Die Straßenlaternen in Schiltach sind größtenteils auf LED umgestellt und werden nachts heruntergedimmt. Foto: Sum

Licht an, Licht aus. Umweltschutz gegen Sicherheitsgefühl. Jede Menge Zündstoff steckt in der Diskussion um die mögliche Abschaltung der Straßenbeleuchtung in der Nacht. Der Gemeinderat ist sich uneins.

Schiltach - Ja was denn nun? Diese Frage hat sich am Mittwoch beim Tagesordnungspunkt "Straßenbeleuchtung; Nachtabschaltung" der Gemeinderatssitzung wohl auch den Beteiligten gestellt. Gleich zwei Abstimmungen waren nötig. Ergebnis: Alles bleibt vorerst wie es ist.

Aber von vorne: Bereits nichtöffentlich, so sagte Bürgermeister Thomas Haas zum Auftakt, habe der Gemeinderat über ein mögliches Abschalten der Straßenbeleuchtung gesprochen. Die Verwaltung habe daraufhin geschaut, wie sich das konkret umsetzen lässt. Für seine Erklärungen holte Stadtbaumeister Roland Grießhaber etwas weiter aus: Zwischen 2009 und 2020 seien die Straßenlaternen in der Stadt weitgehend auf LED umgestellt worden; lediglich die Leuchten im Hoffeld funktionieren nicht mit dieser Technik. Zwischen 23 und 5 Uhr werden die LED-Leuchten gedimmt und verbrauchen dann nur halb so viel Strom. "Eine weitere Reduzierung ist nicht möglich", stellte er klar.

Nur in Wohnstraßen möglich

Nachts abgeschaltet werden dürften Leuchten nur an "nicht verkehrswichtigen Straßen, sprich reinen Wohnstraßen", erläuterte Grießhaber. Die Versicherung empfehle, die Leuchten zwischen 1 und 4 Uhr oder 5 Uhr auszuschalten – "je nachdem, wann die Leute morgens anfangen zu arbeiten".

Das Abschalten ist mit Arbeiten verbunden: So müssen Stromkreise umgeklemmt und neue Schaltstellen mit -uhren geschaffen werden. "Das wird etwa 15 000 Euro kosten", schätzte Grießhaber. Die mit dem Abschalten verbundene Stromkosten-Ersparnis wurde nicht errechnet, antwortete der Stadtbaumeister auf Nachfrage von Hans-Jörg Heinrich. "Das wäre ein großer Aufwand", begründete er. Die Stromkosten seien mit der LED-Umstellung bereits um rund 50 Prozent reduziert worden und betrugen 2020 knapp 27 000 Euro, führte Haas aus.

"Gefühl der Sicherheit"

Inge-Wolber Berthold hakte nach, ob sich bei den Leuchten auf dem Hoffeld noch Strom einsparen lasse. Die 165 Laternen seien noch nicht abgeschrieben und funktionierten zwar nicht mit LED, hätten aber ebenfalls schon eine Stromersparnis. Wolber-Berthold berichtete von Reaktionen aus ihrem Umfeld, nach denen "es sich die Leute absolut nicht vorstellen können, die Lampen auszuschalten". Leute, die "nach unserer Lampenzeit heimkommen", hätten dann Schwierigkeiten, befürchtete sie. Auch Philipp Groß und Sabine Bösel plädierten vehement für Licht in der Nacht: "Das sorgt für ein Schutzgefühl, wenn man nachts unterwegs ist", meinte Groß – und Bösel ergänzte: "Ich brauche das Gefühl der Sicherheit." Zum Reduzieren des Stromverbrauchs sei schließlich schon auf LED umgestellt worden. Das sah auch Ulrich Kohler so.

Bürgermeister Thomas Haas brachte durchaus Verständnis für das Sicherheits-Argument auf. Allerdings "schalten andere Gemeinden schon länger nachts die Laternen aus und es kam nicht zu mehr Überfällen". Auch Groß’ Hinweis, die Dunkelheit könne Schiltach erneut zum Ziel von Einbrechern machen – vor einigen Jahren hatte es dort eine Serie gegeben – wollte Haas nicht gelten lassen: "Die kamen damals ja trotz Beleuchtung." Michael Pflüger erkannte den Sicherheitsfaktor ebenfalls an. Aber: "Wenn im Dunkeln einer mit der Taschenlampe rumtappt, fällt der viel mehr auf", sah er Vorteile in der Abschaltung.

"Machen uns nicht nur Freunde"

Hans-Jörg Heinrich befürchtete, dass das Abschalten dazu führen könnte, dass sich die Bürger, in deren Straßen es nachts dunkel wird, ungleich behandelt fühlen könnten. "Wir machen uns mit dem Abschalten nicht nur Freunde", war sich auch Michael Götz bewusst. "Aber es geht bei der Lichtverschmutzung und beim Strom um den Umweltschutz und ums Klima." Es könnten nicht immer alle sagen: "Wir müssen was machen. Aber bitte nicht von unserer Haustür." Zumal die Lampen oft "die ganze Nacht umsonst brennen", war er überzeugt. Martin Schuler sprach sich "der Natur zuliebe" ebenfalls dafür aus, dass es nachts dunkel wird.

Michael Buzzi bezeichnete das Abschalten als "mutigen Schritt – den wir aber gehen sollten". Auch wenn eine "emotionale Gewöhnungsphase" erforderlich sei, wenn sich das Stadtbild nachts so verändere. Armin Zwick bekannte, dass er sich das Abschalten durchaus hätte vorstellen können. "In meinem Umfeld bin ich aber auf derart großen Widerstand gestoßen." Er enthielt sich denn auch bei der folgenden Abstimmung, bei der es darum ging, mit "Ja" dafür zu stimmen, dass das Licht nachts an bleibt. So gab es sechs Ja- und sechs Nein-Stimmen. Bei Stimmengleichheit, so will es die Gemeindeordnung, gilt ein Antrag als abgelehnt – ergo: Das Licht wird nachts ausgeschaltet.

Abstimmung umformuliert

Philipp Groß legte ein Veto ein: "Ein Antrag muss doch so gestellt sein, dass er eine Veränderung bringt. Es wird doch kein Antrag gestellt, damit alles so bleibt wie es ist." Haas hatte die Antragsformulierung damit begründet, dass das Anlassen der Lampen auf Dauer die teurere Variante sei – und deshalb über sie abgestimmt werden müsste. In der Folge dann aber stimmten die Räte erneut ab. Dieses Mal galt ein "Ja" fürs Abschalten. Wieder gab es Stimmengleichheit bei sechs Ja- und sechs Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung. Endergebnis: Der Antrag auf Abschalten wurde abgelehnt. Die Lampen bleiben nachts an – zumindest vorerst.