Dave Davis überzeugt sein Publikum mit Comedy vom Feinsten und exquisiter Politsatire. Foto: Wolfgang Trenkle

Vordergründig klingt es danach, Comedy-üblich nur einen Gag nach dem anderen rauszuhauen. Aber was Dave Davis im Schwenninger Capitol zu sagen hatte, ging sogar über Politsatire schon fast ins Philosophische über.

„Ihr lebt in einem der reichsten Länder der Welt und guckt wie Karl Dall nach dem Aufprall“, mahnte der Gewinner des Stuttgarter Besens in Gold.

Eigentlich würde er seine Hautfarbe gerne nicht zum Thema machen: „Ich kümmere mich nicht um meine Lackierung!“, machte es dann aber doch angesichts der vielfach erlebten schrägen Alltagssatire. „Warum fragt mich jemand, ob ich Deutsch spreche? Ich bin hier geboren?“

Statt sich aufzuregen, empfahl er, auch Weiße zu fragen, ob sie die Sprache beherrschten. Er werfe sich weg vor Lachen über Muttersprachler, wenn er von diesen Sätze hört, wie „Die Ausländer sollen erst einmal Deutsch am Lernen sein!“ Er nutze das Gegenteilsprinzip: Wer ihn als Farbigen bezeichne, den benennt er als Farblosen.

Seine Eltern flohen in den 70er Jahren

Davis versteht es hervorragend, sein Publikum zu einem Perspektivwechsel zu bringen. „Seid dankbar für euren Zufall der Geburt“, sagt Davis. Seine Eltern flohen in den 70er Jahren vor dem Schreckenspräsident Idi Amin aus Uganda über Griechenland nach Deutschland. Der Diktator habe jeden umgebracht, der nicht seiner Meinung war. Wer hier in Deutschland sage, es gäbe keine Meinungsfreiheit mehr, solle sich doch einfach mal auf einen öffentlichen Platz stellen und schreien „Olaf Scholz ist ein Arsch“.

„Leute, das Leben ist kurz, nutzt das Geschenk des Lebens. Die Torfatmung wartet bereits auf euch“, schreckte Davis seine umfangreich im Capitol erschienenen Gäste auf. Was er von ihnen forderte, ist „Terrorist des Lachens“ zu werden, jeden Tag eine Lachbombe zu zünden und schob gleich zwei Beispiele nach: Er wurde laut und schrie in Hitlerscher Betonung: „Ich werde zur nächsten Wahl in die rechtsexkrementelle Partei AfD eintreten und dort Chef werden. Dann benenne ich sie um in ‚Afrikaner für Deutschland‘“.

Weisheiten seines Opas begleiten ihn

Ins Zentrum des Abends stellte Davis Weisheiten seines Großvaters: „Wenn du auf die Welt kommst, hast du bereits alles, was du brauchst, um ein erfülltes Leben zu leben!“ Was heiße das? Man könne in sich ruhen, sein eigener König sein. Man müsse sich nicht glücklich botoxen oder ständig, wie der Kapitalismus es fordere, Neues kaufen.

Wozu sich erst dann glücklich fühlen, wenn man eine bis 300 Meter wasserdichte Uhr hat, ohne schwimmen zu können? Was nutze ein toller Wecker, wenn die Zeit fehle. Die Afrikaner hätten das kapiert und der Großvater habe seinem Enkel den Tipp gegeben: „Nur langsam, wir kommen noch früh genug zu spät“.