Im Gemeinderat wurde emotional über Kosten, Symbolkraft und Zukunftsoptimismus diskutiert.
Bereits für das Stadtfest 2023 musste die Stadt rund 110.000 Euro zuschießen. Wegen steigender Kosten rechnet die Verwaltung für 2027 inzwischen sogar mit einem Zuschussbedarf von etwa 125.000 Euro. Für die aktuelle Haushaltslage sei das zu viel – darin war sich der Gemeinderat weitgehend einig.
Die eigentliche Diskussion begann bei der Frage, ob man sich trotzdem schon jetzt auf ein Stadtfest 2028 festlegen solle. Die CDU-Fraktion sagte klar Ja – und stellte den entsprechenden Antrag.
Das Ergebnis: 2028 wird es in Schramberg wieder ein Stadtfest geben. Mit 17 Ja-Stimmen, neun Gegenstimmen sowie zwei Enthaltungen von Mirko Witkowski und Birgit Kronenbitter beschloss der Gemeinderat, übernächstes Jahr erneut zu feiern.
Selbstbewusstsein
Für Stadtrat Clemens Maurer (CDU) war die Debatte darüber eigentlich unnötig. „Es liegt ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderats zur regelmäßigen Durchführung eines Stadtfests vor“, sagte er. „So viel Selbstbewusstsein sollten wir haben, dass wir jetzt festlegen, 2028 ein Stadtfest durchzuführen.“
Auch seine Fraktionskollegin Sabine Haas sprach sich deutlich dafür aus. Ein Stadtfest habe „Symbolcharakter“. „Selbst Lauterbach bekommt so ein Fest hin – und dort sieht es finanziell viel schlechter aus als bei uns.“ Wenn aus Kostengründen aufs Stadtfest verzichtet werde, könne es irgendwann auch heißen, man könne sich die Fasnet nicht mehr leisten.
Kosten aufgeschlüsselt
Thomas Brantner (CDU) verwies darauf, dass mehr als ein Drittel der Kosten auf den städtischen Bauhof entfalle. „Die errechneten 125.000 Euro hätte ich gerne noch mal aufgeschlüsselt“, sagte er in Richtung Verwaltung. Er regte an, künftig beispielsweise auf eine Bühne zu verzichten. Und weiter: „Wenn wir nicht daran glauben, dass wir uns 2028 ein Stadtfest leisten können – an was glaubt man dann überhaupt noch?“
Den Blick auf die Vereine richtete Stadtrat Ralf Rückert (Freie/Neue Liste). Diese hätten schon in der Vergangenheit über hohe Kosten geklagt. Stichwort Sicherheitskonzept. „Was kommt da noch auf sie zu?“ Die Vereine müssten frühzeitig eingebunden werden. Erst im zweiten Quartal 2027 über die Durchführung zu entscheiden – wie von der Verwaltung vorgeschlagen – sei „viel zu spät“. Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann hielt es deshalb für sinnvoll, den genauen Termin frühzeitig festzulegen.
„Auf Sicht fahren“
Tanja Witkowski (SPD/Buntspecht) plädierte dafür, das Thema erst im kommenden Jahr erneut zu beraten. „Wir sollten erst mal abwarten, wie sich alles entwickelt.“ Außerdem sagte sie: „Ich ärgere mich doppelt und dreifach, dass wir das 1-Euro-Ticket nicht hinbekommen, aber Geld für ein Stadtfest ausgeben sollen.“
Auch Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sprach sich dafür aus, beim Stadtfest „auf Sicht zu fahren“. Das quittierte Thomas Brantner scharfzüngig: „Es freut mich, dass unsere Oberbürgermeisterin nicht an Schramberg glaubt.“ Wolle man was erreichen, brauche es eine längere Vorlaufzeit.
Eisenlohr entgegnete, es gebe viele Möglichkeiten, die Stadt zu erleben – nicht nur bei einem Stadtfest. „Ich halte dies für Symbolpolitik.“ Darauf reagierte Clemens Maurer prompt: „Dagegen verwahre ich mich. Es geht um den Grundsatz.“
Positiv bleiben
Stefan Grimm (Freie/Neue Liste) formulierte es deutlich emotionaler: „Wir müssen den Menschen auch wieder mal was zum Lachen bieten, deshalb sollte 2028 auf jeden Fall ein Stadtfest stattfinden.“
„Wir können nicht in die Zukunft blicken, aber trotzdem positiv bleiben“, meinte Jürgen Winter (CDU). Außerdem stehe 2029 in Tennenbronn die 850-Jahr-Feier an. „Zwei große Feste in einem Jahr halte ich für schwierig.“ Deshalb sprach auch er sich für 2028 aus.
Falsche Erwartungen?
Für Mirko Witkowski (SPD/Buntspecht) ging es dagegen darum, keine falschen Erwartungen zu wecken, „die wir am Schluss nicht erfüllen können“.
Zum Ende der Debatte versuchte Stadtrat Guido Neudeck nach eigenen Worten, die „Wogen zu glätten“. „Ein Stadtfest würde uns guttun“, sagte er. „Aber wie stark verpflichten wir uns, wenn wir uns heute festlegen? Und was, wenn die wirtschaftliche Lage noch schlechter wird? Vielleicht sollten wir es uns fest vornehmen, aber noch eine Hintertür offenlassen.“
Nachdem die Entscheidung für 2028 gefallen war, appellierte Ralf Rückert noch an die Verwaltung: „Gehen Sie rechtzeitig auf die Vereine zu.“