Mit DAZN hat sich ein weiterer Anbieter in der ersten Liga der Fußballübertragungen etabliert. Der Streamingdienst erhöht die Preise, was den Finanzdruck der Branche verdeutlicht und zeigt, dass Spitzenfußball für den Fan immer mehr zum Luxusartikel wird.
Stuttgart - Fußballkommentatoren in adretten Anzügen oder Sofaecken in grellen Fernsehstudios sind ihnen ein Graus – lieber setzen die Macher aus der neuen Streamingwelt des Profifußballs auf nüchterne Spielanalysen via digitaler Taktiktafel – oder auf Statistiken aus der Online-Datenbank. Seit dieser Saison immer freitags und sonntags bei sämtlichen Partien der Bundesliga als exklusiver Liveberichterstatter am Ball, hat der Sportsender DAZN eigene Maßstäbe gesetzt. Und dies nicht nur mit seiner schnörkellosen, faktenorientierten Attitüde.
Auch wenn allein der Name des auf jung getrimmten Senders den Fans einiges Kopfzerbrechen bereitet (sprich: „da soun“, steht für: „in der Zone sein“ – „konzentriert und komplett fokussiert sein“), so ist längst klar: DAZN hat es in Deutschland in Sachen Liveerlebnis Fußball in einem beeindruckenden Tempo ins Rampenlicht geschafft.
Im Jahr 2016 war man noch aus einer Außenseiterposition, quasi als Geheimtipp für Sportnerds, gestartet. „Wir sind angetreten, um den Sport zu demokratisieren und im Internet allen verfügbar zu machen“, sagte der Marketingchef Benjamin Reininger über die Anfangsjahre.
Kaum noch Spitzenfußball im Free-TV
Inzwischen hat man der Konkurrenz längst Beine gemacht. Der Rivale Sky ist in der Bundesliga auf den Samstag zurückgedrängt worden. In der Champions League ist er komplett raus, genauso wie bereits seit 2018 die Öffentlich-Rechtlichen, denen – dem Rundfunk-Staatsvertrag sei Dank – in der Königsklasse immerhin noch das Endspiel geblieben ist.
Mit Beginn des Februars muss nun allerdings die Fußballgemeinde im Land, egal ob alter Bundesliga-Haudegen oder online-affiner Sportfreak, einen weiteren, herben Rückschlag verkraften: Denn die sukzessive Preissteigerung bei DAZN, das einmal mit einem Monatsabonnement für 9,99 Euro gestartet war, sie geht weiter: 29,99 Euro – dies entspricht dem Preis des Konkurrenten Sky – müssen Neukunden nun seit diesem Monat bezahlen. Stammkunden überweisen vorerst weiter 14,99 Euro. Wie es aber nach dem 31. Juli für sie weitergeht, ist offen. Beibehalten werden soll die monatliche Kündigungsfrist.
Während DAZN auf die diversen Zusatzangebote wie American Football, Darts, Boxen, Auslandsfußball sowie über die Partnerschaft mit Eurosport auch auf die Rechte am Tennis und an der Tour de France verweist, steht auf der anderen Seite fest: Livespiele im Fußball haben sich in Deutschland noch einmal wesentlich verteuert. Also steht die Frage im Raum: Wann wird die Branche die Preisspirale überdrehen?
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Schließlich wird dem Fan immer mehr zugemutet: Wer auch künftig sämtliche Spiele der Bundesligisten auf nationalem wie internationalem Parkett per TV-Sender oder Streamingdienst sehen will, der benötigt die vier Abonnements von Sky, DAZN, Amazon Prime Video (zeigt 16 Champions-League-Partien mit deutscher Beteiligung) und RTL+ (zeigt ausgewählte Spiele der Europa League). Diese kosten auf dem klassischen Weg im rabattierten Jahresabo zusammen 703,75 Euro, was Monatskosten von 58,65 Euro entspricht.
Gastwirte bezahlen deutlich mehr. Allerdings sind Kneipiers oder Betreiber von Sportsbars DAZN und Co. im Zuge ihrer Unternehmensstrategie schon länger ein Dorn im Auge. Schließlich müssen zur Refinanzierung der teuren Übertragungsrechte zig Millionen an privaten Abos verkauft werden. Gemeinsames Fußballgucken an nur einem Bildschirm stört da nur.
Viele Konkurrenten drängeln sich
So hat sich der Finanzdruck zuletzt kontinuierlich erhöht auf eine Branche, die sich in den vergangenen Jahren einen riesigen Verdrängungswettbewerb geliefert hat: Mehrere Milliarden Euro soll allein DAZN, das keine Kundenzahlen veröffentlicht, über die Jahre in Senderechte im weltweiten Fußball investiert haben. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz ist man auch in Italien, Kanada, Japan, Brasilien und in den USA aktiv. Zwar gehört DAZN über eine Londoner Beteiligungsfirma dem russischen Milliardär Leonard Blavatnik, der mit Öl- und Aluminiumfirmen reich wurde und der laut „Forbes“ über ein Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar verfügt, dennoch soll sich das DAZN-Investment am Ende auch auszahlen.
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Dabei läuft es im deutschen Profifußball aus Sicht der Sender alles andere als rund: In der Bundesliga hält sich die Spannung im Titelrennen mal wieder in Grenzen, zudem fehlen dem Oberhaus viele Traditionsclubs wie der FC Schalke 04, der Hamburger SV oder Werder Bremen, deren Fans zur Kernzielgruppe gehören. Leere Stadien und die Tatsache, dass nur der FC Bayern die deutsche Fahne in der Champions League hochhält, sind dabei weitere Stimmungskiller.