Der Bau der Fridolinschul-Sporthalle als Effizienzgebäude 40 – gemäß den Lörracher Energiestandards – hat die Baukosten laut Verwaltung um rund 37 000 Euro erhöht. Im Gegenzug würden aber in jedem Jahr mehr als 14 000 Euro Energiekosten gespart. Foto: Bernhard Konrad

Im Lörracher Klimabeirat wurde kontrovers über Vor-und Nachteile hoher Energiestandards diskutiert – insbesondere mit Blick auf die Kosten.

Im Jahr 2021 hat der Gemeinderat für Lörrach Energiestandards beschlossen, die damals strenger waren als gesetzlich vorgeschrieben: Wer von der Stadt ein Grundstück kauft, muss dort Gebäude als Effizienzhaus 55 errichten, eine Solarstromanlage installieren und die Heizung, je nach Technologie, mit 15 bis 50 Prozent erneuerbaren Energien betreiben. Dies betrifft vor allem Wohnhäuser. Bei städtischen Gebäuden muss der Energieverbrauch so niedrig sein wie bei einem Effizienzhaus 40, insbesondere muss der Anteil an „Erneuerbaren“ beim Heizen schon heute bei 75 Prozent liegen. Dies vor dem Hintergrund, dass ab 2045 hundert Prozent Erneuerbare gesetzlich vorgeschrieben sind.

 

Auch gesetzliche Vorgaben werden strenger

Im April stellten die Gemeinderatsfraktionen Freie Wähler und SPD den Antrag, dass die Stadt ihre Energiestandards den gesetzlichen Vorschriften anpasst und nur in Ausnahmefällen strengere Anforderungen stellt. Die Begründung: Die hohen Energiestandards der Stadt verteuerten das Bauen und hemmten daher die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie die Sanierung von Schulen und städtischen Gebäuden. Im Übrigen stellten mittlerweile auch die Gesetze hohe Anforderungen an Energieeffizienz, CO2-Redukution und Klimaschutz.

Tatsächlich sind die gesetzlichen Vorschriften für Wohnhäuser inzwischen genauso streng wie die Energiestandards der Stadt Lörrach: Das Gebäude-Energiegesetz schreibt seit 2024 für Neubauten ein Effizienzhaus 55 vor, in Baden-Württemberg gilt seit 2022 eine Solarpflicht. Daher schlägt die Stadtverwaltung den Gremien und dem Gemeinderat vor: Für Gebäude, die auf von der Stadt gekauften Grundstücken errichtet werden, sollen in Zukunft die gesetzlichen Vorschriften gelten. Dem stimmte der Klimabeirat geschlossen zu.

Die Stadtverwaltung empfiehlt den Gremien außerdem, die Energiestandards für die städtischen Gebäude vorerst zu belassen. Die Begründung: Aktuell sind die EU-Gebäuderichtlinie und weitere Gesetze in Bearbeitung. Im Sommer 2026 soll dies abgeschlossen sein. Dem stimmte der Klimabeirat mehrheitlich zu.

Vor der Abstimmung diskutierte der Klimabeirat über die Frage, ob hohe Energiestandards tatsächlich die Bautätigkeit hemmen oder ob sie für den Klimaschutz notwendig und auch wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die Stadt will im Jahr 2040 energieneutral sein. Die hohen Energiestandards seien nötig, um dieses Ziel zu erreichen, warb Energieberater der Stadt Jörg Bienhüls. Bernhard Escher (CDU), Matthias Lindemer (FW) kritisierten die hohen Energiestandards der Stadt. Ziel des Antrags sei gewesen, die Vorschriften „für Häuslebauer“ auf ein „Mindestmaß“ zu reduzieren, sagte Thomas Böhringer (SPD).

Wie viel kostet und wie viel spart energetisches Bauen?

Hohe Energiestandards seien unter Umständen sogar wirtschaftlich sinnvoll, widersprach Thomas Hengelage (Grüne). Bienhüls rechnete dies am Beispiel der neuen Fridolin-Sporthalle vor: Die Sporthalle wurde mit der Schulsanierung für rund 4,4 Millionen Euro gemäß der Lörracher Energiestandards als 40 Effizienzgebäude 40 errichtet. Nach einer Berechnung von 2022 habe das die Baukosten um rund 37 000 Euro erhöht gegenüber einem Bau nach gesetzlichen Standards, erklärte Bienhüls. Im Gegenzug werde man aber im Jahr mehr als 14 000 Euro Energiekosten sparen.