Dominik Kloppe und Tim Messner sprechen über schwere Momente – und sie wissen wovon sie reden. Ihre Erfahrungen aus Feuerwehr, DLRG und Bestattung geben sie in Vorträgen an Menschen weiter, die mit dem Thema konfrontiert werden.
Blaulichter flackern in der Dunkelheit, Feuerwehrleute knien im Scheinwerferlicht neben einer zerborstenen Windschutzscheibe, versuchen Ordnung in das Chaos auf der staubigen Landstraße zu bringen. Die Szene eines Rettungseinsatzes – der mitunter tödliche Folgen haben kann. Für Dominik Kloppe und Tim Messner ist es eine Realität, mit der nicht nur sie sich konfrontiert sehen. Sie beide sind Feuerwehrmänner und Bestatter.
Die beiden 38-Jährigen haben zusammen mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Bestattungsbranche. Doch ihre Arbeit geht weit über die Begleitung von Hinterbliebenen hinaus. Durch ihre Erfahrungen in Feuerwehr und DLRG bringen sie ein ganz spezielles Wissen mit. Gemeinsam haben sie ein besonderes Projekt ins Leben gerufen: Einen Vortrag über die Verarbeitung von Einsätzen mit Todesfolge.
„Es fing alles mit einem Buch an“, erzählt Messner. „Als ich mit dem Buch ,Einsätze mit Todesfolge’ fast fertig war, sprach mich der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Mühlenbach an und fragte, ob wir nicht einen Vortrag dazu halten könnten.“ Was zunächst als kleiner Vortrag begann, entwickelte sich schnell zu einer umfassenden Präsentation, die mittlerweile mehr als 2,5 Stunden dauert und in ganz Deutschland sowie in Österreich und Südtirol Anklang findet.
Der Vortrag wird immer weiter mit Erlebnissen von Einsatzkräften ausgebaut
„Die ersten Vorträge kamen sehr, sehr gut an. Schon bald wurden wir von der Feuerwehr Elzach angefragt und haben angefangen, mehr aufzubauen“, erinnert sich Kloppe. Der Vortrag, der sich an Feuerwehrleute, Polizei, Pflegekräfte und andere Rettungsdienste richten kann, behandelt nicht nur die institutionellen Abläufe bei schweren Einsätzen. Es geht auch um die psychische Verarbeitung solcher Erlebnisse – ein Thema, das oft vernachlässigt wird, wissen die Beiden.
„Wir wollen den Menschen frühzeitig etwas an die Hand geben, um mit der Belastung umzugehen“, erklärt Messner. Besonders eindringlich wird das durch Geschichten aus erster Hand. „Wir zitieren Kollegen aus Deutschland, aber auch international, beispielsweise einen Captain der US Army Airbase, dessen Einsatzleiter sich nach einem tragischen Feuerwehrunfall das Leben nahm.“
„Es kann jeden treffen“
Doch es geht nicht nur um die Theorie. Kloppe und Messner lassen ihre Zuhörer aktiv an den Erfahrungen teilhaben. „Wir haben zum Beispiel einen Leichensack dabei, in den sich die Teilnehmer legen können. Es ist interaktiv – kein Frontalvortrag“, betont Kloppe. Die realistischen Einblicke sollen die Zuhörer auf die schwierigen Situationen vorbereiten. „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen können, denn es kann wirklich jeden treffen.“
Ein Zitat aus ihrem Vortrag beschreibt eindringlich, wie sich der Moment eines Einsatzes anfühlen kann: „Ich stieg aus, ging zwei Schritte nach vorne, sah das riesige Trümmerfeld und die Zeit stand still.“ Diese Worte stammen von Alexander Schäfer, dem Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Flörsheim-Dalsheim, der nach einem Motorradunfall als Einsatzkraft vor Ort war.
Nach den Vorträgen kommt es häufig noch zu langen Gesprächen
Der Bedarf an solchen Vorträgen ist enorm. „Es zeigt sich, dass das Thema weit über die Freiwillige Feuerwehr hinausgeht“, sagt Messner. Auch Pflegekräfte und Rettungsdienste würden von den Inhalten, die weit über die üblichen Schulungen zur psychosozialen Notfallversorgung hinausgehen, profitieren. „Wir holen jeden ab – egal, ob jemand schon Erfahrung mit dem Tod hat oder nicht“, betont Kloppe.
Das Interesse an ihrem Vortrag hat sich inzwischen weit über die Region hinaus verbreitet. „Es hat sich herumgesprochen, bis nach Worms und sogar Österreich“, berichtet Messner. Ein Video, das die beiden auf Social Media zu dem Thema veröffentlichten, hat bereits 50 000 Klicks erreicht. „Wir werden mindestens einmal pro Woche angefragt, ob wir einen Vortrag halten können“, sagt er.
Kloppe und Messner nehmen sich regelmäßig Urlaub, um ihre Vorträge zu halten. „Unsere Message ist klar: Das Tabu, über die psychischen Folgen von Einsätzen zu sprechen, muss gebrochen werden. Wenn man sich ein Bein bricht, geht man zum Chirurgen. Wenn die Seele gebrochen ist, sollte man genauso selbstverständlich einen Psychologen aufsuchen“, erklärt Messner.
Austausch nach dem Vortrag
Die beiden entwickeln ihren Vortrag stetig weiter, passen ihn an und integrieren neue Geschichten, die sie auf ihren Reisen und in Gesprächen mit Feuerwehrkollegen sammeln. „Jeder Vortrag gibt uns neue Einblicke, die wir wieder mit einfließen lassen“, erklärt Messner. „In Tuttlingen zum Beispiel haben 120 Rinder bei einem Brand das Leben verloren. Für die Feuerwehrleute war das extrem belastend – etwas, das wir so nicht auf dem Schirm hatten.“
Besonders intensiv wird es oft nach den Vorträgen. „Wenn der Vortrag endet, geht es meistens noch weiter“, erzählt Kloppe. „Die Teilnehmer öffnen sich, sprechen über ihre Erfahrungen, und manchmal bleiben wir bis spät in die Nacht, um zuzuhören.“ Die beiden haben sogar Visitenkarten entwickelt, auf denen Warnsignale für psychische Belastung aufgelistet sind, zusammen mit praktischen Tipps und ihrem Kontakt.
Für die beiden ist klar: Ihr Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen. „Wir sind gespannt, was noch kommt“, sagt Messner. „Der Vortrag wächst immer weiter. Wir wollen so viele Menschen wie möglich erreichen und ihnen helfen, mit diesen schwierigen Erfahrungen umzugehen.“
Kontakt
Tim Messner und Dominik Kloppe sind sowohl per E-Mail unter der Adresse kontakt@brojectforlife.de als auch über ihren Instagram Kanal „@brojectforlife“ zu erreichen. Bei Interesse können dort Anfragen gestellt werden, alles weitere wird dann abgeklärt.