Zwei Herrnhuter Sterne, die in Königsfeld im Zuge des neuen Einzelhandelskonzepts das ganze Jahr über den historischen Ortskern schmücken – das kommt längst nicht bei jedem gut an. Die Debatte läuft: Wird hier ein religiöses Symbol als Werbemittel missbraucht?
Herrnhuter Sterne schmücken normalerweise nur in der Advents- und Weihnachtszeit den Königsfelder Ortskern. Doch zwei Exemplare halten auch im Juli noch die Stellung. Nun ist dies keineswegs ein Versehen – sie sollen künftig das ganze Jahr über hier hängen. Das freut nicht jeden in Königsfeld.
Das ist der Hintergrund
Die Sterne sind Teil einer Reihe von Maßnahmen, die den Einzelhandelsstandort Königsfeld stärken sollen. Dem neuen Konzept mit dem Slogan „Unter einem guten Stern – einkaufen in Königsfeld“ stimmte der Gemeinderat im Juni 2022 zu – auch wenn es in der damaligen Sitzung bereits Kritik an der Verwendung der Herrnhuter Sterne gab. Seit etwa einem halben Jahr hängen sie nun. Jetzt formiert sich Widerstand.
So lautet die Kritik
„Rettet den Stern“ – unter diesen Titel haben Renate und Dietrich Siebörger sowie Hans-Beat Motel ihren offenen Brief an Bürgermeister Fritz Link gestellt. Sie sammeln Unterschriften gegen die Verwendung des Sterns in einer Kampagne zur Stärkung des Einzelhandels und außerhalb der Adventszeit. „Der Herrnhuter Stern ist ein Symbol für Weihnachten und die Adventszeit“, schreiben sie. Und finden: Dabei sollte es auch bleiben.
„Unter keinem guten Stern“ stand daher ihrer Meinung nach die Entscheidung, „den Stern das ganze Jahr über für Werbezwecke einzusetzen“. Renate Siebörger, Dietrich Siebörger und Hans-Beat Motel kritisieren, dass keine Absprache mit der Brüdergemeine stattfand. „Es mag sein, dass das Einverständnis der Herrnhuter Sternemanufaktur vorlag, aber sie ist ein Wirtschaftsunternehmen, das am Verkauf der Sterne Interesse hat.“
Renate und Dietrich Siebörger sowie Hans-Beat Motel befürchten auch, dass Königsfeld so ein adventlicher Anziehungspunkt flöten geht. Sie sehen das Alleinstellungsmerkmal der Weihnachtsbeleuchtung „entwertet“.
„Viele Königsfelder ärgern sich täglich über so eine Entwertung christlicher Symbole“, heißt es in dem Schreiben an Bürgermeister Link. „Je länger man diesen Stern alltäglich ansieht, desto stärker werden die Entwertung und der Missbrauch deutlich.“ So begründen sie auch, wieso sich der Protest gegen den Stern erst jetzt, nach einem halben Jahr, formiert.
Das sagt die Pfarrerin
Auch die evangelische Gesamtgemeinde habe ihre Schwierigkeiten mit der Nutzung des Sterns, sagt Pfarrerin Gabriele von Dressler. „Verwundert“ sei man vor allem über Banner gewesen, die im Zuge der Kampagne erstellt wurden und auf denen ein Bild des Herrnhuter Sterns zusammen mit dem Slogan zu sehen ist. Für solche kommerziellen Zwecke, findet von Dressler, sollte der Stern nicht zweckentfremdet werden.
Als Kirchengemeinde hätte man sich gewünscht, stärker in die Entscheidung einbezogen zu werden, sagt von Dressler. Natürlich sei das Thema öffentlich verhandelt worden, räumt sie ein. „Aber es wäre schön gewesen, wenn man auf uns zugekommen wäre.“
Das sagt der Bürgermeister
„Etwas befremdet“ ist Bürgermeister Link ob der Diskussion, wie er sagt. Das Thema sei öffentlich ausgiebig diskutiert worden – damals habe es keinen Protest gegeben. Nun schon. „Grundsätzlich ist das natürlich legitim“, meint Link weiter. Dennoch sehe er aktuell keinen Grund, die Sterne abzuhängen.
Immerhin habe man die Sterne, die für Auswärtige nachvollziehbarer machen sollen, wo sich der Königsfelder Ortskern befindet, nicht umsonst für diesen Zweck gewählt. Sie seien „ein Zeichen der Identifikation mit den Wurzeln Königsfelds als Siedlung der Herrnhuter Brüdergemeine“. Link sieht kein Problem damit, so auf den örtlichen Einzelhandel aufmerksam zu machen. Aber: „Es tut uns natürlich leid, wenn wird religiöse Gefühle verletzt haben.“
Das sagt der Gewerbeverein
Klaus Vollprecht, Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins Königsfeld, zeigt sich nicht über die Kritik als solche überrascht, wohl aber über den Zeitpunkt: „Das Thema wurde im Gemeinderat besprochen, und die Sterne hängen schon seit einem halben Jahr“, merkt er auf Anfrage an.
Nachvollziehen kann er die Kritik nur bedingt: „Um den Stern als Werbemittel einzusetzen, sind wesentlich mehr Sterne erforderlich (am besten noch in Neongrün oder -rot), die dann im ganzen Ort aufgehängt werden, was nicht der Fall ist.“ Auch er betont, dass die beiden Sterne auf die Gründung Königsfeld durch die Bürgergemeine verweisen. „Für mich persönlich ist der Herrnhuter Stern weniger ein religiöses denn ein Weihnachtssymbol, und die Botschaft gilt das ganze Jahr über.“