Pro und Contra SRA: In Schramberg sorgt die Idee eines eigenen Kennzeichens für Skepsis, Emotionen und klare politische Aussagen.
Wolfach (WOL) hat es schon lange, Nagold (NAG) ist auf dem besten Weg – und Schramberg (SHA) hätte es gerne? Heimatverbundenheit, gestanzt auf ein Stück Blech, und jeder Schramberger wird zum Markenbotschafter: Das ist die Idee hinter der Einführung eines Kfz-Kennzeichens für Schramberg. Zumindest wenn es nach der Stadtverwaltung geht. Am kommenden Donnerstag, 16. April, beschäftigt sich der Verwaltungsausschuss mit der Einführung eines eigenen Kfz-Kennzeichens. Wir haben uns im Vorfeld umgehört und dazu Stimmen und Einschätzungen eingesammelt.
Stimmen aus der Innenstadt
In der Fußgängerzone trifft das Vorhaben von OBin Dorothee Eisenlohr überwiegend auf Skepsis und Kopfschütteln.
SRA? Das klingt irgendwie komisch. Ein anderes Kürzel wäre vielleicht in Ordnung, aber das hier wirkt seltsam“, sagt beispielsweise Stefan Kimmich aus Schramberg.
Ein Ehepaar sieht das ähnlich: „Das wäre völliger Quatsch.“ Generell sei das Thema für sie auch nicht wichtig, und sie könnten nicht verstehen, warum das überhaupt diskutiert werde. Zumal das wieder mit hohen Kosten verbunden sei.
Auch andere Passanten äußern sich kritisch. „Ich verstehe nicht, warum man das überhaupt ändern muss“, sagt Aylin Demir. Andere beziehen sich darauf, dass der gesamte Kreis ja RW als Kennzeichen habe – warum solle das in Schramberg dann anders sein?
1000 Euro für Programmumstellung
Insgesamt überwiegt in dieser Momentaufnahme in der Innenstadt die Zurückhaltung. Die Mehrheit sieht im bisherigen Kennzeichen RW keinen Nachteil.
Für die Einführung des zusätzlichen Kürzels würde das Landratsamt Rottweil nach derzeitigem Stand knapp 1000 Euro für die Programmumstellung verlangen, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Die Erfahrung aus anderen Landkreisen hat jedoch gezeigt, dass es eine nicht unerhebliche Anzahl von Personen gab, die ohne Fahrzeugwechsel das neue Kennzeichen wollten. Das hat zu erheblichen Mehreinnahmen bei den Zulassungsstellen der Landratsämter geführt“, so die Verwaltung weiter. Diese Tatsache würde die Stadt als Argument anführen, dass der Landkreis der Stadt Schramberg für die Einführung keine Kosten in Rechnung stelle. „Eine entsprechende Anfrage beim Landratsamt wurde bereits veranlasst.“
Herbert O. Zinell
Als Amtschef des baden-württembergischen Innenministeriums war der frühere Oberbürgermeister von Schramberg bereits 2012 mit diesem Thema befasst. „Entgegen der Auffassung des federführenden Verkehrsministeriums haben wir uns als oberste Polizeibehörde des Landes damals aus polizeifachlichen Gründen gegen die Zulassung von Altkennzeichen früherer Landkreise – zum Beispiel WOL oder DS – ausgesprochen. Diese Meinung vertrete ich auch heute noch und spreche mich deshalb gegen die weitere Zulassung von Kfz-Kennzeichen aus.“
Illusion?
Kfz-Kennzeichen dienen dazu, bestimmte Vorgänge, wie beispielsweise die Verfolgung von Straftaten, einem Fahrzeug und damit auch bestimmten Personen zuzuordnen, so Zinell. Dies werde durch die Zulassung weiterer Kennzeichen erschwert, da die Verwechslungsgefahr beim Merken oder Niederschreiben von Buchstabenkombinationen zunehme. „Darauf hat der Deutsche Landkreistag zu Recht in einer Pressemitteilung vom 5. März hingewiesen. Er hält auch den mit dem Kennzeichen erhofften Wiedererkennungs- und Marketingwert mit zumindest diskutablen Gründen für eine Illusion.“
Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und die Mitglieder des Gemeinderats hätten nun in ihrer Zuständigkeit abzuwägen, ob sie eine mögliche Identifikationswirkung höher gewichten als die vorgetragenen Bedenken. Zinell betont, dass er sich als ehemaliger OB nicht in die Entscheidungsfindung einmischen möchte.
Hannes Steim
Klare Worte findet Hannes Steim zum SRA-Kennzeichen. Seine Familie ist Eigentümer der Autosammlung Steim. Er sagt: „In meinen Augen ist das ein absoluter Schwachsinn. Ich werde weiterhin trotz aller Verbundenheit zu Schramberg meine RW-Nummern behalten. Persönlich denke ich, dass wir größere Probleme in Schramberg zu bewältigen haben, als uns um solche Dinge zu kümmern.“
Udo Neudeck
Der Fraktionsvorsitzende der Freien/Neuen Liste formuliert es so: „Es geht hier ausschließlich um die Emotion. Strategisch bringt das gar nichts. Wenn das jetzt jeder macht, dann wird niemand mehr die Stadtkennzeichen zuordnen können – im Gegensatz zu den Landkreisen. Trotzdem, oder gerade deshalb, hat das Wegfallen von RW seinen Reiz. Ich persönlich kann mit beiden Kennzeichen leben. Wir haben sicher größere Probleme als ein eigenes Autokennzeichen. Trotzdem sollten wir es, wenn die Möglichkeit besteht, nicht verhindern“, so Udo Neudeck.
Thomas Brantner
„Ein eigenes Kennzeichen ist eine emotionale Geschichte. Es sollte für uns aber nicht die erste Priorität besitzen. Wir haben in der Stadt wirklich andere Baustellen“, sagt Thomas Brantner, Fraktionssprecher der CDU.
Tanja Witkwoski
„Ich stehe dem grundsätzlich positiv gegenüber. Es ist ja eine freiwillige Sache. Niemand muss, jeder kann aber das Kennzeichen SRA beantragen und damit den Namen Schramberg in die Welt tragen und bekannter machen.“ Und die Fraktionsvorsitzende SPD/Buntspecht weiter: „Wenn auf diesem Weg der Name Schramberg beim einen oder anderen hängen bleibt, kann die Stadt längerfristig vielleicht schon von einem eigenen Kennzeichen profitieren. Kritisch würde ich es allerdings sehen, wenn mit einem eigenen Kennzeichen eine Haltung im Sinne von ‚Schramberg zuerst‘ verknüpft wird. Das Thema ist für mich persönlich jetzt nicht hochemotional. Ich sehe es eher sachlich. Wir haben jetzt die Chance, das auszuprobieren. Wir vergeben uns dadurch nichts und haben bestenfalls einen Nutzen davon.“
Birgit Kronenbitter
Die Stadträtin der AfD hat diese Meinung: „Ein eigenes Kfz-Kennzeichen für Schramberg bedeutet mehr Identifikation mit der Stadt und ‚Heimatgefühl‘. Allerdings hätte man hier die Bürger der Stadt Schramberg in die Entscheidung miteinbeziehen können, wie dies beispielsweise in Baunatal oder Taunusstein gemacht wurde, ob dies gewünscht wird – denn sie sind diejenigen, die das Kennzeichen letztendlich nutzen werden“, so Kronenbitter.
Jürgen Reuter
Der Stadtrat der Aktiven Bürger stellt fest: „Es gibt wichtigere Themen als dieses Kennzeichen.“