Voll mit besorgten Bürgern: Die Festhalle beim Energiedialog über den geplanten Windpark Foto: Lück

Die Entschlossenheit ist da. Können die Mut-Bürger aus Seebronn, Wendelsheim, Hailfingen und Oberndorf den Kampf gegen den geplanten Windpark gewinnen? In der Festhalle beim Energie-Dialog haben sie gezeigt, wie entschlossen sie sind.

Rottenburg - Die Festhalle ist voll besetzt. Moderator Jakob Lenz lässt die Besucher die Hände heben, woher sie kommen. Lenz’ Fazit: "Der größte Teil kommt aus Seebronn, Wendelsheim, Hailfingen und Oberndorf."

Dazu passt auch, dass in der Vorstellungsrunde der Info-Stände in der Festhalle bei Morgane Casagrande, Sprecherin der Pro-Windkraft Initiative, "Rückenwind" in der Bauchbinde im Livestream "Gegenwind" (Bürgerinitiative gegen Windkraft) eingeblendet wurde.

Betroffene Bürger äußern ihre Meinung klar

Gegenwind – den gibt es die ganze Zeit für die Stadtspitze, Stadtwerke, Planer. Pointiert, polemisch, deutlich, aber nie verletzend. Brigitte Bauer aus Seebronn: "Wir sind im 270 Grad-Winkel von Autobahn und der Bundesstraße umgeben. Als einziges Naherholungsgebiet gibt es noch den Wald. Wenn der durch die Windkraft beschädigt wird – was macht das mit den Menschen?"

Rottenburgs Baubürgermeister Thomas Weigel: "Ein Windpark gehört zu den Infrastrukturprojekten. Da gibt es immer Betroffenheiten. Die können in der Abwägung auch berücksichtigt werden."

Susanne Heesch aus Oberndorf: "Sie suggerieren, Windkraft bekommt man für einen Appel und ein Ei. Wer zahlt das? Wir Bürger über unsere Steuern!" Eine Frau von der Bürgerinitiative Gegenwind sagt: "Ein Hektar Wald spart 1,2 Tonnen CO pro Jahr. Und für die Windkraft werden Bäume gerodet."

Planerin des Windkraftentwicklers gießt Öl in die Debatte

Susanne Alte, Planerin des Windkraftentwicklers Altus, gießt Öl in die Debatte. Sagt: "Wir hätten da auch 14 bis 15 Windkraftanlagen reinstellen können. Aber wir haben lediglich acht genommen, weil das auskömmlich ist." Empörung in der Festhalle. Alte: "Wenn wir die Anlagen nicht auf eine Fläche konzentrieren, sondern überall zwei rumstehen, gefällt es auch keinem. Dann heißt es Verspargelung."

Rottenburgs Baubürgermeister Thomas Weigel hatte erklärt, warum man den Wald zwischen den vier Ortsteilen ausgesucht hatte. Altus hatte diese Potenzialfläche vorgeschlagen. Weigel: "Im Rammert geht es nicht. Hier sind viele Schutzgebiet, die Windkraft dort unmöglich machen."

Ein Bürger: "Warum reißt man die Bäume im Rammert nicht raus und verpflanzt sie zu uns? Dann haben die Rottenburger den Windpark, den sie immer wollten." Polemik. Klar. Ohne Verletzung. Aber im Saal gibt es große Zustimmung.

Gerichtsurteil des Verwaltungsgerichts Tübingen wird zitiert

Thomas Hartmann aus Oberndorf – er wurde für sein Sonnenzentrum vom damaligen BUND-Landesgeschäftsführer ausgezeichnet – sagt: "Wir sitzen in der ersten Reihe. Alle acht Windräder werde ich sehen. Wie ist es mit der Verschattung? Das ist nicht kirre werde, wenn das Abendrot von den Rotoren zerschnitten wird?" Der Altus-Kollege von Planerin Alte: "Kommen Sie mit auf den Stand. Auf der Karte können wir uns das anschauen." Laut Planerin Alte seien die Standorte der Windräder erst einmal rein planerisch. Das könne sich später noch verändern.

Edmund Siess, Sprecher der Bürgerinitiative Gegenwind, zitiert ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 2016 des Verwaltungsgerichts Tübingen. Im Verfahren ging es darum, dass ein Nellingsheimer, sechs Kilometer von Seebronn entfernt, ein Windrad bauen wollte. Das wurde abgelehnt – zu wenig Wind. Siess: "Wenn sich die Anlage in Nellingsheim nicht lohnt, warum dann bei uns? Laut dem Windatlas ist unsere Fläche an der Grenze zur wirtschaftlichen Windhöffigkeit."

Rolf Pfeifer von der Endura-Kommunalberatung: "Warten Sie auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung des Betreibers."

Mit Windkraft lässt sich viel Geld verdienen

Eines ist klar: Mit der Windkraft kann viel Geld verdient werden. Pfeifer: "Der Strom wird immer wertvoller. Allein aus Verpachtung und der EEG-Umlage sind bis zu 200.000 Euro für die Kommune pro Anlage möglich. Ohne den Betrieb." Er schlägt vor, dass die Stadtwerke und das Rathaus der Betreiber einen Teil der Einnahmen an die betroffenen Ortschaften für einen "Sonderfonds" für Kitas oder Ähnliches ausschütten.

Die Info-Veranstaltung. Aus den Fragen und Statements der Bürger wird deutlich: Da ist richtig Gegenwind im Saal. Die Infos zu Infraschall, möglicher Bodentrockenheit, wirtschaftlichem Potenzial – sachlich. Zwei Welten prallen aufeinander.

OB Stephan Neher hat Skeptiker erwartet

Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher schaut aus der ersten Reihe die ganze Zeit nach hinten. Dann zieht er Bilanz: "Wir haben schon erwartet, das bei der Info-Veranstaltung sich die Skeptiker melden."

In seinem Schlusswort dann die heißeste Info: Die Ortschaftsräte haben ein Veto-Recht gegen die Windpark-Ansiedlung. Jeder Ortschaftsrat für seine Gemarkung. Laut Neher eine Sondervereinbarung im Rahmen der Eingemeindung. Der OB: "Am 30. Juni wird es einen gemeinsame Sitzung des Gemeinderats und der Ortschaftsräte geben. Dieses Meinungsbild sehe ich schon als entscheidend für den weiteren Fortgang."