Bleiben die Säcke oder kommt die Tonne? Foto: ©igradesign_AdobeStock.com

Bei Sturm fliegen Gelbe Säcke gerne mal durch die Straßen, das Hantieren beim Öffnen ist vielen lästig. Trotzdem: Bisingen, Hechingen und Rangendingen sind mit dem System zufrieden. Ein Umstieg auf die Gelbe Tonne könnte trotzdem kommen – jedoch nicht vor 2024.

Hechingen/Bisingen/Rangendingen - Vor gut 30 Jahren wurde der Gelbe Sack eingeführt – mit Inkrafttreten der Verpackungsverordnung im Jahr 1991. Das bedeutete für Hersteller und Vertreiber von Verkaufsverpackungen: Sie wurden verpflichtet, diese zu sammeln und einer Verwertung zuzuführen.

Hätten Bürger in Hechingen, Bisingen und Rangendingen lieber eine Gelbe Tonne?

Michael Breimesser, Hauptamtsleiter in Bisingen, erklärt: "Bei uns ging noch kein Wunsch nach einer Tonne ein. Beides hat Vorteile, Gelber Sack und Gelbe Tonne." "Bei uns ist das Thema noch nie aufgeploppt", sagt Hechingens Sprecher Thomas Jauch unserer Redaktion. "Dass irgendwer nach einer Tonne gefragt hat, ist mir nicht bekannt." Lisa Kleindienst von der Gemeinde Rangendingen berichtet ebenfalls: "Die meisten holen bei uns die Gelben Säcke ab." Auch im Landratsamt gehen eher selten Anfragen oder Beschwerden zu diesem Thema ein. "Diese erfolgen eher punktuell, beispielsweise nach Sturmereignissen mit Sackverwehungen oder bei Zuzug aus Regionen, in denen Gelbe Tonnen eingesetzt werden", sagt Anja Heinz vom Landratsamt unserer Zeitung.

Wer sammelt die Gelben Säcke ein?

Zuständig sind die Dualen Systeme, Rücknahmesysteme also. Wer in Deutschland eine Verpackung auf den Markt bringt – Hersteller, Händler, Importeure oder ausländische Exporteure –, muss dafür eine Lizenzgebühr zahlen.

Wofür ist der Landkreis zuständig?

Der Landkreis als öffentlich-rechtlicher Entsorger ist für "Nichtverpackungskunststoffe" zuständig. Einfacher ausgedrückt: beispielsweise für Spielzeug oder Haushaltswaren. Der Landkreis organisiert Sammlung, Sortierung und Verwertung. Anders sieht es bei Verpackungen aus: Hier sind die Dualen Systemen zuständig.

Wie läuft die Zusammenarbeit?

Die öffentlich-rechtlichen Entsorger und die Dualen Systemen einigen sich laut Heinz auf eine Abstimmungsvereinbarung. Darin steht auch, welches Sammelsystem zum Einsatz kommt. Die Dualen Systeme beauftragen den jeweiligen Entsorgungsunternehmer.

Warum gibt es in Bisingen, Hechingen und Rangendingen den Gelben Sack und nicht die Gelbe Tonne?

Zuständig ist der Kreis. Die aktuelle Abstimmungsvereinbarung gilt seit 2020. Entschieden wurde: Der Gelbe Sack bleibt mindestens bis Ende 2023. Diskutiert wurde aber auch über die Gelbe Tonne – möglich, dass sie in wenigen Jahren eingeführt werden wird. Heinz merkt allerdings an: "Die Systemfestlegung gilt einheitlich für den gesamten Landkreis." Städte und Gemeinden können sich nicht selbst aussuchen, ob sie ihren Einwohnern die Wahl zwischen Tonne und Sack lassen. Und: "Eine Änderung des Systems von Gelbem Sack auf eine Gelbe Tonne könnte daher nicht vom Landkreis einseitig verlangt werden, sondern bedarf der Zustimmung der Dualen Systeme."

Wie viel Verpackungsmüll entsteht pro Jahr?

Bei den privaten Endverbrauchern wurden 2019 bundesweit pro Kopf 72 Kilogramm (Baden-Württemberg: 73) Verpackungsmüll eingesammelt. Er landet vorwiegend in der Gelben Tonne, in Glas- oder Papiercontainern. Insgesamt wurden laut Statistischem Bundesamt 5,9 Millionen Tonnen eingesammelt.

Wie sauber muss Verpackungsmüll sein, der im Gelben Sack landet?

Ab- oder Ausspülen ist nicht notwendig. Beim Puddingbecher reicht es, wenn er löffelrein ist.