Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Davon träumen viele Villingerin fängt noch einmal ganz neu an

Von
Eine Wohnung war schnell gefunden. (Symbolfoto) Foto: moodboard – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Kristina Ziegler ist dann mal weg. Nochmal ganz neu anfangen - trotz Beruf, Selbstständigkeit und Kindern. Wovon viele nicht zu träumen wagen, die Villingerin hat es einfach gemacht.

Aus allen Zwängen fliehen – Udo Jürgens haucht es in seinem Evergreen "Ich war noch niemals in New York" so vorsichtig schnulzig ins Mikrofon, dass klar ist: Das ist einer dieser verbotenen Wünsche, der höchstens im Schlager wahr werden und ansonsten fromme Wünsche bleiben. Erst recht mit tausendundeiner Verpflichtung im Nacken, zwei schulpflichtigen Kindern, Selbstständigkeit und unzähligen sonstigen Fußfesseln. Einfach aus allen Zwängen fliehen – nein, für Mütter ist das in der Regel nicht drin.

Für Kristina Ziegler schon. An diesem Tag steht sie in ihrer Villinger Altbauwohnung zwischen gepackten Kisten. Der Tag, an dem später der Umzugswagen anrollen und ihr Hab und Gut in die Schweiz bringen wird. Der Tag also, an dem es vorerst kein Zurück geben würde.

Die 37-Jährige flitzt mit dem Permanentmarker zu einem Karton, um ihn zu beschriften. "Sonst finde ich ja nachher nichts wieder", sagt sie, setzt sich dann aber ein wenig erschöpft auf die Bank am Küchentisch – eines der wenigen Möbelstücke, die hier noch in ihrer ganzen Pracht stehen.

Ein bisschen Wehmut erfasst sie schon. "Es ist ja keine Entscheidung gegen Villingen – für mich passt es einfach nicht mehr", sagt sie nachdenklich. Und dann erzählt sie, wie sie die Kehrtwende in ihrem Leben eingeläutet hat. Alles auf Anfang.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr weiterkomme."

"Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mehr weiterkomme", schildert sie. Die 37-Jährige ist gelernte Krankenschwester, hatte am Schwarzwald-Baar-Klinikum vor vielen Jahren ihre Ausbildung absolviert und zwar zuletzt in der Tagespflege als Krankenschwester tätig. Seit zehn Jahren war sie zudem selbstständig – als Zumba- und Fitnesstrainerin, als Kosmetik-Vertreterin und Brautstylistin und als Thermomix-Beraterin. Eine weitere Facette: Kristina Ziegler ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, elf und 15 Jahre alt.

Wer ihr auf Instagram oder Facebook folgt, sah dort eine Frau, die vor Energie nur so sprühte – aber auch eine Kristina Ziegler, die offen mit traurigen Tagen oder Tiefs umging. Ungeschminkt.

Genauso offen erzählt sie nun, wie ihr die Corona-Zeit den letzten Schubs verpasste. Viele ihrer Tätigkeiten lagen während des Lockdowns im Frühjahr auf Eis. Während bei ihren Online-Tanztrainings für Kinder anfangs viele hundert bewegungsfreudige Mädchen in ihren Wohnzimmern vor den Bildschirmen rumwirbelten, war plötzlich nur noch ein Kind online. Nach dem Lockdown bei Zumba for Family im Freien konnte sich nur eine Familie zum Mitmachen aufraffen. Und obwohl die Rückmeldungen wie immer äußerst bestärkend waren, reifte in Kristina Ziegler die Erkenntnis: "Es ist mühselig, immer wieder Neues aufzubauen."

Liebe zur Schweiz

Neu war dann ihre Liebe zur Schweiz. "Ich war im Sommer zur Coronazeit oft da." Kurztrips führten die Villingerin zu den Eidgenossen. Die Natur mit ihren Seen und Bergen und ihre rasche Veränderung je nach Wetter und die Ruhe, vor allem in der Zentralschweiz, hatten es ihr angetan. "Ich finde auch, die Menschen dort sind sehr hilfsbereit, super aufgeschlossen und einfühlsam, nicht dieses Gestresste und Gemotze wie hier oft." Die Schweizer, so ihr Eindruck, "reden eher weniger". Wie das zu der mitteilsamen Frau im Internet passt? "Man glaubt es kaum, aber ich bin eigentlich von Natur aus eine eher ruhige Person", gesteht sie lachend.

An einem dieser Tage auf der Rückfahrt von der Schweiz blitzte auf der Landstraße der Gedanke auf: "Ich würde so gerne hier wohnen" und gleich darauf: "Was hält mich?"

"You can", was am Tag des Umzugs auf ihrem T-Shirt steht, wurde ihr Motto. Schnell war klar: "Das einzige, was mich hier hält, sind meine Kinder", ohne ihren Rückhalt kein Umzug. Sie sprach mit ihnen und ihrem Exmann, überlegte hin und her und warf immer wieder in die Waagschale, dass 200 Kilometer Entfernung nicht die Welt seien. Tochter Laura ist mindestens genauso unternehmungslustig wie ihre Mama, schnell war klar: Sie kommt mit. Und auch Kristinas Sohn, der beim Papa lebt, bestärkte seine Mama in ihrem ungewöhnlichen Plan.

Arbeitsstelle als Krankenschwester

Eine Wohnung war schnell gefunden – und nachdem klar war, dass es einen Mietvertrag erst mit gültigem Arbeitsvertrag und mindestens fünfjähriger Aufenthaltserlaubnis geben würde, auch eine neue Arbeitsstelle als Krankenschwester in einem Altersheim in Teilzeit. Lauras neue Schule ist in fünf Minuten zu Fuß erreichbar, nach einem Jahr wird sie voraussichtlich die Unterstufe des Schweizer Schulsystems schon hinter sich gelassen haben.

Mittlerweile sind Kristina Ziegler und Tochter Laura in ihrer neuen Wahlheimat und einer Wohnung mit Blick auf den Vierwaldstätter See angekommen. Es fühlt sich richtig an: Auf den Bildern, die Kristina Ziegler im Internet postet, strahlt sie wieder durch und durch. Und das T-Shirt vom Umzugstag hängt wieder im Schrank, wohl wissend, dass jemand, der mitten im Leben alles auf Anfang stellt, noch viel mehr kann. "You can."

Artikel bewerten
55
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.