Der Großteil der Rottweiler Eltern spricht sich für eine Rückkehr zu G9 aus. Foto: Armin Weigel/dpa

Gymnasium in acht Jahren oder in neun? Viele Eltern müssen da nicht lange überlegen.

Die Landesregierung ist für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) in Baden-Württemberg offen. Innerhalb der Koalition habe man sich darauf geeinigt, diese Frage in einem Bürgerforum beraten zu lassen - mit offenem Ergebnis, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann mitgeteilt hatte.

 

Diskussionen zur Einführung gibt es von Anfang an. Am Droste-Hülshoff-Gymnasium (DHG) wurde bereits 2012 die Rückkehr zum G9 thematisiert, vor allem von der Lehrerseite, wie der damalige Schulleiter Paul Bauer berichtete.

Er meinte damals schon, dass gerade die ersten Jahrgänge des G8 ordentlich „gebeutelt“ worden seien. Allerdings gebe es die Möglichkeit zum Abitur in neun Jahren durch den Übergang auf ein berufliches Gymnasium ja ohnehin, hatte er eingewandt.

An einem Modellversuch zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums war man in Rottweil damals nicht interessiert.

Mehr Sitzenbleiber, mehr Stress, mehr Druck

Heute sieht das aber anders aus, meint Anne-Sophie Müller, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Rottweil. „Der Großteil der Eltern ist dafür“, sagt sie. In einer Arbeitsgemeinschaft hätten sich 89 Prozent der Eltern von Kindern, die derzeit ein Gymnasium besuchen, für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen. „Sicherlich gibt es auch einen kleinen Teil an Schülern und Eltern, die mit G8 super klar kommen und dabei auch gerne bleiben wollen“, so die Vorsitzende. „Aber prozentual gibt es mehr Klassenwiederholungen seit der Einführung von G8, die Schüler sind gestresster und fühlen sich stärker unter Druck gesetzt.“ Das ursprüngliche Ziel – dass Schüler ein Jahr früher ins Berufsleben einsteigen sollen – verfehlt.

Außerdem versprechen sich die Eltern von der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium auch, dass ihre Kinder wieder mehr Zeit für Kunst, Musik und Sport haben.

Lage sei derzeit bereits angespannt

Ein Problem sieht Müller allerdings auch, und zwar in der Umsetzung: „Das Hauptproblem wäre vermutlich der Lehrermangel“, vermutet sie. Und auch an Platz fehle es. „Es gibt wahrscheinlich auch nicht genug Räumlichkeiten.“ Andererseits hätten andere Bundesländer die Umstellung schließlich auch irgendwie bewerkstelligt, wirft sie ein. Einen Kompromiss zu finden, hält Müller für schwierig. „Dass man sich zum Beispiel für G8 oder G9 entscheiden kann, das wird vermutlich nicht gehen.“ Die Lage sei derzeit sowieso schon schwierig, wenn sich die Schüler zwischen G8 und G9 entscheiden könnten, bräuchte es vermutlich noch einmal deutlich mehr Lehrkräfte, schätzt die Vorsitzende.

Im vergangenen Schuljahr stand die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium nicht auf der Tagesordnung des Gesamtelternbeirats, es ging hauptsächlich um das Thema Digitalisierung, berichtet Müller.

Im neuen Schuljahr soll sich das aber wieder ändern. Gleich in der ersten Sitzung des Gesamtelternbeirats Rottweil soll es um die Rückkehr zu G9 gehen.