wurden. Bevor Abriss und Neubau beschlossen werden, sollte seiner Meinung nach erst ein Gutachten erstellt werden. Auch Röhrle lehnte einen Abriss des "Ochsen" ab. Jürgen Bögelspacher (CDU) machte den Vorschlag, eventuell Alt und Neu zu integrieren, um so einen kompletten Abriss zu verhindern.

Dietmar Kargoll (CDU) war der Meinung, dass die "Neue Ortsmitte" auch Veränderung bedeutet. "Wir wollen doch die ›Neue Ortsmitte‹ interessant für die Bürger gestalten und auch die Verkehrssituation verbessern." Eine Sanierung kommt für ihn nicht in Frage – das wäre zu teuer. "Ich bin überzeugt, dass das erarbeitete Konzept in Ordnung ist, denn ohne einen entsprechenden Investor geht nichts", sagte Kargoll. Die Schaffung von Wohnraum und nicht die Erhaltung des Gebäudes sei wichtig. Auch Wolfgang Dongus (SPD) war es wichtig, dass neuer Wohnraum geschaffen wird: Um 200 Menschen sei Deißlingen in den vergangenen fünf Jahren gewachsen; zudem wurden 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Um die Schaffung von Wohnraum ging es auch Anja Stumpf (SPD), welche die Entscheidung vertagen wollte.

Man könnte ja auch einen Investor suchen, der sagt, was er will, meinte Hubert Holl (DUL). Das sei keine Option, meinte Bürgermeister Ulbrich daraufhin. Die Gemeinde müsse klare Vorgaben machen. Ein weiterer Vorschlag kam von Karin Schmeh (CDU): Sie fand, dass der "Stufengiebel" des "Ochsen" gut ins Ortsbild passe. Warum also nicht den Giebel erhalten und dahinter neu bauen? Dieser "Stufengiebel" hätte übrigens ursprünglich ein Giebel im Jugendstil werden sollen, wusste Ulbrich aus den Bauanträgen. Doch dafür hatte das Geld wohl nicht gereicht, und der "Stufengiebel" war günstiger.

Gremium: hätte früher öffentlich tagen sollen

Für Peter Emminger (DUL) war die gesamte Thematik neu. Zudem, sagte der Gemeinderat, "habe man groß keine Zahlen auf dem Tisch". Emmingers Fraktionskollegin Carola Röhrle würde sich wünschen, dass ein "neutraler Architekt" sich das Ganze ansieht. Dieser solle prüfen, ob es sich lohnt, das Gebäude zu erhalten. Gerhard Stern (SPD) sagte: "Wir wollen doch alle nur das Beste für die Gemeinde – nicht für einen Investor." Allerdings räumte der Rat ein, dass man früher an die Öffentlichkeit hätte gehen sollen.

Zur Abstimmung kam am Ende der Vorschlag von Bürgermeister Ulbrich, eine Bürgerversammlung zur Zukunft des "Ochsens" einzuberufen. Dann hätten auch die Deißlinger Bürger eine Chance, sich zu äußern. Mit elf Ja-Stimmen, zwei Enthaltungen und sechs Nein-Stimmen wurde der Vorschlag angenommen.

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