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Datenschutz Wenn das Auto Zeuge gegen den Fahrer wird

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Spieglein, Spieglein: Wer ist der Unfallverursacher? Foto: StN

Stuttgart - Vielleicht hatte er geglaubt, noch ungeschoren davonkommen zu können. Der Fahrer eines weißen Porsche Cayenne war am Samstag gegen 23.40 Uhr auf der A 8 Richtung Stuttgart unterwegs, als er auf Höhe von Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) von der Mittelspur nach rechts abdriftete – und einen Reisebus mit 40 Fahrgästen touchierte. Dramatische Sekunden: Der Busfahrer konnte sein Gefährt mit Müh und Not abfangen und auf dem Standstreifen anhalten. Der Porsche-Fahrer aber fuhr weiter – und hinterließ 4000 Euro Schaden. Mit viel Glück wurde niemand verletzt.

Dass der Verursacher nicht ungeschoren davonkommen würde, merkte er, als die Polizei Tage später im Landkreis Calw auftauchte und den weißen Firmenwagen sicherstellte. Als Fahrer wurde ein 55-Jähriger ausfindig gemacht, gegen den nun ein Strafverfahren läuft.

Die Polizei hatte keine Zeugenhinweise auf das Kennzeichen, kam dennoch auf die richtige Fährte. „Eine akribische Spurensicherung hatte hier eine große Bedeutung“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Details will er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Nur so viel steht fest: Entscheidend war der Außenspiegel des Porsche, der bei der Kollision am Unfallort zurück blieb.

Was die Polizei nicht verrät, aber Experten wissen: In so einem Spiegel steckt nicht nur Glas, sondern auch Elektronik. Und in der wiederum können Daten stecken, die nicht nur etwas über den Typ , sondern den Wagen selbst verraten. Weiße Porsche Cayenne sind zudem seltener auf der Straße unterwegs als VW Golf. Das machte das Aufspüren des Fahrzeughalters relativ einfach.

Beim Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar, bei dem derzeit das Thema Datenschutz und gläserner Autofahrer debattiert wird, hat dieser Ermittlungserfolg auch seine Kehrseite. Die Sammlung von Daten in Fahrzeugen sei schon heute weiter fortgeschritten, als viele Autobesitzer glaubten, klagt Christian Funk vom Deutschen Anwaltverein. Kay Nehm, einst Generalbundesanwalt, heute Präsident des Verkehrsgerichtstags, wird noch deutlicher: „Es gibt bisher keine gesetzlichen Regelungen zum Datenschutz, die für das Kraftfahrzeug passen“, sagt er. Der Schutz der gespeicherten Daten sei vielmehr „unzureichend“.

Ermittelnde Polizisten, wie Martin Ruffner von der Verkehrspolizeidirektion in Stuttgart, erleben das freilich anders: „Die Fahrzeughersteller mauern in der Regel bei der Herausgabe von Daten“, sagt er. Etwa 2000 Fälle landen pro Jahr bei den Spezialisten für Verkehrsermittlungen – bei insgesamt mehr als 6000 Unfallfluchten in Stuttgart. „Dabei handelt es sich um Fälle mit Spuren und Ermittlungsansätzen“, so Ruffner. Dass die Erfolgsquote derzeit bei 57 Prozent liegt, hat mit dem Blick für winzigste Details zu tun. Etwa mit der Nummer auf der Gummilippe eines Frontspoilers. Die klärte letztes Jahr einen dubiosen Unfall im Stadtteil Plieningen auf.

Ein 49-Jähriger war von Nachbarn schwer verletzt am Straßenrand des Riedgraswegs gefunden worden. Er hatte die Räder wechseln wollen und wurde von einem unbekannten Fahrzeug angefahren. Das Opfer konnte sich nicht erinnern, was genau passiert war. „Blieb also nur diese Gummilippe“, so Ruffner. Das Fundstück konnte als Teil eines Renault Clio älteren Baujahrs identifiziert werden.

Die Ermittler nahmen die zugelassenen Fahrzeuge dies Typs im Stadtbezirk ins Visier – und stießen sogleich auf eine 91-Jährige, die schon einmal wegen eines Unfalls anhängig war. Ihr Fahrzeug befand sich bereits zur Reparatur in der Werkstatt – die Polizisten griffen aber rechtzeitig zu. Der Führerschein der betagten Frau wurde einbehalten.

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