Gastronomen im Zollernalbkreis fürchten die Pleite. (Symbolfoto) Foto: stock.adobe.com/www.push2hit.de

Der Dehoga-Kreisvorsitzende Zollernalb warnt eindringlich vor einer Wiederanhebung der Mehrwertsteuer. In Richtung Berlin zeigt er auf, was alles auf dem Spiel steht.

Markus Holweger ist angefressen – und zwar so richtig. Grund dafür ist die drohende Anhebung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie zum Jahreswechsel. Währende der Corona-Pandemie wurde der Satz von 19 auf 7 Prozent reduziert, um die angeschlagene Branche zu entlasten.

 

Damit soll Anfang 2024 Schluss sein. Die Ampelkoalition will die ermäßigte Mehrwertsteuer nicht verlängern. „Wissen die in Berlin eigentlich, was diese Entscheidung für Auswirkungen hat?“, fragt sich der Dehoga-Kreisvorsitzende.

Gäste bekommen die Erhöhung zu spüren

Sollte der Bund die Mehrwertsteuer tatsächlich wieder anheben, würden viele Gastronomen – auch hier im Zollernalbkreis – daran kaputtgehen. Da ist sich Holweger ziemlich sicher.

Die zwölf Prozentpunkte Erhöhung bekämen besonders die Gäste zu spüren, nämlich durch Preiserhöhungen auf der Speisekarte. „Anders können die Gastronomen das doch gar nicht stemmen“, berichtet ein erhitzter Holweger im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wenn es denn überhaupt bei den 12 Prozentpunkten bleibt. „Ich kalkuliere da eher mit bis zu 20 Prozent“, sagt Holweger und verweist auf hohe Energiekosten, Mindestlohn und steigende Lebensmittelkosten.

Während der Corona-Pandemie haben 60 Betriebe im Kreis aufgegeben

Glaubt man dieser Rechnung, muss man als Restaurantbesucher nach dem Essen wohl mit einer saftigen Zeche rechnen. Und es betrifft laut Holweger nicht nur Restaurants.

Rückgang der Kundschaft sehr wahrscheinlich

„Die ersten, die sich beschweren werden, sind die Eltern, denn die Erhöhung betrifft alles, was mit Essenszubereitung und Lebensmitteln zu tun hat.“ So müssten zum Beispiel auch Schulmensen aufschlagen. Die Eltern auf Arbeit, die während der Mittagspause in der Kantine essen, müssen bei einer Erhöhung wohl auch tiefer in die Tasche greifen.

Viele Gastronomen müssten sich im Falle der Erhöhung auf einen deutlichen Rückgang der Kundschaft einstellen, da Essengehen dann laut Dehoga zum Luxusgut wird. „Das können viele Gastronomen nicht stemmen“, sagt Holweger, der eine klare Ungleichbehandlung zwischen Industrie und Gastronomie sieht.

„Wenn die Industrie schreit, kommt die Politik meist zur Hilfe. Wir werden dagegen schnell mal vergessen. Dazu haben wir nicht die Möglichkeit, unser Geschäft ins Ausland zu verlagern, um dort billiger zu ‚produzieren‘. Unsere Kunden sind hier vor Ort“, sagt Holweger.

Viele Gastronomen müssen noch Rückzahlungen tätigen

2019 waren im Zollernalbkreis laut Dehoga-Angaben knapp 500 Gastronomie-Betriebe im Zollernalbkreis ansässig. Während der Pandemie haben 60 Betriebe aufgegeben. Holweger rechnet mit mindestens weiteren 30, sollte der ermäßigte Steuersatz nicht erhalten bleiben.

„Viele denken, Corona ist überwunden. Das trifft für uns nicht zu. Mehrere Betriebe in der Region müssen noch 60 000 Euro an Rückzahlungen an den Staat tätigen. Nicht wenige haben Privatvermögen oder ihre Altersvorsorge in ihren Betrieb gesteckt. Hier stehen Existenzen auf dem Spiel“, warnt Holweger eindringlich die Bundesregierung.

Aber das scheint in der Hauptstadt nicht anzukommen. „Die Politiker dort werden das aber früh genug merken, wenn sie mit ihrem Rucksackvesper in den Bundestag kommen, da es keine Möglichkeit mehr gibt, essen zu gehen.“

Wenn die Parlamentarier im Herbst über den Steuersatz entscheiden müssen, ist der Appell von Holweger mehr als eindeutig: „Die Abgeordneten in Berlin müssen dann endlich mal Eier zeigen und für die Gastronomie einstehen – unabhängig was ihre Fraktion vorgibt.“