Der Kreis-Dehoga-Vorsitzende Markus Holweger spricht bei der seit Jahresbeginn geltenden Mehrwertsteuersenkung von einem positiven Signal – mehr aber nicht.
Die positive Botschaft des Dehoga-Vorsitzenden ist schnell notiert: Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie (auf Speisen) von 19 auf sieben Prozent, wie es sie schon mal während der Corona-Pandemie gab, sei „ein gutes Signal“.
Allein, und damit hat es sich schon mit dem Wohlwollen von Markus Holweger: Diese Entscheidung komme „Jahre zu spät“. Weshalb?
Zum einen, weil die Bundesregierung zugleich in zwei Schritten (zum 1. Januar 2026 sowie zum 1. Januar 2027) den Mindestlohn um in Summe rund 14 Prozent anhebt. Zugleich seien die Energiekosten deutlich gestiegen, und die Erhöhung der Preise je nach Lebensmittel bewege sich zwischen 30 und 70 Prozent.
Preise halten – nicht senken
Heißt, macht der Küchenmeister im eigenen Betrieb, dem Café-Restaurant „Catrina“ in Dürrwangen, deutlich: „Zwölf Prozent, das hört sich sehr gut an. In der Gegenrechnung allerdings schwächt es die anderen Kosten nur geringfügig ab.“
Diese Argumentation des Dehoga-Chefs im Zollernalbkreis nimmt die Antwort auf die Frage vorweg, ob er die Preise für sein Speisenangebot senken wird: Er werde seine Preise halten (können), aber günstiger wird das Essengehen bei ihm nicht, sagt er.
Trotzdem, das ist dem 48-Jährigen wichtig deutlich zu machen: „Die zwölf Prozent werden durchaus an die Kunden weitergegeben, nur sieht man’s nicht… weil damit die versteckten anderen Kosten nicht weitergegeben werden.“ Wobei man schon sehr ein Auge darauf haben müsse, wo und wie man Lebensmittel einkauft, um den allgemeinen Preiserhöhungen zu entgehen.
Nicht nur Nahrungsaufnahme
Profiteure der Mehrwertsteuersenkung um die genannten zwölf Prozent nennt Markus Holweger die Lebensmittelkonzerne und Fastfoodketten. „Das sind die Gewinner – immer schon!“ Weil Speisen „to go“ sowieso nur mit sieben Prozent besteuert werden.
Diese „reine Nahrungsaufnahme“, wie sie der Küchenmeister nennt, geschehe ohne längeren Aufenthalt. Im Restaurant, wo bis vor wenigen Tagen noch 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen fällig wurden, genieße man am Tisch nicht nur das Essen, sondern auch die Gemütlichkeit, die Geselligkeit.
Auf ein Getränk dazu entfallen wie gehabt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Der Gast „löst“ dieses Problem gerne mal so: „Eine Flasche Wasser und drei Gläser“ – solche Bestellungen seien keine Seltenheit.
Früher, blickt Markus Holweger zurück, habe für einen Restaurantbesuch die Speisenfolge Suppe, Hauptgang, Nachtisch gegolten. Heute werde sich diesem Genuss nur noch hingegeben, „wenn Oma und Opa eingeladen haben“. Der „Selbstzahler“ übe sich da im Verzicht.
Mehr Lebenszeit
Bei all diesen Schwierigkeiten der Gastronomie freut sich Markus Holweger, dass sein Betrieb gut läuft. Gemeinsam mit seinem Bruder Jochen, Bäcker- und Konditormeister, beschäftigt er rund ein Dutzend Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Bei reduzierten Öffnungszeiten an sechs Tagen (Montag ist Ruhetag). Mit dieser Regelung „fahren wir gut“: „Wir stehen besser da und haben mehr Lebenszeit“.
Die widmet der Dehoga-Vorsitzende seiner Familie und Freunden, seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten als Kreisrat und Mitglied des Ortschaftsrates Frommern, als ehrenamtlicher Prüfer an der Berufsschule, als aktives Mitglied der Hexenzunft Obernheim – und eben als Dehoga-Chef.
Mehr Gerechtigkeit
Dennoch wüsste der 48-Jährige, wie es allgemein besser laufen könnte für die Gastronomen. Stichwort Personal. Dass heute kaum noch ein Jugendlicher eine Ausbildung in der Gastro machen wolle, liege nicht nur an den Arbeitszeiten. Sondern? An der Vergütung.
Markus Holweger erklärt das so: „Ein Mini-Jobber steht in der Relation finanziell besser da als ein Azubi am Anfang seiner Ausbildung“ – was kein ausschließliches Problem der Gastronomie, sondern insgesamt des Handwerks sei.
Ungerecht sei außerdem die Gewichtung des Mindestlohns. Ein Beispiel, das der bei Vincent Klink im Restaurant „Wielandshöhe“ in Stuttgart zum Koch ausgebildete Holweger gerne bemüht: „Ein Kartenabreißer im Fußballstadion verdient in einer Stunde genau so viel wie eine Teller schleppende Servicekraft.“ Das könne es doch nicht sein.
Rein gar nichts hält der 48-Jährige auch davon, in der Work-Life-Balance die Wirtschaft aufrechterhalten zu wollen – das ist „realitätsfern“. Entgegenkommen würde seinen Kollegen und ihm des Weiteren eine flexibler zu gestaltende Arbeitszeitregelung. Weil’s „bedarfsgerechter“ wäre.
Ein letztes Wort noch zum ganz allgemeinen Befinden des Kochs aus Leidenschaft in diesen herausfordernden Zeiten: „2025 war für mich ein tolles Jahr. Es hat mir die Klarheit gebracht, dass das, was mein Bruder und ich in unserem Familienbetrieb tun, das Richtige ist. Dumme Sprüche aus der Bevölkerung sind für uns wie Balsam für die Seele – weil wir uns diese Form von Neid schwer verdient haben!“