Die Diskussionsteilnehmer in Alpirsbach (von links): Veit Grünberg (FDP), Katrin Schindele (CDU), Moderatorin Beate Gaiser (Vorsitzende Dehoga-Kreisverband), Bettina Ahrens-Diez (SPD) und Daniel Belling (Grüne) Foto: Monika Schwarz

Über die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Hotellerie und Gastronomie diskutierten Landtagskandidaten auf Einladung des Dehoga im Braukeller in Alpirsbach.

Krankheits- und urlaubsbedingt hatten sich einige interessierte Vertreter der Branche kurzfristig entschuldigt, mehr als 30 Besucher waren aber dennoch gekommen, um sich die Positionen von Katrin Schindele (CDU), Bettina Ahrens-Diez (SPD), Daniel Belling (Grüne) und Veit Grünberg (FDP) zu den Themen anzuhören, die der Branche aktuell auf den Nägeln brennen. Nicht gekommen trotz Einladung war der Kandidat der AfD.

 

Moderiert wurde der Abend kompetent von der Dehoga-Kreisvorsitzenden Beate Gaiser. Sie hob die Bedeutung der Gastronomie und Hotellerie für den Wohlstand und die Lebensqualität in der Region besonders hervor und lobte die gesenkte Mehrwertsteuer als „wichtigste Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Branche seit vielen Jahren“.

Profitieren werde davon nicht nur die Gastronomie, sondern weitere Branchen und der Tourismus. Trotzdem sei die wirtschaftliche Lage aufgrund rückläufiger Umsätze, Übernachtungszahlen und anhaltender Konjunkturschwäche schwierig.

Ausbildungszahlen steigen dank Migration

Sehr positiv entwickelt hätten sich aufgrund der Migration jedoch die Ausbildungszahlen. Mit der „Agenda für ein starkes Gastgeberland Baden-Württemberg“ zeige der Dehoga landespolitische Handlungsfelder und Chancen auf, den Wohlstand und Arbeitsplätze im Gastgewerbe und Tourismus zu sichern.

Die Eckpunkte der Agenda waren nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Kandidaten schließlich die Grundlage der Diskussion. Wie man den Tourismus als Leitökonomie und die Gastronomie stärken kann, wie der Generationenwechsel in der Branche gelingt, welche Maßnahmen die Fachkräftezuwanderung erleichtern, wie Bürokratieabbau gelingt und was zu tun ist, um den kommunalen Steuer-Wildwuchs (Stichwort: Verpackungssteuer) zu stoppen, das waren einige der Fragen, die den Kandidaten gestellt wurden.

Schindele: Tourismuskonzeption überarbeiten

Katrin Schindele (CDU) plädierte beispielsweise dafür, die bestehende Tourismuskonzeption zu überarbeiten und Gelder so effizient wie möglich einzusetzen. Regiobuslinien zu streichen, die den Tourismus träfen, sei das falsche Zeichen. Einig waren sich die Kandidaten darin, die Region noch besser zu vermarkten.

Bettina Ahrens-Diez (SPD) will den Investitionsstau in der Branche mit Förderprogrammen angehen und favorisiert einen Fonds für Gründungsfinanzierungen. Für eine Auflockerung des Arbeitszeitgesetzes und mehr „freie Hand“ bei der Betriebsnachfolge plädierte Veit Grünberg (FDP).

Belling: weniger Misstrauen

Daniel Belling (Grüne) begrüßte die Mehrwertsteuersenkung, bewertete den Profit, den davon Systemgastronomen wie McDonald’s davontragen, aber kritisch. Im Bereich Bürokratieabbau forderte er eine grundsätzliche weniger von Misstrauen geprägte Haltung der Behörden hin zu einem „Ich glaube an euch“. Bürokratie im aktuellen Ausmaß könne sich der Staat schon aufgrund des dafür erforderlichen Personals gar nicht mehr leisten.

Verpackungssteuer umstritten

Auch Ahrens-Diez (SPD) sprach sich für eine „Kultur des Vertrauens“ aus. In der Politik brauche es den Mut, manches auch gegen die Verbände durchzudrücken, befand Schindele. Grünberg erinnerte an die „One in two out“-Regel zur Bürokratieentlastung.

Die Einführung einer Betten- oder Verpackungssteuer bewertete Schindele als „kontraproduktiv“, während Belling und Ahrens-Diez für die kommunale Selbstverwaltung bei diesem Thema argumentierten. Den Aspekt der Müllvermeidung und des Umweltschutzes dürfe man nicht außer Acht lassen.

Im Publikum wurde der Wunsch geäußert, bei der Umsetzung von Maßnahmen Experten aus der Praxis mit ins Boot zu holen. Nicht alles, was die Politik beschlossen habe, habe sich nämlich bewährt.