Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann – und hat ein Thema in die Öffentlichkeit gebracht, mit dem sich auch das Schulamt Pforzheim auseinandersetzt. Foto: Thomas Banneyer/dpa

Künstliche Intelligenz hebt Cybermobbing auf eine neue Ebene. Das Schulamt Pforzheim ist sich der Gefahr bewusst und versucht mit Medienbildung dagegen zu wirken.

Seit Tagen ziehen sich die Vorwürfe durch die Medien. Der deutsche Schauspieler Christian Ulmen, so berichtet seine Ex-Frau Collien Fernandes, soll im Internet Profile unter ihrem Namen angelegt und dort unter anderem jahrelang sogenannte Deepfake-Pornografien von ihr verbreitet haben.

 

Als Deepfakes werden mit künstlicher Intelligenz hergestellte oder veränderte Medieninhalte wie Bilder, Videos oder Audiodateien bezeichnet. Damit lässt sich beispielsweise das Gesicht einer Person in ein anderes Bild oder Video einfügen.

Auch Kinder und Jugendliche betroffen

Doch digitale Gewalt muss sich nicht nur gegen Personen des öffentlichen Lebens richten. Sobald ein Täter Zugriff auf Bilder einer Person hat – etwa auf öffentlichen Plattformen – kann diese Opfer von Deepfakes werden. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche.

Nicht zuletzt das Schulamt Pforzheim, das unter anderem für die Schulen im Kreis Calw zuständig ist, nimmt dieses Problem ernst.

Seit dem Schuljahr 2025/2026 gebe es etwa das neue Schulfach „Medienbildung und Informatik“, erklärt das Schulamt auf Nachfrage. Die Schüler sollen hier digitale Kompetenz erlernen. Auch sollen neue technische Möglichkeiten – wie Deepfakes – im Unterricht aufgegriffen werden.

Zusätzlich sind Workshops und Projekte zur Aufklärung vorgesehen. Ziel sei, Schülern beizubringen, digitale Inhalte kritisch einzuordnen und verantwortungsvolles Handeln zu lernen.

Das Schulamt sieht Medienbildung aber auch als Aufgabe der Eltern. Um diese einzubinden, würden Elternabende und Informationsveranstaltungen zu Mediennutzung, Cybermobbing und zunehmend auch Deepfakes veranstaltet.

Knapp 17 Prozent der Schüler betroffen

Dass Schulen durchaus Tatorte sein können, zeigt indes ein Fall aus der Schweiz, über den Ende Februar das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) berichtet hatte. Dabei hatten Jungen an einer Deutschschweizer Schule Deepfakes von Mitschülerinnen erstellt und verbreitet, die diese nackt zeigen.

Deepfakes sind ein Fall von Cybermobbing – und damit ein Fall von digitaler Gewalt. Knapp 17 Prozent der Schüler zwischen acht und 21 Jahren sind von Cybermobbing betroffen, wie eine Studie von 2022 zeigt, die in Kooperation mit der Techniker-Krankenkasse durchgeführt wurde. Die Opfer werden, anders als bei klassischem Mobbing, im Internet und über Mobiltelefondienste bloßgestellt und schikaniert.

Doch Cybermobbing und Deepfakes seien für sich erstmal keine eigenständigen Strafbestände, erklärt das Polizeipräsidium Pforzheim auf Anfrage unserer Redaktion.

Mögliche Straftaten

Jedoch könnten unter Cybermobbing einzelne Straftaten fallen, die wiederum ernsthafte Folgen für die Täter haben können, schreibt die Kriminalprävention.

Beispielsweise könne nach Paragraf 187 Verleumdung angezeigt werden. Das könne vorliegen, wenn jemand unwahre Tatsachen verbreite, um das Opfer in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen.

Durch die momentane Diskussion über das Thema digitale Gewalt rückt auch die Gesetzlücke in diesem Bereich wieder in den Vordergrund. Doch das soll sich ändern. Laut einem Gesetzentwurf könnte die Erstellung von Deepfakes in Zukunft mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden.