In der Natur gibt es für Kinder einiges zu entdecken. Foto: Arnold

Es gibt Themen im Nagolder Gemeinderat, die eignen sich für Kontroversen so gar nicht. Die beiden geplanten Waldkindergärten in Rötenbach und Hochdorf zum Beispiel. "Das wird richtig gut!", sagte der OB. Und die Stadträte gaben ihm per einstimmigen Beschluss recht.

Nagold - Läuft mit den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen alles glatt – und gelingt auch die nun bereits anlaufende Personalsuche für die beiden neuen Kitas reibungslos – sollen beide Waldkitas sogar bereits schon ab kommenden September mit ihren insgesamt 40 Plätzen zur Verfügung stehen. Und Oberbürgermeister Jürgen Großmann teilte ergänzend mit, dass man seitens der Verwaltung zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon ausgehe, dass mittelfristig beide Waldkitas sogar mit je zwei Gruppen á 20 Kita-Plätzen genutzt werden könnten.

Vorerst soll jeweils eine Gruppe eröffnet werden

Wobei die Stadt Nagold als künftiger Träger der Waldkindergärten diese jeweils so definiere, "dass sich die Gruppe mit den Betreuungskräften täglich zu jeder Jahreszeit und bei allen Witterungsverhältnissen in der freien Natur trifft". Sowohl die Waldkita Rötenbad, als auch die Waldkita Hochdorf stellten dabei je ein Angebot für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren (bis zum Schuleintritt) dar. Vorerst strebe man seitens der Stadt erst einmal die Eröffnung von jeweils einer Gruppe mit bis zu maximal 20 Kinder an. Die Betreuungszeit sei für sechs Stunden täglich von Montag bis Freitag geplant.

Der umliegende Wald sowie die großzügige Rasenfläche vor dem Gebäude böten dabei für die Waldkita Rötenbad "optimale Bedingungen" und zeichneten den Standort für eine geradezu "ideale Waldkita" aus. Vielfältige Möglichkeiten wie etwa der stillgelegte Rötenbach und eine reichhaltige Flora und Fauna würden dabei zum Erforschen, Erkunden und Entdecken in der Natur einladen. Die geplante Schutzhütte befinde sich auf dem Areal des Ausbildungszentrums der Straßenmeisterei und befindet sich im Besitz des Landes Baden-Württemberg, aber auf Nagolder Gemarkung. Weitere Waldgebiete zum Aufenthalt und Erkunden im Waldkita-Alltag lägen zudem in unmittelbarer Nachbarschaft und seien dem Stadtwald Nagold zugeordnet.

Die Fläche verfüge damit über einen beheizbaren Stützpunkt, die ehemalige Kegelbahn auf dem Gelände des Ausbildungszentrums. Dieser wäre eine ideale Schutzhütte, in dem die Kinder bei schwierigen Wetterbedingungen (wie starkem Gewitter, Sturm, extremen Frost) Schutz finden und Materialien, Geräte und Ersatzkleidung aufbewahren könnten. Die Kitaleitung bekäme dort gleichzeitig ausreichend Raum für einen Arbeitsplatz zur Erledigung ihrer Arbeiten. Darüber hinaus ist die Errichtung von Toiletten und Waschbecken im bestehenden Gebäude realisierbar.

Die Waldkita Hochdorf sei dem gegenüber sowohl von Wald, als auch von Feldern umgeben. Dieser Standort ermögliche es den Kindern, den Wechsel der Jahreszeiten zu erfahren und würde sie so "spürbar in die Prozesse der Natur" einbinden. Der vorgesehene Standort befinde sich in der Nähe des Sportplatzes Hochdorf, direkt angrenzend oberhalb der Tennisanlagen auf Gemarkung Nagold. Weitere Waldgebiete zum Aufenthalt und Erkunden im Waldkita-Alltag gäbe es auch hier im Eigentum der Stadt Nagold. Die Fläche verfügt ebenfalls über einen beheizbaren Stützpunkt. Das bestehende Bauwerk könnte idealerweise als Schutzhütte genutzt werden. In welchem Maße das bestehende Bauwerk die räumlichen Voraussetzungen erfüllt, werde derzeit geprüft. Den Sanitäreinrichtungen würde derzeit bereits durch ein vorhandenes "Klohäuschen" Sorge getragen werden.

Insgesamt seien aber auch so die Bedingungen für beide Kitas geradezu "optimal" und böten jeweils vielfältige Optionen zur Gestaltung eines Kita-Alltags. Waldnah und im Randgebiet Nagold beziehungsweise Hochdorfs gelegen, seien die Standorte zudem für die Eltern gut erreichbar. Die Zufahrt sei an beiden Standorten problemlos möglich, sodass durchgängig eine sichere Bring- und Abholsituation der Kinder gewährleistet sei.

Stadt will Fördermittel für Bauten beantragen

Nach den aktualisierten Schätzungen würden sich die Kosten für das Herrichten der genannten Bauten auf jeweils rund 100 000 Euro belaufen – hinzu kämen gegebenenfalls Grundstückskosten, falls das Land Baden-Württemberg den Grund mit der ehemaligen Kegelbahn an die Stadt Nagold veräußern würde. Auf jeden Fall wolle die Stadt versuchen, für die notwendigen baulichen Ertüchtigungen Fördermittel zu beantragen – was grundsätzlich bis zu einer Förderhöhe von 70 Prozent der Investitionskosten möglich sei. Allerdings endete die Antragsfrist für die laufende Förderperiode bereits zum 31. März – und es sei unbekannt, in welche Höhe dabei noch Fördermittel zur Verfügung stünden.

In einem Fazit nennt die zugehörige Sitzungsvorlage das Angebot einer Waldkita "eine willkommene Bereicherung der Nagolder Kita-Landschaft". Der zunehmende Bedarf an einem erweiterten Portfolio, besonders im naturnahen Bereich, werde durch die entsprechenden Angebote in umliegenden Kommunen ebenfalls bekräftigt. Trotz des jüngsten Kita-Neubaus in der Kernstadt könne zudem der Betreuungsbedarf in Nagold aktuell "immer noch nicht vollumfänglich gedeckt werden". Weiterer Ausbaubedarf in einigen Ortsteilen sei daher zeitnah notwendig. Aufgrund der kontinuierlich hohen, beziehungsweise sogar "steigenden Kinderzahl in Nagold", sehe man seitens der Stadt "eine ausreichende Nachfrage auch in diesem Segment als gegeben". Entsprechend die Ankündigung des OBs, dass auch die beiden Waldkitas mittelfristig auf je eine zweite Gruppe erweitert würden.

Laut Sitzungsvorlage setzten Waldkindergärten "ein deutliches Gegengewicht zu unserer strukturierten und technischen Lebenswelt. Die Natur bietet zu jeder Jahreszeit ein unerschöpfliches Reservoir an Möglichkeiten zum Spielen, Entdecken und lernen. Die Kinder nehmen ihre Umwelt mit allen Sinnen wahr und entwickeln dadurch eine innere Beziehung zur Natur. Sie entdecken die Welt, Zusammenhänge zwischen Klima, Jahreszeiten, pflanzlichem und tierischem Leben und erleben sich als Teil des Ganzen. Mit viel Phantasie, Kreativität und Eigeninitiative spielen die Kinder und entwickeln aus den zur Verfügung stehenden Materialien der Natur eigenes, fantasievolles Spielzeug und Handlungskonzepte. Der ›unbegrenzte‹ Raum verschiedener Naturlandschaften bietet ideale Bewegungsmöglichkeiten, unterstützt die Kinder in ihrer motorischen Entwicklung, ihrer emotionalen Stabilität und ihren sozialen Kompetenzen. Durch den kontinuierlichen Aufenthalt im Freien entwickeln Kinder eine hohe Sensibilität für die Natur sowie Gefühle von Vertrautheit in Bezug auf Pflanzen, Tiere, Erde, Luft und Wasser. Kinder können hier vielfältige Erfahrungen machen, Vertrauen und Mut in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und persönliche Grenzen erleben und erweitern."

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